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Geisterstunde im Gymnasium

Theater statt Konzert: Die 12. Klasse der Lößnitzschule will „A Christmas Carol“ aufführen. Der Endspurt läuft.

© Norbert Millauer

Von Marco Mach

Scrooge zählt seine Goldmünzen. Jagt Bettler und seinen Neffen davon. Und grollt, weil er seinem Sekretär Cratchit zu Weihnachten wohl oder übel einen Tag Urlaub gewähren muss. Dabei sei Weihnachten doch Humbug. Niels Kettwig spielt diesen alten Geizhals bereits in der Probe so, wie man ihn sich vorstellt. Verbittert, mit grau-braunem Mantel, Drei-Tage-Bart und kratziger Stimme.

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Scrooge ist die Hauptfigur von Charles Dickens Kult-Weihnachtsstück „A Christmas Carol“, Niels Kettwig Schüler der zwölften Klasse des Radebeuler Lößnitzgymnasiums. Er und sein gesamter Jahrgang haben es sich zum Ziel gemacht, die Geschichte Mitte Dezember anstelle des Weihnachtskonzertes auf die Aula-Bühne zu bringen. „Um kurz vor dem Abitur nochmals was Bleibendes zu schaffen. Und natürlich auch, um unsere Abikasse etwas aufzustocken“, sagt Organisatorin und Jahrgangssprecherin Elisabeth Kluge. Der Endspurt läuft, aber die Texte sitzen. Bereits seit den Sommerferien sind über 70 Schüler mit Lehrerunterstützung dabei, einmal pro Woche und jeden zweiten Sonntag zu proben. Wer nicht schauspielert, singt im Chor, spielt ein Instrument oder kümmert sich um das Bühnenbild oder Plakate. Die Kostüme stammen von der Kurfürst-Moritz-Schule aus Boxdorf.

Drehbuch aus Dresden

Bekannt ist die Geschichte hier vor allem in der Version von Regisseur Holk Freytag von den alljährlichen Aufführungen des Dresdner Staatsschauspiels im Palais des Großen Garten. Genau dieses Drehbuch liegt jetzt auch den Schülern vor. „Ich habe im Staatsschauspiel nachgefragt. Und das Theater hat uns total unkompliziert Text und Partituren geschickt“, sagt Elisabeth Kluge, bedankt sich und hofft, dass Freytag zur Premiere vorbeischaut. Sie selbst sah sein Stück bestimmt schon zehnmal. Niels Kettwig dagegen kennt nur den Trickfilm. Weil er aber gerne vorne steht und sich leicht viel Text merken kann, hat er die Hauptrolle bekommen.

„A Christmas Carol“ sei nach Meinung der beiden ideal, um es vor Weihnachten zu spielen. Berührend, für Groß und Klein sowie topaktuell zugleich. Schließlich zeigt es auf, dass Geld nicht alles ist. Dies bekommt Geizhals Scrooge in Form von vier Geistern vermittelt, die sein Leben gänzlich ändern. „Das Beste wäre, wenn die Zuschauer mit einem warmen Gefühl nach Hause gehen“, so Elisabeth Kluge. In der Probe erscheint Scrooge gerade der erste Geist, sein verstorbener Kompagnon Marley ... Na dann, geistreiche Weihnachten!

„A Christmas Carol“, 13.12., 19 Uhr (bereits ausverkauft), sowie am 14.12. um 11 und 14.30 Uhr im Radebeuler Lößnitzgymnasium an der Steinbachstraße 21, Karten für 2,50 Euro im Sekretariat.