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Gibt es noch Hoffnung für die Bäume?

Fichten sind im Friedewald fast verschwunden. Der Borkenkäfer lässt auch Kiefern sterben. Zu kämpfen haben zudem immer mehr Laubbäume. Trotzdem gibt es auch gute Nachrichten.

Marko Groß, der Leiter des Moritzburger Staatswaldreviers, schaut an einer gefällten Fichte nach dem Borkenkäferbefall.
Marko Groß, der Leiter des Moritzburger Staatswaldreviers, schaut an einer gefällten Fichte nach dem Borkenkäferbefall. © Arvid Müller

Es ist nur ein kurzer Moment, dann hat die Säge des Harvesters den Stamm der etwa 50 Jahre alten Fichte durchtrennt. Vorsichtig dreht der Greifer den gut 18 Meter langen Baum und beginnt ihn zu entasten. Dann stoppt die Maschine. Marko Groß, der Leiter des Moritzburger Staatswald-Reviers, tritt an den Stamm. Problemlos kann er ein großes Stück der Borke lösen.

Ein bizarres Muster an kleinen und großen Gängen wird sichtbar. Der Buchdrucker hat hier ganze Arbeit geleistet. Zerstörerische Arbeit. Marko Groß zeigt auf weiße Punkte. „Das sind Larven, die es nicht geschafft haben, als Käfer auszufliegen.“ Der Fichte hat das nicht mehr geholfen, sie ist abgestorben. Wie ihre umstehenden Artgenossen ist sie ein Opfer der Borkenkäfer geworden.

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Die Käfer und Larven des Buchdruckers haben in der Borke ein bizarres Gangsystem zurückgelassen. Die hellen Punkte sind abgestorbene Larven.
Die Käfer und Larven des Buchdruckers haben in der Borke ein bizarres Gangsystem zurückgelassen. Die hellen Punkte sind abgestorbene Larven. © Arvid Müller

Dabei hatten die Bäume hier an diesem Standort nicht einmal mit Trockenstress zu kämpfen, wie die meisten in Sachsen. Denn die rund einen halben Hektar große Fläche befindet sich im Naturschutzgebiet Altenteichmoor. „In Absprache mit der Naturschutzbehörde fällen wir die Bäume und beräumen das Reisig. Danach soll die Natur hier selbst wieder für Wald sorgen“, so der Forstmann. In der Nachbarschaft stehende Lärchen, Fichten, Erlen und Birken garantieren, dass dieser nicht nur aus einer Baumart besteht.

„Das war eine der letzten größeren Flächen mit Fichten im Moritzburger Revier. Künftig werden diese hier nur noch vereinzelt wachsen“, ergänzt Marko Groß. Glücklicherweise machte die Fichte bis zur Borkenkäferinvasion - einer der größten seit Jahrzehnten - nur rund zehn Prozent des Baumbestandes im Hauptbereich seines Reviers aus. Zu diesem gehören neben den Flächen im Friedewald auch Wald in Scharfenberg und Schleinitz.

Hier verschwindet eine der letzten größeren Fichtenflächen im Friedewald.
Hier verschwindet eine der letzten größeren Fichtenflächen im Friedewald. © Arvid Müller

Die Schäden sind daher auch nicht so gravierend, wie etwa in den unteren Lagen des Erzgebirges, wo die Fichte als Monokultur ganze Wälder bildet, die nun mit einem Mal verschwinden.

Und auch großflächige Kiefernbestände wie in Nordsachsen und Brandenburg gibt es nicht. Obwohl 60 bis 70 Prozent der Bäume zu dieser Art zählen.Für Waldbesucher ist der Friedewald an vielen Stellen daher heute gefühlt schon das, was das Ziel des laufenden Waldumbaus ist - ein artenreicher Mischwald. Trotzdem sind seit Jahresbeginn schon wieder rund 8.000 Festmeter Schadholz angefallen. „Das ist etwa das Anderthalbfache der Menge, die wir normalerweise planmäßig in einem Jahr ernten würden“, sagt der Revierchef. Bis zum Jahresende rechnet er damit, dass noch weitere 2.000 Festmeter dazukommen.

Schuld daran sind vor allem die Borkenkäfer, die dank des dritten trockenen Jahres immer leichteres Spiel haben, weil die Bäume zu schwach sind, sich zu wehren. Seit 2018 summiert sich das durch Sturm, Schnee und Käfer angefallene Schadholz allein im Moritzburger Staatswaldrevier auf 40.000 Festmeter. Das drückt den Holzpreis und verlangt gleichzeitig höhere Ausgaben für Wiederaufforstung und Pflege.

Diese Buchen an der Kalkreuther Straße mussten gekappt werden, weil die Kronen abgestorben waren.
Diese Buchen an der Kalkreuther Straße mussten gekappt werden, weil die Kronen abgestorben waren. © Arvid Müller

Und noch etwas bereitet Marko Groß Sorgen. Bisher waren vor allem Kiefern und Fichten betroffen. Sowie an einigen Standorten Lärchen, Jetzt zeigen zunehmend auch Laubbäume, dass sie unter der Trockenheit leiden. „Teils mächtige Buchen beginnen, in der Krone abzusterben“, so der Forstmann. Andere werfen zum Schutz ihre Blätter ab. „Doch dann funktioniert die Fotosynthese nicht mehr, wodurch sie weiter geschwächt werden.“

Zudem gibt es Eichen, die ebenfalls Käferbefall aufweisen - den Eichenprachtkäfer. Dort, wo die Buchen mitten im Wald stehen, greift der Revierleiter nicht ein. An Straßen und Wegen, wie gegenüber dem Parkplatz an der Kalkreuther Straße, lässt er die Kronen zur Sicherheit wegschneiden. „Die Stämme sind so noch über Jahre nützlich für Insekten, Vögel und Pilze.“

Glücklicherweise ist der Moritzburger Wald in diesem Jahr bisher von größeren Bränden verschont geblieben. In Marko Groß’ Revier gab es nur zwei kleine 30 bis 40 Quadratmeter große Bodenfeuer. Eines wurde von einem Blitz verursacht. Und auch den Frost haben vor allem die jungen Eichen und Schwarznüsse gut weggesteckt. „Die Bäumchen haben wieder neues Laub geschoben.“

An vielen Flächen informieren jetzt Tafeln über den Grund für und die Art der Wiederaufforstung.
An vielen Flächen informieren jetzt Tafeln über den Grund für und die Art der Wiederaufforstung. © Arvid Müller

Hoffnung macht zudem, dass es trotz der Trockenheit keine Ausfälle in nennenswerter Größe bei den Neupflanzungen gibt. „Seit 2018 haben wir von den 1.500 Hektar in Moritzburg rund 30 aufgeforstet. Im nächsten Jahr soll der Waldumbau auf weiteren 14 Hektar weitergehen“, so der Revierleiter. Dabei geht es vor allem um die standortgerechte Bepflanzung mit einheimischen Arten wie Buchen, Hainbuchen, Eichen, Linden, Lärchen auf Kuppen und Erlen auf wechselfeuchten Böden, aber auch Vogelkirschen. Gute Erfahrungen hat Marko Groß auch mit der aus dem Süden stammenden Esskastanie gemacht.

Da Pflanzgut knapp und teuer ist, ließ der Revierleiter im Frühjahr in Moritzburg erstmals eine 3,5 Hektar große Fläche mit Pferden pflügen, damit sich der Wald dort selbst verjüngen kann. „Dort sind bereits die ersten kleinen Kiefern und Lärchen zu sehen. Der Regen im Juni hat geholfen.“

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