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Gibt es Hoffnung für die Linie 400?

Seit einem Jahr fährt der Bus 400 seine neue Route. Die nützt den Orten im Tharandter Wald wenig. Der Protest geht weiter.

Von Susanne Sodan

Wenn ein Schüler morgens ein paar Minuten zu spät zum Unterricht ins Evangelische Gymnasium Tharandt kommt, wundert das die Lehrer nicht mehr. Ganz leise schleichen die Schüler dann in den Unterricht. Bummelanten sind es nicht, die da manchmal nach dem Klingelzeichen in die Klasse huschen. Im Gegenteil, sie mussten ganz schön hetzen – von der Bushaltestelle in Tharandt den Schulberg hinauf im Eiltempo. Das Problem: Der Busfahrplan ist nicht an den Schulbeginn angepasst.

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Betroffen sind die Kinder und Jugendlichen, die von Grillenburg, Kurort Hartha, Pohrsdorf oder Fördergersdorf jeden Morgen mit der Buslinie 363 nach Tharandt fahren. Acht Uhr beginnt der Unterricht, 7.56 Uhr hält der Bus am Tharandter Markt, wenn er pünktlich ist.

Die Linien 363 und 345 sollen Ersatz sein für die Linie 400. Die fuhr ursprünglich von Dresden über Freital und Tharandt bis nach Annaberg-Buchholz. Vor einem Jahr gab der Regionalverkehr Dresden (RVD) die Linie ab, aus wirtschaftlichen Gründen. Regiobus Mittelsachsen und der Regionalverkehr Erzgebirge übernahmen die 400, die nun aber eine andere Route fährt – über die B 173 in großem Bogen um Freital und den Tharandter Wald herum. Von der Welt abgeschnitten sind Tharandt und die umliegenden Orte zwar nicht, eine Direktverbindung nach Freital und Dresden ist aber kaum mehr gegeben. Heißt, wer von den Orten rund um die Forststadt nach Freital oder Dresden möchte, muss meistens in Tharandt in die Regional- oder S-Bahn umsteigen. Und an diesem Punkt gehen die Probleme weiter.

„Gerade, dass sie nicht umsteigen mussten, haben viele ältere Menschen an der Linie 400 geschätzt. Hinzu kommt, dass die Zeit zum Umsteigen zu knapp bemessen ist“, erklärt André Kaiser, Ortsvorsteher von Kurort Hartha. Die Anwohner kommen mit den neuen Fahrplänen auf keinen grünen Zweig, auch ein Jahr nach der Fahrplanumstellung nicht. „Die Stadtlinie 345 und die 363 sind viel zu unübersichtlich und schlecht aufeinander abgestimmt. Die Linienführung sorgt für Verwirrung“, meint Kaiser. Ein weiteres Problem: Die 363 fährt bis nach Klingenberg. Dort gilt aber eine andere Tarifzone, die Fahrgäste müssten also mehr bezahlen.

Die Anwohner wollen die alte Linie 400 zurück. 2 324 Unterschriften wurden dafür gesammelt. Bisher zeigte diese Aktion keinen Erfolg. Kaiser bemühte sich bei den Busunternehmen und dem Landratsamt um eine Lösung, nicht nur für die Linie 400. Er machte auch Vorschläge, wie man die Linien 363 und 345 verbessern könnte. Alternativen, die den Verkehrsbetrieben keine zusätzlichen Kosten verursachen würden, meint Kaiser. „Das wäre eigentlich deren Aufgabe“. Bisher stieß er auf taube Ohren. Nun scheint Bewegung in die Sache zu kommen: Das Anliegen der Bürger um die Linie 400 wurde vom Landratsamt zur Petition erklärt, die Unterschriftenliste angefordert. Am 25. November soll der zuständige Kreisausschuss über eine Rückführung der Linie beraten. André Kaiser wird mit vor Ort sein.

Und was wird mit den Linien 363 und 345? Bisher sehe der RVD keinen Handlungsbedarf, erklärt Volker Weidemann, Markt- und Vertriebsleiter des RVD. „Die beiden Linien sollen vor allem den Schulverkehr und die Zubringungen zu den Bahnen absichern. Wir stimmen uns dabei auch mit den Schulen ab“. Dass gerade darin Probleme liegen, sei ihm noch nicht bekannt gewesen. „Wenn es dort Schwierigkeiten gibt, sind wir für Gespräche und Veränderungen offen“. Den Sündenbock will der RVD nicht dauernd geben. „Wir haben eigentlich ein großflächiges Angebot, auch im Tharandter Wald. Vielleicht liegt das Problem in der Öffentlichkeitsarbeit und wir müssen unsere Angebote den Fahrgästen besser vermitteln.“ Ob das bei den Fahrplänen möglich ist?