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Gesunde Kost aus dem Hofladen

Das Nebelschützer Geschäft stand nur kurz leer. Kunden kommen aus der Nachbarschaft aus Kamenz und sogar Dresden.

Vielfältig ist das Sortiment an Bio- und Regionalprodukten im Nebelschützer Dorfladen. Ruth Tinschert und Thomas Noack wünschen sich noch etwas mehr Interesse der Einwohner. Sie hoffen auch auf eine langfristige, regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Nebelsc
Vielfältig ist das Sortiment an Bio- und Regionalprodukten im Nebelschützer Dorfladen. Ruth Tinschert und Thomas Noack wünschen sich noch etwas mehr Interesse der Einwohner. Sie hoffen auch auf eine langfristige, regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Nebelsc © Andreas Kirschke

Nebelschütz. Dorfläden gehören heutzutage eher schon zur aussterbenden Spezies. Nebelschütz hat noch einen. „Unser Hauptmotiv war, den Laden im Dorf als Treffpunkt, sowie als Wissensquelle für vielfältige Informationen zu erhalten‘‘, sagen Ruth Tinschert und Thomas Noack. Gemeinsam mit Hubert Lange und Michael Schmidt sind sie Gesellschafter der Unternehmergesellschaft Lausitzer Höfe-Laden. Seit November betreiben sie den Dorfladen, der nach Schließung durch Inhaberin Margit Purschke nur kurze Zeit leer stand.

„Die Gemeinde hat uns beim Malern und Installieren sehr unterstützt und stellt uns Regale als Dauerleihgaben zur Verfügung. Dafür sind wir sehr dankbar‘‘, sagt Ruth Tinschert. Sie ist die Seele des Ladens. 20 Jahre arbeitete sie früher als Krankenschwester im Leipziger St. Elisabeth-Krankenhaus auf der Intensiv- und Palliativ-Station. Ihre Naturverbundenheit ließ sie neue Wege gehen. Sie steuerte beruflich um: Sieben Jahre arbeitete sie in einem Bioladen in Leipzig, später zwei Jahre auf einem Bio-Schafhof in Triestewitz bei Torgau. Die gesammelten Erfahrungen kann sie jetzt gut gebrauchen – sei es bei der Waren-Bestellung, bei der Kunden-Betreuung oder bei der Herstellung eigener Produkte.

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Wie ihr ging es auch dem Geologen Thomas Noack, der seit sechs Jahren am Miltitzer Steinbruch „Krabatstein“ Permakultur erlebbar macht und dabei auf die Urkräfte der Natur vertraut. Auf einem Hügel wachsen dort unter anderem Oregano, Rosmarin, Salbei, Thymian und Lavendel in verschiedenen Sorten sowie Beerensträucher, Mini-Kiwis, chinesische Shisandra und vieles mehr. Thomas Noack bewirtschaftet zugleich die Streuobstwiesen am Miltitzer Frosch und kleinere Anlagen direkt in Nebelschütz. „Permakultur heißt nachhaltige Landwirtschaft‘‘, erklärt er.

Steinklee und Melisse

Ursprünglich war das Vorhaben Laden und Manufaktur Nebelschütz anders geplant. Zunächst sollte es um den Anbau von Obst und Gemüse gehen, danach der Verkauf in einem Laden folgen. „Doch es kam anders“, erzählt Ruth Tinschert. „Der Laden sollte nicht lange leer stehen, und die Gemeinde suchte neue Betreiber. Also richteten wir zuerst den Laden ein, der Anbau von Obst und Gemüse folgen jetzt.“

Heute bietet die Lausitzer Höfe-Laden vielfältige Produkte an. Aus dem Permakultur-Areal Miltitzer Steinbruch Krabatstein kommen Schafgarbe, Steinklee, Holunder, Minze und Melisse. Sie werden zu Sirup verarbeitet, der sich für Erfrischungsgetränke verdünnen lässt und auch für Sekt und zum Kochen, geeignet ist. „Ein Renner ist das Kräutersalz, welches naturbelassen, unraffiniert und ohne Zusatzstoffe ist‘‘, sagt Thomas Noack. Edle Frucht-Essige und Obstwein wiederum entstehen aus Stachelbeeren, Johannisbeeren, Quitten, Aronia und Sanddorn. All diese Produkte erfordern viel Liebe, Sorgfalt und Kleinarbeit. Kräuter zum Beispiel müssen gepflegt, geerntet, getrocknet und zubereitet werden. „Als Rohkost-Produkte bieten wir Bärlauch in Öl und Basilikum in Öl an‘‘, erläutert Ruth Tinschert. „Sie eignen sich am besten für Pasta, als Zutat in Kräuter-Butter und Kräuter-Quark oder einfach aufs Brot.“ Hubert Lange besuchte Bio-Produzenten mit und ohne Siegel in der Umgebung, um sie für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. So können noch weitere Regional- und Bio-Produkte angeboten werden.

Leberwurst und Bienenwachskerzen

Vom Bioland-Gut Krauscha kommen heute verschiedene Konserven von Huhn und Rind, vom Stadtgut Görlitz kommen Eier und Äpfel. Getreideprodukte wie Körner und Mehl kommen aus dem Hofladen von Heike Löhnert aus Zockau bei Göda. Von der Rätzemühle Spittwitz kommen Getreide und Waffeln in Bio-Qualität. Die Hofkäserei Inge und Bernd Vetter aus Wehrsdorf und der Demeter-Hof Steinert aus Cunnersdorf (Sächsische Schweiz) stellen Joghurt, Quark und Käse bereit. Wurstwaren wie Schinken, Salami, Wiener und Kamenzer liefert die Fleischerei Sebastian Mörl aus Diehmen bei Gaußig. Verschiedene Wurstkonserven wie Leberwurst, Grütze und Sülze von Landwirt Marko Schmole aus Nucknitz sind ebenso im Angebot. Kartoffeln liefert Landwirt Ronny Rebisch aus Cannewitz. Brot, Brötchen und süße Backwaren bringt Bäckermeister Michael Schlappa aus Räckelwitz immer frisch vorbei. Honig kommt von Imker Jürgen Platz aus Jiedlitz, Bienenwachskerzen und Brustwickel von der Imkerei Windpfeife aus Kamenz. „Wir wollen genau wissen, woher die Produkte kommen und wie sie hergestellt werden. Mit dem Einkauf vor Ort steigt außerdem die heimische Wertschöpfung“, unterstreicht Thomas Noack.

Im Laden erhältlich sind zudem Bücher und Karten in sorbischer Sprache und Keramik aus der Region. „Nicht alles können wir vorhalten, nach Wunsch aber meistens besorgen“, sagt Thomas Noack. „Wir bieten auf Anfrage Catering mit Bio-und Regionalprodukten an – zum Beispiel für Feiern, Vereinstreffen und Zusammenkünfte.“ Kunden kommen inzwischen aus den Gemeinden Am Klosterwasser, aus den Nachbargemeinden, aus Kamenz und manchmal sogar bis aus Dresden. „Freuen würden wir uns über eine regelmäßige Zusammenarbeit mit dem Nebelschützer Kindergarten“, sagt Ruth Tinschert. „Vorstellbar sind zum Beispiel Elternabende zur gesunden Ernährung.“ Von den Einheimischen wünschen sich die Betreiber Neugier auf Neues und Anderes.