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Graupas Wald wird zum Klassenzimmer

Der Sachsenforst will Schülern die Natur nahebringen. Dabeikommt es schon mal vor, dass ein Kind das erste Mal im Wald ist.

Von Alexander Müller

Georg ist eine Fledermaus! Mit verbundenen Augen versucht er, Motten zu fangen, die wild um ihn herumtanzen. Er ruft „Motte, Motte“, und die Motten klatschen in die Hände, damit Georg sie orten kann. Was wie ein Kinderspiel klingt, ist auch eines – aber ein sehr lehrreiches. Etwa 80 Viertklässler aus Graupa und Heidenau nahmen gestern an den Waldjugendspielen in Graupa teil.

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„Das ist wie Schule im Wald“, erklärt Hubert Braun, Geschäftsführer des Staatsbetriebs Sachsenforst, der den Tag im Wald organisiert und durchführt. Was passiert im Wald? Warum wird gejagt? Warum werden Bäume abgesägt? Das alles seien Fragen, die bei dieser Aktion geklärt werden. Und zwar auf eine Art, die allen Beteiligten Spaß macht.

Auf insgesamt zehn Stationen lernten die Schüler, was im Wald vorgeht. Da spielten der Holztransport, Müllentsorgung und Baumhöhen genauso eine Rolle wie Tierweitsprung, Blätterkreativität oder Zapfenzielwurf. „Wissen und Sport wechseln einander dabei immer wieder ab bzw. ergänzen sich“, erläutert Stefanie Blaß, die zuständige Waldpädagogin des Sachsenforst.

Sie hat ein gutes Gespür dafür, was bei den Kindern ankommt und wie deren Wissensstand ist. „Es gibt fast in jeder Klasse immer jemanden, der schon viel über die Natur weiß“, berichtet sie. Die Schüler würden sich dadurch oft gegenseitig anspornen und austauschen. Dass es aber viele Kinder gibt, die selten im Wald sind, das sei leider auch richtig. „Mir fällt da immer das Beispiel eines Elfjährigen aus Berlin ein, der bei uns das erste Mal in seinem Leben im Wald war.“

Doch auch abseits solcher Extremfälle wolle man mit den Waldjugendspielen dem Desinteresse an der Natur vorbeugen und Defizite bekämpfen. „Das gilt inzwischen übrigens nicht nur mehr für die Kinder, sondern verstärkt auch für die Lehrer und Erzieher“, erzählt Stefanie Blaß.

Bei den Schülern gestern, neben Graupaer Kindern waren auch Heidenauer Grundschüler unterwegs, war dann aber gar nicht mehr so viel Nachhilfe nötig. „Wir haben uns gut vorbereitet und sind regelmäßig mit dabei“, sagt Ute Paul, die in Graupa unterrichtet. Doch auch sie lerne immer wieder dazu. Ein Gewinn ist diese Sache also immer für alle.

Bis Ende Juni werden dieses Jahr bei 67 Veranstaltungen sachsenweit rund 6 000 Mädchen und Jungen der dritten, vierten und sechsten Klassen einen ganzen Schultag im Wald verbringen. Die Waldjugendspiele finden in allen zwölf Forstbezirken und in den drei Großschutzgebieten Nationalpark Sächsische Schweiz, Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide/Gohrischheide sowie am Sitz der Geschäftsleitung von Sachsenforst in Graupa statt.

Die Waldjugendspiele sind eine Gemeinschaftsaktion des sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums sowie des Kultusministeriums und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Die Waldjugendspiele finden seit 1999 jährlich in Sachsen statt. Rund 80 000 Schüler haben sich seitdem an den sächsischen Waldjugendspielen beteiligt. Der Andrang ist groß. Es gibt mehr Interessenten als Angebote. Wer also mit seiner Schule/Klasse dabei sein will, sollte sich früh kümmern. Die Anmeldung läuft über die Bildungsagentur.