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Gespür für Bewährtes und Weitblick

Das Berufliche Schulzentrum „Konrad Zuse“ vereint fünf Schularten. Es soll ein neues Pflegekabinett entstehen.

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Im Fachraum Logistik erläuterte Marvin Mende (22), Lagerlogistiker im dritten Lehrjahr, den Schülern Vivian Richter (15), Laura Spyra (15) und Lukas Kubo (15) aus den 8. Klassen der Oberschule Am Stadtrand Inhalte der Ausbildung. (v.l.n.r.).
Im Fachraum Logistik erläuterte Marvin Mende (22), Lagerlogistiker im dritten Lehrjahr, den Schülern Vivian Richter (15), Laura Spyra (15) und Lukas Kubo (15) aus den 8. Klassen der Oberschule Am Stadtrand Inhalte der Ausbildung. (v.l.n.r.). © Foto: Andreas Kirschke

Hoyerswerda. Vivian würde gern Kosmetikerin oder Kfz-Mechatronikerin werden. Laura interessiert sich für Berufe wie Grafikerin, Designerin und Konditorin. Lukas strebt nach dem Abitur zunächst ein Studium an. „Wir wollen mehr über die verschiedenen Berufsfelder hier erfahren“, meinen Vivian Richter (15), Laura Spyra (15) und Lukas Kubo (15) aus den 8. Klassen der Hoyerswerdaer Oberschule „Am Stadtrand“ am Samstagmorgen. Im Beruflichen Schulzentrum „Konrad Zuse“ (BSZ) besuchen sie den Tag der offenen Tür. Zusammen mit Schülern der 7. Klassen gehört ihre Exkursion zum Projekt „Praxisberater an Schulen“. Immer wieder fragen die Schüler gezielt nach.

„Genau das wollen wir erreichen. Wir wollen unsere Inhalte und Ausbildungsprofile zeigen. Wir werben um neue Schüler und pflegen Kontakt mit Betrieben und Einrichtungen. Unser Leitmotiv heißt «Am besten gemeinsam»“, sagt Kathleen Stephan, seit 2018 Schulleiterin im BSZ. Frühzeitig, bereits in den Grundschulen, stellt sich die Schule vor. Lehrer des BSZ informieren gezielt an Elternabenden.

Im Unterschied zu anderen Schulen vereint das BSZ gleich fünf Schularten. Das sind die Berufsschule mit dualer Ausbildung, die Berufsfachschule mit den Schwerpunkten Sozialwesen, Altenpflege und Krankenpflegehilfe, die Fachoberschule Abitur mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Verwaltung sowie Gesundheit und Soziales, das Berufliche Gymnasium Abitur mit den Fachrichtungen Wirtschaftswissenschaft, Gesundheit und Sozialwesensowie die Fachschule für Sozialwesen mit dem Schwerpunkt staatlich anerkannter Erzieher.

Mit viel Aufwand wurde der Tag der offenen Tür organisiert. „Dafür gilt der Arbeitsgruppe um Dagmar Haarig und allen Kollegen herzlicher Dank“, betont die Leiterin. Im Schulhaus stellen sich 24 Ausbildungsbetriebe und Kooperationspartner vor. Das reicht von der Agentur für Arbeit Hoyerswerda über Maja-Möbelwerk GmbH Wittichenau und Pewo Energietechnik GmbH Elsterheide bis Willms Weißwasser. „Gerade das BSZ Hoyerswerda ist ein beständiger, zuverlässiger Partner für uns. Wir organisieren gemeinsam Projekte zur Berufsorientierung und Studienorientierung“, schildern Pascal Stallerscheck, Leiter der Schüler-Agentur zur beruflichen Frühorientierung, und Koordinatorin Martina Wolf von der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven (RAA Hoyerswerda-Ostsachsen). Langfristig werben sie heute zum Beispiel für den Studien-Informationstag. Mit vielen Partnern findet er am 26. November von 10 bis 14.30 Uhr im BSZ Hoyerswerda statt.

Margit Mihan, Lehrerin für Englisch, unterrichtet seit 1995 von Anfang an im BSZ. Sie schätzt die Kollegialität, Kreativität und moderne Ausstattung. „Der Umgang miteinander ist freundlich, fair und zugewandt. Ich fühle mich gut angekommen hier“, sagt ihre Kollegin Ute Börner.

Celina Burkard (18) aus Lauta und Aileen Hennersdorf (18) aus Hoyerswerda lernen in der 12. Klasse des Bereichs Fachoberschule Wirtschaft. Im BSZ mögen sie die Offenheit und Hilfsbereitschaft ihrer Lehrer. „Sie geben dich nicht auf. Sie unterstützen in schwierigen Phasen. Der Stundenplan ist nicht überfrachtet. Er ist übersichtlich und machbar“, meinen die Schülerinnen. „Wir Schüler dürfen kreativ die Klassenräume gestalten.“ Was die beiden freut: Inhaltliche Vorschläge werden ernstgenommen.

Feste Säule im BSZ ist die Krankenpflegehilfe. „Sie ist die einzige Ausbildung in der Pflege, die Schüler bereits mit Hauptschulabschluss absolvieren können. Ein wichtiges Sprungbrett für nachfolgende Ausbildungen als Pflegefachkraft oder als Gesundheits- und Krankenpfleger“, sagt Silke Tautz, Fachleiterin im Bereich Pflege. Momentan lernen 16 Schüler im ersten Ausbildungsjahr und neun Schüler im zweiten Ausbildungsjahr Krankenpflegehelfer. Der Beruf wird dringend gebraucht. Er dient zur Entlastung der Fachkräfte bei der Grundpflege. „Das Lernniveau ist sehr unterschiedlich. Und die Klassen sind sehr verschiedenartig“, sagt Silke Tautz. „Wir versuchen, jeden Einzelnen mitzunehmen.“

Immens ist der Zuspruch im Bereich Erzieher-Ausbildung. Rund 100 Schüler lernen derzeit in fünf Klassen diesen Beruf. „Sie sind sehr motiviert und praxisorientiert“, sagt Lehrerin Ulrike Kobalz, die das Lernfeld 1 (Professionalität) und das Lernfeld 4 (Bildungsarbeit) unterrichtet. „Die gesamte Ausbildung dauert drei Jahre. Jedes Schuljahr enthält elf Wochen Praxis – in Kindertagesstätten und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit.“

Mit Weitblick organisiert das BSZ künftig die Pflege-Ausbildung. Derzeit gibt es die drei Bereiche Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. „Ab 1. September 2020 werden sie gebündelt in der sogenannten generalistischen Ausbildung. Das heißt, alle drei Berufe lernen künftig die ersten zwei Jahre gemeinsam. Im dritten Jahr ist Spezialisierung möglich. Wir orientieren jedoch auf durchgängig drei Jahre Generalistik – mit Abschluss Pflegefachfrau / Pflegefachmann“, sagt Anja Beutner, Fachlehrerin für Gesundheit und Pflege im BSZ. Im Bereich Bautzen des Landesamtes für Schule und Bildung ist sie zugleich Fachberaterin für Gesundheits-Fachberufe. Der Abschluss Pflegefachfrau / Pflegefachmann, so betont sie, bringt viele Vorzüge. Schüler erhalten von vornherein einen Gesamt-Überblick der Pflege. EU-weit ist ihr Abschluss anerkannt. Er gilt für alle Bereiche der pflegerischen Versorgung. „Jeder erhält die gleiche angemessene Ausbildungsvergütung. Hinzu kommt die Aufwertung der Praxis und der Praxisanleiter“, unterstreicht Anja Beutner. Für das BSZ ist dieser neue Weg eine Herausforderung. Ein neues Pflegekabinett soll entstehen. Ein bestehendes Pflegekabinett soll umgebaut werden. „Wichtig ist, die hohe Qualität der Ausbildung zu erhalten und zu vertiefen“, sagt Anja Beutner. „Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung liegen vor, ebenso die Finanzierungsvereinbarung. Derzeit erarbeiten wir den Lehrplan.“