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Geschwisterkrieg um Kunst und Krempel

Fünf Jahre nach dem Tod des Nünchritzer Künstlers Paul Häusler streiten die Kinder vor Gericht um den Nachlass.

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Spätestens als die Rede auf eine Kiste voll bunter Glassplitter kommt, fragen sich die Anwesenden: Wozu das Ganze? Die Glassplitter, erläutert Jan Häusler, seien Teil des künstlerischen Nachlasses seines Vaters Paul Häusler, hätten damit einen hohen ideellen Wert. Abfall, sagt die Schwester. Unterschlagung, schreit der Bruder und verklagt seine Schwester.

An diesem Dienstag geht es vor dem Amtsgericht Riesa sechs Stunden lang um heillos verkrachte Geschwister, um gekränkte Liebe zu den Eltern, um Kunst und viel, viel Krempel. Nebenfiguren sind die langjährige Lebensgefährtin des Verstorbenen und ein Nachbar. Ein Dramolett der trivialsten Sorte, und so fing es an:

Der im Sommer 2005 an Krebs verstorbene Künstler Paul Häusler hinterließ an irdischen Gütern ein Haus in Dießbar-Seußlitz, prall gefüllt mit den Überresten von knapp 60 Jahren künstlerischen Schaffens: Mappen voll Zeichnungen, Drucke, Ölbilder, Plakate, Geschenke befreundeter Künstler und und und. Über all das verfasste die älteste Tochter Raja Bünger, 59, als Testamentsvollstreckerin des Vaters ein Verzeichnis. Was sich an werthaltigen Dingen im Haus befunden habe, sei aufgenommen worden, versicherte Bünger dem Gericht. Ein Gutachter schätzte den künstlerischen Nachlass auf 11000 Euro. Dann aber kamen ihre Geschwister: der in Brandenburg lebende Pilot Jan Häusler, 49, und die Galeristin Maria Pasieka, 54, aus Jena. Sicher, dass noch mehr da sein müsse, verfassten sie ihrerseits eine Liste mit Dingen, die sie von der Schwester forderten. Darunter eine Plakatsammlung, der Siebdruckzyklus „Riesa im Wandel der Zeiten“, ein Satz Stoffpuppen und zwei Kisten Glas.

Seit fünf Jahren wird gestritten

Raja Bünger antwortete, sie habe den genannten Gegenständen keinen Wert beigemessen, aber da lief die Kommunikation der drei bereits über Anwälte. Vier Jahre ging der Streit hin und her, dann, an einem Sonnabend im März 2009, fuhren Häusler und Pasieka nach Dießbar-Seußlitz. Dort begrüßte sie Anneliese Melchior, mit der Paul Häusler seit dem Tod seiner Frau 1992 zusammengelebt hatte. Melchior, von Bünger als Hausverwalterin eingesetzt, musste die beiden unfreiwillig einlassen, worauf diese das Haus auf den Kopf stellten. Mit dabei war als Zeuge der Maler Heinz Moosdorf, der Nachbar, und später auch die Polizei. Ob an diesem Abend der gekränkte Sohn gegen die Freundin seines verstorbenen Vaters tätlich wurde, klärt ein anderes Verfahren.

Jan Häusler zeigte sich gekränkt, dass die Schwester Dinge aus dem Nachlass der Eltern als wertlos abtat, die ihm viel bedeuteten. Er wies aber auch darauf hin, dass die strittigen Druckvorlagen aus dem Nachlass des Künstlers durchaus vom Erben zu Geld gemacht werden können. Raja Bünger wunderte sich über die Beharrlichkeit von Bruder und Schwester, obwohl schon mehrere Verfahren eingestellt worden seien. Und so stritt man erneut, auf welchem Tischchen in welchem Raum des Hauses zu welchem Zeitpunkt Aquarellmappen gelegen haben sollen.

Zum Gerichtstermin erschienen Bünger, Pasieka und Häusler jeweils bewaffnet mit Ordnern, Fotoalben und Zeichnungsmappen. Miteinander sprachen sie kein Wort. Das Haus im Brummochsenloch ist seit Oktober verkauft, Geld ist noch nicht geflossen. Jan Häusler sagt, er habe nur noch eine Schwester. Gegen die andere ist auch diesmal das Verfahren eingestellt worden. Christine Keilholz