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Gerhard Richter braucht kein eigenes Museum

Die Stadt Köln möchte sich ein Gerhard-Richter-Museum leisten. Doch der 87-jährige Maler-Star will kein eigenes Haus für seine Kunst. Auch nicht in Dresden.

Gerhard Richter hat gut lachen: Hier bei der Eröffnung seiner Ausstellung abstrakter Bilder im Mai 2017 im Dresdner Albertinum.
Gerhard Richter hat gut lachen: Hier bei der Eröffnung seiner Ausstellung abstrakter Bilder im Mai 2017 im Dresdner Albertinum. © Ronald Bonß

Das ist mal wieder eine dieser Sommerloch-Wichtigtuereien: Der ehemalige Oberbürgermeister von Köln, Fritz Schramma, kam vor Kurzem mit der Idee um die Ecke, in der Stadt am Rhein ein Gerhard-Richter-Museum gründen zu wollen. 

Richter wohnt fast vierzig Jahre in Köln. Deshalb sollte man gerade dort wissen, wie der Maler tickt. Immer wieder hat er sich in Interviews zurückhaltend bis ablehnend geäußert, wenn es darum ging, ihm einen Tempel bauen zu wollen. Monografische Museen sieht er mit Skepsis. Und vorsichtig widerspricht er Museumsleuten, die ihn größer machen wollen, als er sich fühlt. 

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Selbst in Dresden, die Stadt, in der er 1932 geboren wurde und in der er in den 1950er-Jahren sein Studium begann, bevor er kurz vor dem Mauerbau in den Westen Deutschlands ging, bremst er die Museumsleute hin und wieder aus: Eine Soloshow im Lipsiusbau? Ist das nicht übertrieben? Wo doch das Albertinum dem Künstler permanent zwei Räume widmet. 2017 wurde genau dort eine Sonderschau mit neuer abstrakter Malerei Richters gezeigt. Außerdem richtet das bei den Staatlichen Kunstsammlungen angesiedelte Gerhard Richter Archiv jedes Jahr eine Sonderausstellung im Albertinum ein. Aktuell zu sehen ist bis 22. September die Schau „Gerhard Richter. Editionen, Entwürfe, Briefe, Materialien“.

Er misstraut dem Hype

„Dresden ist der Ort, an dem man facettenreich zu Richter arbeiten kann“, sagt Kerstin Küster vom Gerhard Richter Archiv. Im Albertinum gibt es einen Themenraum, der von Zeit zu Zeit neu bestückt wird, und es gibt einen zweiten Raum, in dem die künstlerische Entwicklung des Malers ablesbar ist. Kerstin Küster meint: „Richter ist es wichtig, dass seine Bilder in den normalen Rundgang integriert sind. Er möchte nicht, dass die Besucher extra bezahlen müssen, um seine Bilder zu sehen“, sagt sie. 

„Er ist sehr skeptisch, was die Wirkung seiner Kunst angeht und fragt sich oft, ob das in zehn Jahren noch jemand sehen will.“ Den Superlativen, die über ihn geschrieben wurden und werden, hat Richter nie getraut. Und immer wieder wundert er sich über die gigantischen Summen, die seine Bilder auf Auktionen erzielen. Auch wenn es im Moment nicht danach aussieht: Der Hype kann schnell verfliegen, nichts ist für die Ewigkeit.

Deshalb nimmt Richter den Kölner Trubel gelassen: Er sei in wichtigsten Museen auf der ganzen Welt vertreten und spiele gern im Orchester der Kunst, sagte er am Donnerstag in einem Interview im Deutschlandfunk. „Den Soloauftritt durch ein Einzelmuseum brauche ich gar nicht.“

Das sollte in Köln eigentlich bekannt sein, wo das Museum Ludwig in einem eigenen Richter-Raum dessen berühmtes Gemälde „Ema (Akt auf einer Treppe)“ von 1966 und die „48 Porträts“ von 1972 zeigt. Im Kölner Dom hat Richter 2007 ein Fenster mit 11 263 kleinen Farbquadraten gestaltet, Angeordnet sind die 72 Farben des Fensters nach dem Zufallsprinzip. Nur zufällig sei er auch in Köln hängengeblieben, meint Richter. Und rein zufällig wurde er in Dresden geboren. Daraus würde er nie einen Anspruch formulieren. Seine wichtigsten Werke hat er über Deutschland verteilt. 

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Nicht nur Köln und Dresden haben große Stücke vom Kuchen abbekommen. Auch Baden Baden, Nürnberg und München sind dabei. Während Nürnberg eine Privatsammlung übernahm, die nicht ständig gezeigt wird, besitzt das Lenbachhaus in München Richters „Atlas“. Das ist eine Sammlung von Fotografien, Zeitungsausschnitten und Skizzen, die der Künstler seit den 1960er-Jahren angelegt und auf losen Blättern angeordnet hat. 583 Tafeln kaufte das Lenbachhaus 1996. Inzwischen zählt der „Atlas“ mehr als 800 Tafeln.

Das Dresdner Albertinum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eingänge am Georg-Treu-Platz und auf der Brühlschen Terrasse.

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