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Göttlicher Besuch am Teich

Naturfotograf Olaf Schulz hat in der Röderaue einen ganz seltenen Vogel vor die Linse bekommen. .

Von Eric Weser

Landkreis. Eine „göttliche Fügung“ nennt Olaf Schulz, was ihm vor kurzem passiert ist. Denn als sich der Brandenburger an diesem Tag in die Röderaue aufmachte, ahnte er von seinem Glück noch nichts. „Eigentlich wollte ich wie sonst auch das Verhalten verschiedener Vögel beobachten. Es ist ja Zugzeit und da findet man immer gute Motive“, erzählt der Naturfotograf. Da tauchte zwischen den vielen Lachmöwen auf dem Koselitzer Teich plötzlich ein Vogel auf, der sich von den anderen abhob. „Ich wusste sofort, dass das etwas Besonderes ist und habe draufgehalten“, frohlockt Olaf Schulz noch Tage später. Entstanden ist ein Foto eines Odinshühnchens – einer in diesen Breiten sehr selten anzutreffenden Vogelart, die nach dem germanischen Göttervater Odin benannt ist. Mit der Mythenfigur, die sich Illustratoren gerne als vollbärtigen, muskelbepackten und grimmig dreinschauenden Zeitgenossen vorstellen, hat der zarte Watvogel aber nur so viel gemein, als dass auch er aus dem hohen Norden stammt. „Das Tier lebt eigentlich auf den Färoer-Inseln, in Island oder in Skandinavien“, weiß Naturfotograf und Tierexperte Olaf Schulz. Den Vogel in Deutschland anzutreffen, ist vor allem während der Zugzeiten im Frühjahr und Spätsommer möglich. „Dann aber eher an der Nordseeküste“, erzählt Schulz und greift zu einem Superlativ: „Man kann es schon als Sensation bezeichnen, dass das Odinshühnchen so weit ins Binnenland gekommen ist.“ Womöglich ist Schulz mit seinem Foto gar der Erstnachweis des kaum 20 Zentimeter großen Schnepfenvogels in der Region gelungen.

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Für den Tierfotografen aus dem brandenburgischen Schönborn bei Doberlug-Kirchhain war die Begegnung mit dem Insektenfresser jedenfalls eine Premiere. „In 36 Jahren als Naturfotograf habe ich das Tier selbst noch nie gesehen“, sagt er. Besonders entzückt ist der leidenschaftliche Tier- und Naturfreund davon, dass er den göttlichen Besuch aus dem Norden – quasi als i-Tüpfelchen – beim Schwimmen abgelichtet hat. Denn: „Nicht alle Schnepfenvögel schwimmen auch, viele waten nur im flachen Wasser“, sagt Schulz. Er kann lange und viel über Flora und Fauna reden. Täglich ist der Brandenburger unterwegs, um beides festzuhalten. Im 150-Kilometer-Umkreis seiner Heimat kenne er jeden Stock und jeden Stein, sagt er. Zwar muss er für seinen Beruf viel Zeit investieren: Bis zu 16 Stunden sitzt er mit der Kamera an einem Feldrain oder einem Teichgebiet, um gute Bilder zu machen. Aber die Natur fasziniert Schulz viel zu sehr, als dass ihn das stören würde. Unter anderem hat der Fotograf ein Buch über Wölfe geschrieben – und die zugehörigen Fotos der Raubtiere geschossen. „Ich habe immer ein Thema, wenn ich rausgehe und Bilder mache“, sagt der Fotograf. Im Moment beobachte er Wiesenbrüter. „Viele Arten sind bedroht und werden immer seltener“, sagt er. Schuld sei die industrielle Landwirtschaft, so Schulz. Bedroht ist aber auch das Odinshühnchen. Wegen des Klimawandels gehen Forscher davon aus, dass sich die Verbreitungsgebiete des Watvogels in den nächsten Jahrzehnten verkleinern und nach Nordosten verlagern werden. Dann muss der Herrgott wohl erst recht die Hände im Spiel haben, damit es in der Region beobachtet werden kann.