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Görlitzer feiern das „Grand Budapest Hotel“

Zur Vorpremiere am Mittwoch erzählte der einzige anwesende Schauspieler von seiner Nacht im Film-Knast. Und es gab auch unglückliche Gesichter.

Von Daniela Pfeiffer

Die Stars ganz zuletzt. So ist es normalerweise bei großen Premierenfeiern: Erst gehen die eher Unbekannten über den roten Teppich, die Großen kommen später. In Görlitz war es am Mittwoch umgekehrt. Der einzige echte Schauspieler, der zur Premiere von „The Grand Budapest Hotel“ ins Palasttheater kam, war früh da.

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Volles Kino 1 und ein gespannter Blick auf die Leinwand. Vor Beginn des Films gab es eine Grußbotschaft von Wes Anderson.
Volles Kino 1 und ein gespannter Blick auf die Leinwand. Vor Beginn des Films gab es eine Grußbotschaft von Wes Anderson.
Familie Pinkert auf dem roten Teppich. Sie waren vom Film begeistert.
Familie Pinkert auf dem roten Teppich. Sie waren vom Film begeistert.
Das gabs noch nie: In allen fünf Kinos des Görlitzer Filmpalasts kam der selbe Film.
Das gabs noch nie: In allen fünf Kinos des Görlitzer Filmpalasts kam der selbe Film.

Obwohl der gebürtige Dresdner professioneller Schauspieler ist, hatte er in Wes Andersons Film nur eine kleine Rolle – ohne einen einzigen Satz sagen zu dürfen. Trotzdem war er mehr als Komparse, denn in der Gefängnisszene spielt er an der Seite des großen amerikanischen Schauspielers Harvey Keitel. Zusammen mit zwei anderen deutschen Darstellern. „Wir haben vor dem Dreh sogar eine Nacht alle zusammen am Drehort im Zittauer Gefängnis verbracht. Harvey Keitel wollte das so, damit wir uns kennenlernen und als Zellengenossen authentischer rüberkommen.“ Michalowski ist einer der wenigen, die den Film bereits auf der Berlinale sehen durften.

Viele Görlitzer dagegen waren extrem gespannt darauf, endlich zu sehen, was Wes Anderson denn nun zwei Monate lang in Görlitz gemacht hatte. Vor allem die Komparsen wollten endlich wissen, ob sie zu sehen sind. So wie Hella Zeißig. Zunächst stand sie etwas betrübt vor der aufwendigen Absperrung, durch die sie die Sicherheitsleute nicht ließen, weil sie keine Einladung hatte. „Darüber habe ich mich im Vorfeld beschwert. Leute, die nichts mit dem Film zu tun haben, werden eingeladen und Komparsen kommen nicht rein“, so die 74-Jährige. „The Grand Budapest Hotel“ ist bereits der zehnte Film, in dem sie mitwirkt. „Beim ‚Vorleser‘ zum Beispiel hat das besser geklappt, da wurden wir alle eingeladen.“ Über ihr Hobby Filmkomparsin zu sein, hat sie eine dicke Mappe angelegt, mit Fotos, Zeitungsausschnitten, Autogrammen. Natürlich hatte sie die am Mittwoch dabei, man weiß schließlich nie, wer einem vielleicht über den Weg läuft.

Die ganz großen Stars waren es jedenfalls nicht. Warum kein einziger aus dem großen Aufgebot nach Görlitz kam, erklärte Jutta Heyn aus Berlin, die die Premiere mit organisiert hatte: „Für die ist Deutschland mit der Berlinale durch gewesen, die haben volle Terminkalender. Sie waren danach in Prag, und anderen europäischen Städten. Es war logistisch unmöglich, den ganzen Tross nochmal zurückzuholen.“

Der rote Teppich und die aufgebaute Kulisse waren denn zwar schön anzuschauen und gaben dem Ereignis einen feierlichen Rahmen. So richtig wollte das Ganze aber doch nicht wirken. Es gab schließlich kaum jemanden, der posierte. Ein für Görlitzer Verhältnisse beachtliches Medienaufgebot war immerhin da. Doch die meisten geladenen Görlitzer huschten schnell über den roten Teppich – fühlten sich wohl wenig geeignet, vor den Fotografen zu posieren. Das taten dann stattdessen die Geldgeber des Films, und Vertreter aus der Politik.

Von den Fotografen zum Posieren überreden ließen sich auch Barbara Pinkert und ihre Kinder Simone und Torsten. In allen Filmen, die in den letzten zehn, 20 Jahren in der Region gedreht wurden, waren sie oder ihre Filmtiere dabei. Auch im „Grand Budapest Hotel“. Torsten Pinkert hatte gleich zehn Drehtage als Soldat. Fotos davon hat er keine, denn wie fast alle Komparsen hatten sich auch die Pinkerts strikt an die strengen Verträge gehalten.

Ähnlich streng war es nochmal auf der Premiere. Dass Fotoverbot herrschte, verstanden die meisten noch. Immerhin ist der Film offiziell in Deutschland noch nicht angelaufen – heimliche Aufnahmen aus dem Kinosaal verboten. Dass aber allen Gästen Fotoapparate und Handys abgenommen und Handtaschen kontrolliert wurden, stieß bei einigen auf Unverständnis. Zumindest der Ärger um die nicht erhaltenen Einladungen verflog bei manchem Komparsen draußen schnell, denn am Ende wurden doch noch restliche Tickets an die Wartenden vergeben. Und so konnte auch Helga Zeißig in den Saal 1 und hören, was die Prominenz kurz vor Beginn des Films zu sagen hatte. Da schwärmte der Chef der Babelsberger Filmstudios Henning Molfenter von Görliwood. „Vor einem Jahr hatte man hier mehr Stars auf einem Fleck als in L.A. Sie sind die allerbesten Gastgeber, die man sich vorstellen kann“, sagte er und erntete tosenden Applaus. Und Molfenter weiß, wovon er spricht. Er ist der Mann, der all die Hollywood-Filme überhaupt hergebracht hat. Und er erzählte, dass nur ein paar Drehtage für das „Grand Budapest Hotel“ in Görlitz geplant waren. „Aber als wir mit Wes Anderson im Sommer 2012 in Görlitz waren, hat er sich sofort verliebt. Seine Auflage war, den ganzen Film in Görlitz zu drehen und dafür das Kaufhaus zu bekommen. Das haben wir geschafft.“ Zum Dank – oder als Trostpflaster für seine Abwesenheit – hatte Anderson eine Grußbotschaft aufnehmen lassen, die jetzt über die Leinwand flimmerte.

Dann begann der Film und das Suchen nach bekannten Gesichtern und Schauplätzen. Am Ende kurzer Applaus und das Gefühl, es hätte doch eigentlich tosender, lang anhaltender Beifall sein sollen. Die Einen schienen verwirrt von dem, was Anderson da auf die Leinwand gebracht hatte. Es ist eben speziell – bunt, schrill, schräg. Andere hingegen kamen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: „So ein tollen Film habe ich schon lange nicht mehr gesehen“, sagte etwa Barbara Pinkert, obwohl sie selbst nur den Bruchteil einer Sekunde zu sehen war. Auch ihr Sohn fragte sich, wo seine zehn Drehtage hin seien, so wenig wie er dann tatsächlich auftauchte,. Die Görlitzer Tanzlehrerin Sabine Stiebler versprach sich selbst, diesen Film noch ganz oft anzuschauen, so begeistert war sie. Immerhin hatte sie für eine Szene Hauptdarsteller Ralph Fiennes das Tanzen beibringen dürfen und in einer anderen als Komparsin mitwirken dürfen.

Alles in allem doch ein gelungener Abend auch ohne große Stars. Dafür sorgte auch die Party im Bahnhof, zu der etliche Kinobesucher danach noch zogen.