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Görlitzer Reiseunternehmer wegen Betruges vor Gericht

Der Mann soll Urlaub in Hotels vermittelt haben, mit denen er keine Verträge hatte. Die Polizei präsentierte zu 26 angeklagten Fällen elf weitere.

Symbolbild
Symbolbild © David Ebener/dpa

Das war wohl für manchen Urlauber eine böse Überraschung.: Beim Einchecken im Kurhotel im polnischen Bad Flinsberg stellt sich heraus, dass es gar keine Buchung gibt. Und das Görlitzer Unternehmen, über das die Reise gekauft wurde, ist dort völlig unbekannt. Neben diesem Ärger folgte für die Urlauber eine weitere böse Überraschung: Das gezahlte Geld bekommen sie nicht zurück. Deshalb stand der Mann am Donnerstag vor dem Görlitzer Amtsgericht. Vorwurf: Betrug. Drei Anklagen, 26 Fälle insgesamt, listet der Staatsanwalt auf. Die Anzeigen kamen aus der gesamten Bundesrepublik. Mal waren es Paare, mal kleine Reisegruppen, die um Erholung und Geld geprellt wurden. Manche hatten Glück im Unglück und bekamen zuvor eine Mitteilung, dass die Reise ausfällt. Die Begründung lautete dann, dass es Probleme mit dem Hotel gebe, die nicht schnell zu lösen seien. In anderen Fällen, wenn Geld zurückgefordert wurde, war der Reisevermittler „im Ausland krank geworden“.

Außer nach Polen vermittelte der Görlitzer die nicht vorhandenen Reisen auch nach Tschechien. Viele Ausflüge gingen für 198 Euro über den Tisch. Manche wurden als Kurzurlaub gebucht, manche als Reise über Silvester. Der Angeklagte verschickte sogar eine Art Reisevoucher an Kunden, den sie im Hotel vorlegen sollten. Besonders gute Preise habe er damit begründet, das sein Unternehmen eine Marketingaktion mit der Unterkunft abgemacht hat. Verträge mit den Hotels gab es jedoch nicht. Der Schaden geht in die Tausende. Die Reisen bot der Angeklagte unter anderem über Zeitungsannoncen und über Ebay-Kleinanzeigen an. Gewerbsmäßig sei der Angeklagte vorgegangen, hieß es vom Staatsanwalt, habe falsche Tatsachen vorgespiegelt. Zumindest ein Teil des Lebensunterhaltes habe sich der Angeklagte wohl auf diese Weise verdient. Vor Gericht schweigt der Angeklagte, eine Aussage zu den Vorwürfen lehnt er ab. Zunächst versucht sich Richter Ulrich von Küster daher daran, jeden einzelnen Fall mit den Ermittlungen der Polizei abzugleichen. Eine Polizeibeamtin ist als Zeugin geladen. Ein mühseliges Unterfangen, wie sich schnell herausstellt. Deshalb bittet der Richter die Beteiligten, also Verteidiger, Staatsanwalt und Schöffen kurzerhand zu einer Beratung ins Hinterzimmer. Diese zieht sich hin, bringt aber auch keine bahnbrechenden Erkenntnisse.

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Die Zeugin hat dann noch eine besondere Überraschung in einem dicken Aktenordner dabei. Sie präsentiert elf weitere Fälle, die in der gestrigen Anklage noch gar nicht berücksichtigt wurden. Sie gleichen denen, die bereits vors Amtsgericht kamen. Unter den Geschädigten bei den neuen Fällen ist eine Schule in Weißwasser. Sie hatte für 72 Kinder eine Klassenfahrt nach Polen gebucht und über 1 400 Euro angezahlt. Als die Mitteilung aus Görlitz kam, dass die Reise nicht stattfinden kann, war auch das Geld weg. Die Stadt Weißwasser als Schulträger klagte. Insgesamt, so hat die Polizei ermittelt, beläuft sich der Schaden allein in den elf neuen Fällen auf über 4 100 Euro.

Für Richter Ulrich von Küster steht inzwischen fest: Heute wird es wohl in diesem Fall kein Urteil geben. Er regt eine sogenannte Nachtragsanklage an, ein eher seltener juristischer Schritt. Damit werden die elf neuen Fälle mit den bisher angeklagten zusammengefasst. Da das Muster immer dasselbe ist, wurde der Fortsetzungstermin bereits auf den 26. Februar gelegt. Nun muss die Staatsanwaltschaft die Akten prüfen. Möglicherweise bricht der Angeklagte dann, wenn alle Fälle auf dem Tisch liegen, ja auch sein Schweigen.

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