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Nach 25 Jahren: Beliebtes Hotel im Schöpstal schließt

Das Mühlenhotel in Girbigsdorf bei Görlitz macht zu. Für die Gemeinde ein großer Verlust, für die Betreiber der Anfang eines neuen Lebensabschnitts.

Von Constanze Junghanß
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Familie Lobedan, die Betreiber des Mühlenhotels in Girbigsdorf
Familie Lobedan, die Betreiber des Mühlenhotels in Girbigsdorf © SZ-Archiv / Nikolai Schmidt

„Immer geöffnet“ ist auf der Facebookseite beim Mühlenhotel Girbigsdorf eingetragen. Und die 86 Rezensionen bei der Suchmaschine Google sprechen für sich: Ausgesprochen positiv wird das Mühlenhotel von den Gästen bewertet. Der letzte Eintrag ist erst einige Monate alt. „Gemütliche Zimmer. Eine sehr gute Küche, nette Wirtsleute. Das Ambiente wunderschön. Wir haben dort die Hochzeit unseres Sohnes feiern dürfen. Sehr zu empfehlen“, schreibt die Besucherin da.

Wiederkommen kann sie allerdings nicht. Ihre Empfehlung läuft ins Leere. Denn der 31. Januar ist der letzte Tag, an dem das bekannte „Mühlenhotel & Alte Backstube“ offen hat. Danach ist Schluss.

Aktuell sind noch die Zimmerpreise auf der Homepage zu lesen und ebenso aktiviert ist die Rubrik „Anfragen und Buchen“. Die führt auf das Kontaktformular.

Auf der Internetseite war zwischenzeitlich ein anderes Schließungsdatum zu lesen gewesen. Ursprünglich stand dort, dass zum 31. Dezember 2019 geschlossen wird. Der Eintrag ist wieder entfernt worden. Das Datum war ein Versehen, wie Elvira Lobedan auf Nachfrage der SZ bestätigt.

In einer Annonce im Amtsblatt Schöpstal ist der Grund für das Aus zu lesen: Die Betreiber – Elvira und Jürgen Lobedan – hören altersbedingt auf. Auf der Internetseite vom Mühlenhotel soll darüber in den kommenden Tagen noch informiert werden, heißt es vonseiten der Betreiber. Mit dem richtigen Datum dann selbstverständlich. Doch mehr dazu sagen möchten Lobedans nicht. Nur so viel: Ein neuer Pächter werde nicht gesucht.

Schöpstals Bürgermeister Bernd Kalkbrenner bedauert die geplante Schließung sehr, wie er sagt. „Das Mühlenhotel war über viele Jahre hinweg eine der ersten Adressen nicht nur im Ort, sondern weit darüber hinaus“, sagt er. Gäste kamen - so erinnert sich der Bürgermeister - nicht nur aus der nahen Umgebung, sondern auch aus den alten Bundesländern und der Berliner Region. Nicht selten, weil sie einen Bezug zu Schlesien hatten und den Urlaub gern in der Nähe der alten Heimat verbringen wollten.

© SZ-Archiv / privat

Als sich im Dorf herumgesprochen hatte, dass das Mühlenhotel zumacht, klingelte beim Bürgermeister mehrfach das Telefon: „Die Leute fragten, ob das tatsächlich stimmt.“ Das wollten wohl einige kaum glauben. Bernd Kalkbrenner musste die Frage jedoch bestätigen: „Leider“, wie er sagt.

„Familie Lobedan hatte immer ein offenes Ohr für unsere Belange gehabt und uns unterstützt, wo sie nur konnten“, so Kalkbrenner. Viel Aufhebens darum machten die Wirtsleute nie. Im Gegenteil – Lobendans galten als besonders „stille“ Unterstützer. Zum neuen Spielplatz für die Kindertagestätte beispielsweise haben die Mühlenhotel-Eigentümer einen Teil mit beigetragen.

Das Mühlenhotel galt seit seiner Eröffnung vor mehr als 25 Jahren als beliebtes Ausflugsziel. 2017 hieß es zum Beispiel noch, dass alle Zimmer zum Görlitzer Altstadtfest belegt sind. Hochzeiten und Familienfeste wurden im Girbigsdorfer Gasthaus gefeiert, Gäste übernachteten gern im nostalgischen Anwesen, das sich seit etwa 130 Jahren im Familienbesitz befindet.

Ausflug ins Schöpstal lohnt sich weiterhin

Ein Schmuckstück vor den Toren von Görlitz, das mit viel Liebe zum Detail von den Besitzern zum Hotel ausgebaut worden war. Eins der ersten Hotels übrigens kurz nach der Wende, das im Görlitzer Raum entstand und unter Touristen als „Geheimtipp“ galt: Die Natur direkt vor der Nase und damit Erholungsfaktor garantiert. Aber eben auch die Neißestadt nur einen Katzensprung entfernt und sogar per Fahrrad schnell erreichbar.

„Das Aus ist jedenfalls ein Verlust für uns als Gemeinde und für die Stammgäste“, sagt Bernd Kalkbrenner. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Ausflug ins Schöpstal weiterhin – nicht nur wegen der schönen Landschaft. Im Kunnersdorfer Gerichtskretscham hat sich eine Erlebnisgastronomie etabliert. Die Kommune vermietet für Feiern Räume im Wasserschloss Ebersbach und im Kunnersdorfer Schloss, es gibt mehrere Pensionen im Ort und Großveranstaltungen, wie die Dorffestspiele oder das legendäre Traktorentreffen, die Besucher aus Nah und Fern anziehen.   

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Finnische Grillhütte vom Mühlenhotel 
Finnische Grillhütte vom Mühlenhotel  ©  SZ-Archiv / Nikolai Schmidt