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Gourmet-Grillmeister legt beim Schiebocker Abend auf

Der Leipziger Jens Becher möchte am Sonnabend in Bischofswerda eine Lanze brechen für die neue deutsche Grillkultur.

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Wie geht’s, Herr Becher?

Mir geht‘s gut. Ich habe Spaß an der Arbeit und das Gefühl, die Leute wollen, was wir tun, auch wissen.

Man sagt ja, Grillen steckt Männern im Blut. Wie sind Sie denn dazu gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kinde. Durch das Showkochen und verschiedene Produktpräsentationen lernte ich die Firma Weber kennen, einen der Weltmarktführer für Grillgeräte. Grillen ist eine spannende Sache. Ich habe Spaß daran gefunden, aber auch festgestellt, dass es noch einen großen Bedarf gibt, das richtige Grillen zu kommunizieren.

Wie meinen Sie das?

Bratwürste und Holzfällersteaks auf den Grill zu packen, das ist einfach zu wenig. Wir entwickeln viele kreative Ideen, was man auf dem Grill so alles anstellen kann.

Abgesehen von der Holzkohle, welches Grillutensil darf denn auf gar keinen Fall fehlen?

Ein Deckel für den Grill. Statt das Grillgut bei großer Hitze auf dem Rost zu brutzeln, kommt das vorbereitete Gericht in eine Grillform und wird mit geschlossenem Deckel bei niedrigeren Temperaturen vollendet. Damit lässt sich eine Fülle von Rezepten umsetzen. Käsekuchen auf dem Grill, eine Fischsuppe oder gegrilltes Gemüse zum Beispiel. Grillsaison ist immer.

Wie wollen Sie neuen Schwung in die Grillkultur bringen?

Beim Showkochen und in den Kursen unserer Genussakademie bringen wir den Leuten bei, was man auf dem Grill alles machen kann. Wir erklären und zeigen es ihnen. Am besten kommt das natürlich rüber, wenn die Leute selber kosten und schmecken können.

Sächsische Gerichte sind wieder in Mode. Gilt das auch fürs Grillen?

Viele unserer Kursteilnehmer können sich gar nicht vorstellen, was alles geht. Wir arbeiten mit Produkten, die jeder kennt, sodass jeder die Rezepte nachmachen kann. Es geht ein genereller Trend zu regionalen Spezialitäten. Deshalb sind sächsische Produkte und sächsische Gerichte ein aktuelles Thema. Ich bin ein Verfechter davon, ausschließlich mit regionalen Produkten zu arbeiten. Wir sollten wieder von der Exotik wegkommen, deren Transport die Umwelt belastet, viel Energie verbraucht und obendrein noch teuer ist. In der Region gibt es viele gute Produkte. Sie stehen für Nachhaltigkeit und Qualität. Das gilt natürlich auch fürs Grillen.

Sie grillen beim „Schiebocker Abend“ im Kulturhaus. Auf welche Leckereien dürfen sich die Gäste freuen?

Wir machen geräucherten Lachs vom Grill mit Salat aus Grillgemüse und Schweinemedaillons mit Erdbeer-Aprikosen-Relish, einem fruchtig-scharfen Kompott. Es wird gegrillte Gewürzpolenta geben, karamellisierten Käsekuchen sowie Rumpfirsich mit Vanilleeis vom Grill. Vorstellen werden wir außerdem die Kalbspralinen mit einem Heinrichsthaler Goudaherz. Das war einer unserer Wettbewerbsbeiträge bei den Deutschen Grillmeisterschaften im Mai in Gotha. Das Rezept haben wir gemeinsam mit den Heinrichsthalern entwickelt. In Bischofswerda wird mich Christin Popella unterstützen. Sie ist Sachsens jüngste Fleischermeisterin und wurde mehrfach prämiert.

Wie viel Holzkohle haben Sie im Gepäck?

Holzkohle bringen wir gar keine mit. Wir arbeiten mit Holzkohlebriketts. Und da die eine Brenndauer von circa vier Stunden haben, brauchen wir da wohl nicht all zu viel – zehn Kilo sollten reichen.

Wann werfen Sie am Sonnabend den Grill an?

Bei unseren vier Gerichten werden wir auch parallel auf vier Grills arbeiten. Der Größte ist etwa 1,20 Meter breit. Und anschmeißen werden wir die Grills circa eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Die Gäste des „Schiebocker Abends“ freuen sich darauf, von Ihnen als Entertainer und Spaßvogel aus dem „Küchenklatsch“ kulinarisch verwöhnt zu werden. Worauf freuen Sie sich in Bischofswerda?

Auf viele nette Menschen, einen schönen Abend und darauf, die Gäste von unseren Gerichten und unserer neuen Qualität des Grillens zu begeistern.

Wie oft grillen Sie privat?

Das geht schon mal ganz schnell. Klar, wenn in unserer Genussakademie die Grills bereit stehen.

Was essen Sie dann selber am liebsten vom Grill?

Da will ich mich nicht festlegen. Es gibt so viele schöne Sachen, und das schwankt auch je nach Jahreszeit. Hähnchen auf der Bierdose vielleicht. Das ist so ein Beispiel für die neue Qualität des Grillens.

Welchen Tipp werden Sie den Hobby-Grillern mitgeben?

Entgegen der landläufigen Meinung braucht gut gegrilltes Fleisch nicht immer viel Hitze. Der meistens unterschätzte Zeitfaktor spielt ebenfalls eine große Rolle. Ob das Fleisch in der Mitte richtig durchgegrillt ist, kontrollieren Sie am besten mit einem Thermometer.

Das Gespräch führte Constanze Knappe.