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Gemeinderätin steht ohne Mitstreiter da

20 Jahre kämpfte die Bürger- Initiative gegen Kronospan und stellte Gemeinderäte. Doch vor der Wahl ist nun die Luft raus.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Gemeinderätin Martina Höllerl aus Lampertswalde muss sich neu orientieren. Sie will im Mai wieder für den Gemeinderat und sogar für das Bürgermeisteramt kandidieren. Doch ihr Mandatsträger, der kritische Umweltverein Dörfer mit Zukunft, ist von der kommunalpolitischen Bühne abgetreten. Die Initiative löste sich auf und kann daher keinen Kandidaten mehr stellen. Martina Höllerl war stellvertretende Vereinschefin. Und vor ihr gehörten schon Vereinsvorsitzender Andreas Gruhl und Dr. Jürgen Zschoche zum Lampertswalder Gemeinderat.

Seit dem gescheiterten Bürgerbegehren 2008 gegen den Bau des neuen Logistikzentrums von Kronospan, das nun vorerst doch nicht kommt, ist es aber ruhig um den Verein geworden. „Feuerwehr und Sportverein haben mehr Resonanz in Lampertswalde“, konstatiert auch der erste Vereinsvorsitzende, Dr. Horst Mai. Mit ihm und Dr. Zschoche sind aus Alters- bzw. Krankheitsgründen schon zwei Vorkämpfer für die Wohnqualität im Ort aus dem Verein ausgeschieden. Vorsitzender Andreas Gruhl ist zudem beruflich stark belastet. Und die Nachwuchsgewinnung gelang nicht. „Junge Leute interessieren sich nicht mehr für unser Anliegen“, sagt Horst Mai resigniert. Dabei gäbe es noch viel zu tun.

Lärmbelästigung bleibt

Dem Gründungsmitglied nach hat sich der Anspruch, für den der Verein kämpfte, nicht erschöpft. Lärmbelästigung durch den Laminatriesen sei nachts immer noch ein Thema im Ort. „Wir können selbst nicht bei offenem Fenster schlafen“, so der fast 80-jährige Tierarzt. Er wollte schon fast eine Anzeige gegen Kronospan machen.

Genau das war der Geist, mit dem „Dörfer mit Zukunft“ jahrelang für Transparenz bei Kronospan und eine verträgliche Ansiedlung und Erweiterung gestritten hat. „Wenn wir nicht gewesen wären, hätte sich das Spanplattenwerk noch viel mehr erlaubt“, ist sich der Lampertswalder sicher.

Er selbst verhandelte mit dem damaligen Geschäftsführer Dr. Wolfgang Seifert, als an die millionenteure Abgasreinigung noch nicht zu denken war. Die kam erst 2004. Es ging der Bürgerinitiative um jede Betriebsanlage – Ventilatoren, die Lärm verursachen, die Höhe von Schornsteinen. Darum, dass das Grundwasser fiel, Holzflocken als Niederschlag niedergingen oder die Leimküche roch. Die Bürgerinitiative um Mitbegründer Andreas Gruhl war von Anfang an fachlich fundiert unterwegs. Die Gemeinde unterstützte anfangs die Initiative, bezahlte Lärmmessungen und Gutachten, weil sie Kronospan misstraute. „Dörfer mit Zukunft“ hatte 2002 eine Bürgerbefragung zur Erweiterung von Kronospan initiiert. Da war die Mehrheit der Einwohner dagegen. 2008 dann das Bürgerbegehren. Die reichliche Hälfte der Wähler in der Gemeinde Lampertswalde hatte sich dann aber für den Bau des Logistikzentrums auf der anderen Seite der Bundesstraße ausgesprochen. Auch der Gemeinderat entschied positiv. „Wir wurden da nicht mehr für voll genommen“, erinnert sich Horst Mai. Der Verein hatte wohl zu viel gewollt.

Die Stimmung ist gekippt

So kippte die Stimmung und der einstige Protest gegen Umweltbelastungen durch Kronospan kam zum Erliegen. Sicher spielt auch eine Rolle, dass zahlreiche Gemeindeeinwohner bei Kronospan beschäftigt sind. Zwar zahlte Kronospan zuletzt keine Steuern an Lampertswalde. Aber das Werk verbraucht so viel Strom wie eine mittlere Kreisstadt. Deshalb muss zumindest der Energieversorger Enso hohe Gewerbesteuer zahlen. 13 Mitglieder hatte „Dörfer mit Zukunft“ zuletzt, und auf 15 Jahre Bestehen können die Lampertswalder immerhin zurückblicken. „Wir haben für die Einwohner gekämpft, dass Kronospan die Grenzwerte bei Lärm und Gestank einhalten muss“, so Vereinsvorsitzender Andreas Gruhl. „Doch letztlich hat sich Lethargie und Resignation im Dorfleben breitgemacht.“ Der Verein sei von den Lampertswaldern zuletzt nicht mehr unterstützt worden, habe keine Impulse mehr bekommen. „Mit rechtlichen Mitteln wären wir auch nicht weitergekommen“, so Gruhl. So war das Vereinsleben einfach nicht mehr aufrechtzuerhalten. Der Vereinschef: „Letztlich waren wir erfolglos.“

Zwar hat die Gemeinde seit 2011 einen Bebauungsplan für das Gewerbegebiet südlich der B 98. Dass dort bisher keine Flächen versiegelt wurden, ist zwar nicht der Verdienst der Bürgerinitiative. Wohl aber ein Plus für die Lebensqualität der Lampertswalder. So bleibt es vielleicht doch im Bewusstsein der Menschen, dass man dafür etwas tun muss. Martina Höllerl wird es weiterhin versuchen. Auch ohne Verein.