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Gibt es im Kreis ein Legionellen-Problem?

Die Bakterien werden jetzt in Warmwasseranlagen intensiv gejagt. Viele Proben waren sauber. Aber nicht alle.

Von Reiner Hanke

Sie fühlen sich im lauwarmen Wasser pudelwohl. Winzige Stäbchen im Größenbereich von Tausendstel-Millimetern – die Legionellen. Aber die Bakterien können dem Menschen sehr gefährlich werden. Eine Infektion beginnt meist mit Husten, Durchfall und Fieber. Die Legionärskrankheit zeigt sich in einer schweren Lungenentzündung, die tödlich verlaufen kann. Im Kreis gab es nach Informationen der Landesstatistiker in Kamenz 2013 fünf Fälle, die stationär behandelt werden mussten. Bei einer Infektionswelle im deutschen Warstein erkrankten erst dieses Jahr 169 Menschen, drei starben. Die Keime lauern in Wasserleitungen, Duschköpfen, Whirlpools oder Klimaanlagen. Deshalb werden sie jetzt laut Bundesgesetz schärfer überwacht. Vor allem auch Mieter sollen besser geschützt werden. Hier sind jetzt die Eigentümer von Mehrfamilienhäusern mit mehr als zwei Wohnungen in der Pflicht. In der Kontrollpflicht, regelmäßig alle drei Jahre. Bis Ende 2013 muss die Erstuntersuchung über die Bühne sein.

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Hat die Gesundheitsbehörde bereits die Übersicht bei den Legionellen?

Nicht flächendeckend. Dazu hat die Behörde offenbar gar nicht die Möglichkeit. Diese Schwachstelle im Gesetz wird auch von Kommunen kritisiert. So müssten alle Trinkwasser-Installationen bekannt sein, heißt es aus dem Landratsamt Bautzen. Es gibt aber keine Meldepflicht der Vermieter. Verpflichtet sind die Vermieter aber zu melden, wenn Grenzwerte überschritten werden. Doch auch da sind schwarze Schafe nicht ausgeschlossen. So appelliert das Amt in Bautzen sogar an die Mieter. Sie könnten letztlich am besten kontrollieren, ob der Hausherr seiner Pflicht nachkommt. Dieser muss die Mieter über die Ergebnisse der Untersuchungen informieren.

Was passiert, wenn Verstöße

bekannt werden?

Dann schreitet die Bautzener Behörde ein. Jeder einzelne Fall werde geprüft, so Sabine Rötschke, Sprecherin im Landratsamt. Bei Verstößen sieht die Trinkwasserverordnung Strafen von bis zu 25 000 Euro vor. Bisher kam es aber noch nicht so weit.

Wurden gefährliche Konzentrationen von Legionellen im Kreis registriert?

Es gibt Untersuchungsergebnisse mit erhöhten Legionellenwerten im Kreis. Deren Zahl sei laut Kreisbehörde gestiegen. Das sei auch nicht verwunderlich – wegen der verstärkten Kontrollen. Sabine Rötschke: „Es sind aber bis jetzt Einzelfälle, die keine Sofortmaßnahmen erforderten.“ Bis auf 1 oder 2 Ausnahmen mit einer höheren Konzentration der Keime. Welche Vermieter aufgefallen sind, sagt die Behörde nicht. Dort müsse die Technik begutachtet, die Ursache, das Gefahrenpotenzial analysiert und beseitigt werden. Das alles ist aber Sache des Eigentümers. Das Gesundheitsamt schreite erst ein, wenn dieser nicht unverzüglich reagiert. In bestimmten Fällen muss das Amt aber sofort selbst anrücken. Wenn die Legionellen-Invasion ausufert: Der Fachmann spricht dabei von Kolonien bildenden Einheiten (KbE). Mehr als 10 000  pro 100  Milliliter dürfen es nicht sein. In Dresden war das in einem Hochhaus der Gagfah der Fall. Im Kreis noch nicht.

Wie gehen Vermieter mit den Kontrollen um?

Die städtische Kamenzer Wohnungsgesellschaft (SWG) mit rund 1 500 Wohnungen in Kamenz hat die Tests bereits beendet. An über 300 Messpunkten seien Proben genommen worden. In wenigen Einzelfällen ist der niedrigste Grenzwert (100 KbE pro 100ml Trinkwasser) leicht überschritten worden. Dabei bestehe jedoch keine Gefahr für die Bewohner, erklärt die SWG. Es seien die Mieter informiert und sofort eine zusätzliche Legionellenschaltung der Warmwasseranlage aktiviert worden. Dabei wird das Wasser 24 Stunden über 65°C erhitzt. Die Nachproben seien unbedenklich gewesen. Die SWG in Pulsnitz ist noch nicht mit allen Proben durch. Sie verwaltet 500 Wohnungen. Die bisherigen Tests seien unbedenklich gewesen, so Geschäftsführer Matthias Mietzsch.

Wie sinnvoll schätzen Vermieter

die neuen Tests ein?

Matthias Staude, Prokurist bei der SWG Kamenz sagt: „Aufwand und Nutzen stehen hier nicht im Verhältnis.“ Die Proben hätten gezeigt, dass die Anlagen bei entsprechender Betreuung keine Gefahren verursachen. Um Belastungen zu vermeiden, würde sowieso eine wöchentliche Legionellenschaltung gefahren. Die neuen Tests verursachten zusätzlichen Aufwand und höhere Betriebskosten der Mieter. Der Pulsnitzer SWG-Chef Matthias Mietzsch hält einen dreijährigen Probenrhythmus für vertretbar: „Es scheint mehr Krankheitsfälle zu geben, als uns bewusst ist.“ So werde ja nicht bei jeder Lungenentzündung die genaue Ursache untersucht. Er sehe ein Gefahrenpotenzial. Die Kontrollen gäben den Mietern mehr Sicherheit.