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Görlitzer Adventskalender startet international

Hinter dem ersten Türchen im Schlesischen Museum berichten drei Menschen über Weihnachten in fünf verschiedenen Kulturen.

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Von Ingo Kramer

So international ist Weihnachten selten: Bräuche und Anekdoten aus gleich fünf verschiedenen Kulturen konnten die Besucher des zehnten Görlitzer Adventskalenders gestern Abend im Schlesischen Museum kennenlernen. Dazu hatte Ausstellungskuratorin Martina Pietsch drei Herren eingeladen: Nikos Rusketos aus Zgorzelec sowie Andreas Teichert und Lothar Walli aus Görlitz. Die drei gehören zu den zehn Menschen, um die sich die aktuelle Sonderausstellung „Lebenswege ins Ungewisse“ dreht.

Beim Türchen aber ging es nicht um die gesamten Lebenswege, sondern vor allem um Weihnachten. Nikos Rusketos erlebt es jedes Jahr binational: Der Sohn griechischer Einwanderer ist mit einer Polin verheiratet. Da kommen zu Weihnachten neben unzähligen polnischen Fischvariationen auch Truthahn und Lamm auf den Tisch.

Andreas Teichert hingegen erlebte Weihnachten als Kind in Görlitz sehr traditionell und natürlich deutsch. Später jedoch, mit einer Britin verheiratet, mischten sich die Bräuche. Die Kinder erlebten sogar eine doppelte Bescherung: Wie in Deutschland üblich am Heiligen Abend und nach britischer Tradition am ersten Feiertag. Ab 1978 lebte die Familie dann für fünf Jahre in Nigeria. In der dortigen Kultur spielt Weihnachten keine Rolle, und so kam für die Kinder auch kein Weihnachtsmann. „Aber so lange es Geschenke gab, waren sie zufrieden“, erinnert sich Teichert.

International war es bei Lothar Walli nicht, denn der gebürtige Breslauer kam 1945 in die hiesige Region und blieb ihr treu. Für die Kinder beim Görlitzer Adventskalender war Lothar Walli trotzdem ein spannender Gast, denn er spielte als Kind gern Kaspertheater. Das tat er auch gestern wieder, denn Martina Pietsch hatte zwei Puppen besorgt. Die Übung meisterte er mit Bravour – und das, obwohl der pensionierte Bergmann seit Jahrzehnten nicht gespielt hatte.