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Geheimnisse hinter der Schlossfassade

Die historische Sondierung des alten Gemäuers ist beendet. Der Restaurator Gunter Preuß erklärt, worauf er dabei gestoßen ist.

Von Nicole Czerwinka

Diplomrestaurator Gunter Preuß hat das Schloss Hirschstein bei einer restauratorischen Sondierung genau unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse seiner Arbeit präsentierte er im Technischen Ausschuss der Gemeinde am letzten Montag.

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Das Schloss war einst als eine Verteidigungsburg angelegt worden, wurde im Laufe der Zeit aber immer wieder erneut um- und ausgebaut. Die letzten großen Veränderungen erfuhr das Bauwerk zu DDR-Zeiten. „Seine heutige Stilprägung hat das Schloss aber im Wesentlichen Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem in den 1890er Jahren, erfahren“, sagte der Restaurator den Gemeinderäten. Bausubstanz und Stilform wären eine Mischung aus Renaissance und Barock, die in etwa den von Schloss Gauernitz bei Dresden ähneln, so Preuß.

Doch in den Innenräumen sind bis heute noch Spuren von längst vergangenen Tagen zu finden. So verbergen sich unter dem von Feuchte und Nässe befallenen Wandputz im Treppenaufgang beispielsweise noch Putze aus der Barockzeit. „Das Ganze muss man sich vorstellen wie eine Zwiebel mit verschiedenen Schichten“, erklärt der Restaurator, „eine Putzschicht überlagert die andere.“ Schichtenweise könne man sich nun durch die Jahrhunderte vorarbeiten.

Barock nicht als Maßstab

Allerdings sei das Treppenhaus in seiner Form später stark verändert worden. Der bauliche Stil entspreche auch hier inzwischen eher der Zeit um 1890. „Wenn man das Ganze historisch getreu restaurieren möchte, würde ich daher nicht die Barockzeit als Maßstab nehmen“, so die Empfehlung von Gunter Preuß.

Doch auch in den anderen Räumen stieß der Restaurator auf Zeugen aus der Vergangenheit. In der Schlosskapelle hat er beispielsweise Streifen einer bunten, aufwendigen Bemalung im Gewölbe freigelegt. Hier sollen auch einmal Sprüche an den Wänden gestanden haben, die seien jedoch nicht mehr zu finden, so Preuß. Auch der Ovalsaal im Erdgeschoss atme eine „vornehme Prächtigkeit“. Im Saal verbanden sich einst polierbare Steine mit vergoldeten Motiven als Wandverkleidung, ähnlich wie in der Semperoper in Dresden.

Der obere Gang ist dagegen von schönen Holzarbeiten aus dunkler Eiche geprägt. Die beiden großen Türen im Eckturm sind offensichtlich jedoch ein Werk der Neuzeit, vermutlich in den 1930er oder 40er Jahren erst eingebaut worden. So arbeitete sich der Restaurator durch das gesamte Gebäude vor und lieferte nun einen kleinen Einblick in dessen Bauhistorie.

Was die Gemeinde damit macht, ist nun jedoch ihr überlassen. „Wenn Dach und Fenster in Ordnung sind, ist erst einmal eine gute Grundlage geschaffen. Dann kann man Stück für Stück vorgehen“, sagte Preuß. Und genau das will die Gemeinde bei der Sanierung ihres Schlosses auch tun. Zunächst soll nun ein Nutzungskonzept für das Schloss Hirschstein erarbeitet werden. Die Räume müssten ferner nicht unbedingt zu hundert Prozent nach historischem Vorbild saniert, aber wieder in einen „freudvollen Zustand“ gebracht werden, empfahl der Restaurator Preuß.