merken
PLUS

Große Industrie gibt es nur am Horizont

Die Wirtschaftskraft ist nicht die beste. Es scheint, dass das so bleibt.

© Gernot Menzel

Was ist noch da von den DDR-Industriehochburgen?

Der Industriestandort Schwarze Pumpe, für den Hoyerswerda als Wohnstadt ab 1955 stark ausgebaut wurde, liegt 12 Kilometer von der Stadt entfernt und gehört nicht zu ihrem Territorium. Das Gaskombinat ist einem Industriekomplex gewichen, Braunkohle wird nun in einem in den 90er Jahren gebauten Kraftwerk verstromt. Aber die Steuern fließen in andere Kommunen, nicht nach Hoyerswerda. Hier verschwanden zudem weitere Großbetriebe wie Betonwerk, Molkerei und Bäckerei. Industrie ist in Hoyerswerda praktisch nicht beheimatet. Größter Arbeitgeber ist das Lausitzer Seenland-Klinikum. Vorzeigeunternehmen sind der Blockheizkraftwerk-Hersteller Yados und die Firma AVI. Beide haben jüngst in neue Standorte in der Stadt investiert.

Wie teuer ist die Stadt für Unternehmen?

Die Hebesätze sind vergleichsweise hoch. Der Gewerbesteuersatz beträgt 415 v.H., die Grundsteuer A 352 v.H., Grundsteuer B 465 v.H.

njumii – Das Bildungszentrum des Handwerks
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.
Erfolg ist mein Ziel. Wissen mein Weg.

njumii ist der Ausgangsort für individuelle Karrieren. Im Handwerk. Im Betrieb. Im Mittelstand. In der Selbstständigkeit.

Wie läuft die Wirtschaftsförderung?

Die Stadt hat ihre Wirtschaftsförderungsgesellschaft abgewickelt. Jetzt ist die Wirtschaftsförderung beim Fachbereich Bau angesiedelt und sitzt mit im Alten Rathaus am Markt. Fachbereichsleiter Dietmar Wolf sieht darin den Vorteil, dass man Investoren vom Immobilienmanagement bis hin zu Fragen der Baugenehmigung aus einer Hand betreuen kann. Mit eigenen Werbestrategien oder ausgefallenen Ideen sind die Wirtschaftsförderer allerdings in den letzten Jahren nicht in Erscheinung getreten. Innerhalb des Städtenetzwerks Oberlausitz /Lausitz, bestehend aus Planungsverantwortlichen und Wirtschaftsförderern der Städte, die mit der Wirtschaftsinitiative Lausitz (WIL) zusammenarbeiten, sucht man jetzt sein Glück. Immerhin wird für das Industriegebiet Zeißig im Rahmen einer Studienarbeit eine Entwicklungsstudie erarbeitet.

Wie wird Hoyerswerda im Kreis wahrgenommen?

Hoyerswerda ist nach Bautzen die zweitgrößte Stadt im Landkreis Bautzen und bietet im Norden die städtische Infrastruktur, was Einkaufen, medizinische Versorgung, aber auch Dienstleistung und Kultur anbelangt. Wirtschaftlich sind viele andere Kommunen im Kreis besser aufgestellt. Hier spielt meist die Lage an der Autobahn A4 eine Rolle. Politisch galt Hoyerswerda im schwarzen Kreis als rote Hochburg, davon war in den letzten Wahlen nicht mehr viel zu spüren.

Welche Rolle spielt die Gewerbemesse?

Die Hoyerswerdaer Gewerbemesse wurde 2010 von der Seenlandmesse abgelöst. Sie fand in diesem Jahr erstmals nicht in der Stadt, sondern knapp 10 Kilometer entfernt am Ufer des Partwitzer Sees statt. Die Ausrichtung liegt bei der Lausitzhallen GmbH. Doch die Zukunft ist ungewiss. Gestern erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Delling: „Die Messe ist ein Thema, das wir mit dem Landkreis und den entsprechenden Zweckverbänden besprechen müssen. Sie kann nur erfolgreich sein, wenn sie als eine Messe der Region betrachtet wird.“

Wie lebendig sind die Innenstädte?

Eine klassische Altstadt-Einkaufsbummelmeile gibt es nicht mehr. Der Leerstand in den Geschäften füllt sich mit Versicherungen und Co. Mit Kaufland und Globus gibt es zwei große SB-Märkte an der Peripherie. Wer Hoyerswerda als Einkaufsstadt nennt, meint meist Lausitz-Center, Expert und Hoffmann Möbel im Neustadtzentrum. In der Altstadt soll ein neuer Einzelhandelsstandort entstehen, dessen Auswirkung auf den Rest der Altstadt konträr bewertet wird. Für sie es vor Jahren ein Entwicklungsprojekt, das mangels Mitwirkung einiger Betroffener eingestellt wurde. Eine neue Idee gibt es nicht.