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Großartige Musik und brillantes Orchester

Abschlusskonzert „Slawische Klänge“ mit dem Sinfonischen Orchester Hoyerswerda im vollen Lausitzhallen-Saal.

Dirigentin Eva Meitner motivierte ihr Sinfonisches Orchester Hoyerswerda vor ausverkauftem Haus zu einer Glanzleistung.
Dirigentin Eva Meitner motivierte ihr Sinfonisches Orchester Hoyerswerda vor ausverkauftem Haus zu einer Glanzleistung. © Foto: Gernot Menzel

Von Christine Neudeck

Hoyerswerda.  Mit Standing Ovations endete das Abschlusskonzert der 54. Hoyerswerdaer Musikfesttage. Es war ein Konzert der Superlative, vor allem deshalb, weil das Sinfonische Orchester Hoyerswerda vorwiegend aus Laien besteht, aus heutigen und ehemaligen Schülern der Musikschule Hoyerswerda. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Eva Meitner, die als Dirigentin, Musikerin und Mentorin weltweit unterwegs ist. Sie hat in den Jahren ihrer „Neben“-Tätigkeit in Hoyerswerda das Sinfonische Orchester zu einem Klangkörper weitergebildet, der den Ansprüchen eines Sinfonieorchesters immer näher kommt. So waren die Titel für das Abschlusskonzert „Slawische Klänge“ in einer hervorragenden Mischung ausgewählt, die beim Publikum große Resonanz fand.

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Smetanas Moldau: Grandios

Den Anfang machte Bedřich Smetana (1824-1884) mit „Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“. Es ist die eingängige, fast zu einem Ohrwurm avancierte Melodie des Flüsschens Moldau, das zum breiten Strom wird. So in Musik umgesetzt ist wohl kein anderer Fluss auf der Welt zu erleben. Die Holzblasinstrumente sprudeln und hüpfen förmlich über die Steine der beiden kleinen Quellflüsse, der warmen Moldau und der Kalten Moldau im Böhmerwald und im Bayrischen Wald, formen sich zu einem Fluss, welcher nun mit vollem Orchester erlebbar wird. Durch liebliche Landstriche mit fröhlichen Menschen an den Ufern fließt die Moldau weiter durch kleinere und größere Städte, wird von České Budéjovice (Budweis) gegrüßt und kommt als Höhepunkt an der schönen Stadt Prag vorbei. Man kann hier förmlich hören, wie jahrhundertelang Kriege um diese Stadt geführt wurden, Glaubenskriege und Eroberungskriege, und wie nach dem Krieg das Leben allmählich wieder beginnt. Bis zur Mündung in die Elbe bei Melnik wird der Strom breiter und gemächlicher und die Musik endet ein bisschen wehmütig, weil der schönste und längste Fluss Tschechiens beinahe klanglos in der Elbe verschwindet. Schlussakkord: Schade!

Am Ende gewinnt der Teufel

Schon diese Musik verlangte den Musikern einiges ab. Bei Sergei Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ allerdings war höchste Konzentration gefragt und tausendfältiges Üben im Vorfeld des Konzertes. In 24 Variationen bearbeitet Rachmaninow (1873-1943) Kompositionen Paganinis zu einer Rhapsodie, zu einer Dichtung für Klavier und Orchester. Er legt die Legende zugrunde, dass Paganini einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben soll, um die größte Perfektion auf der Geige zu erlangen und um einer schönen Frau zu gefallen. Die Melodien Paganinis setzt Rachmaninow in einen Wechsel mit der lateinischen Totenmesse „Dies irae – Tag des Zorns“ , dem Motiv des Teufels. Am Ende wird der Teufel gewinnen.

Eigenwillige Elise

Am Klavier erleben die Zuhörer den 19-jährigen Andrej Lüders aus Dresden, dem das Klavier freudig und voller Inbrunst zu gehorchen scheint. Leicht und locker, laut und leise stellen sich Künstler und Konzertflügel dem Dialog mit einzelnen Instrumenten und dem vollen Orchester. Ebenso wie der Pianist steigern sich die Musiker zu Höchstleistungen der Perfektion. Eine bewundernswerte Leistung! Der Applaus danach galt demzufolge Andrej Lüders und gleichermaßen dem Sinfonischen Orchester, dem kaum einer dieses anspruchsvolle Stück zugetraut hätte. Mit einer eigenen Komposition zu „Elise“ in einer Jazz-Version verabschiedete sich Andrej Lüders mit jugendlichem Überschwang.

Märchenhaftes Stück

Last not Least kam „Das Goldene Spinnrad“ von Antonín Dvořák (1841-1904) zu Gehör. Nach langem Aufenthalt in den USA war Dvořák 1896 in seine Heimat, nach Tschechien, zurückgekehrt und vertonte viele Themen der tschechischen Folklore. So auch das „Goldene Spinnrad“, eine Mischung aus den Märchen „Dornröschen“ und „Aschenputtel“. Die Besetzung des Orchesters erfolgte ganz im Stil der tschechischen Nationalmusik mit vielen Holzbläsern , Hörnern, Trompeten und Posaunen, dazu Streichinstrumente, Harfe und Triangel. Märchenhafte Klänge verkörpern das fleißige Mädchen Dornicka am „musikalisch“ surrenden Spinnrad, das ein König geheiratet hatte, der in den festlichen Jagdhornmotiven zu erkennen ist. Doch die Stiefmutter des Mädchens hatte andere Pläne: Ihre leibliche Tochter sollte den König bekommen, und so spinnt sie eine höllische Intrige ... Diese Passagen erklingen sehr schrill in Kontrasten zwischen Dur und Moll. Das Märchen klingt aus, wie es sich für Märchen gehört: mit einem Sieg des Guten und mit heiterer Festmusik.

Natürlich hat das Publikum „sein“ Orchester nicht ohne Zugabe entlassen. Als Kehraus erklang Antonín Dvořáks „Slawischer Tanz“, nicht minder anspruchsvoll.

Die Standing Ovations des Abends könnten auch stellvertretend für alle Konzerte der Musikfesttage gelten, vorbereitet von einem Team der Lausitzhalle unter Leitung von Carmen Hoffmann, das für auserlesenen Hörgenuss mit hervorragenden Künstlern gesorgt hatte und ausnahmslos viele Gäste in die Konzerte lockte.

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