SZ +
Merken

Große Kreise sind unheimlich

Was sagen der Burgchef, der Vorsitzende des Bauernverbandes, der Heimatforscher und der Stadtrat zu den Reformplänen?

Teilen
Folgen

„Ich als Landwirt sitze da zwischen den Stühlen. Zum einen gehören wir den Bauernverband Döbeln-Oschatz an und zum anderen ist das Landwirtschaftsamt Döbeln-Mittweida eine unserer wichtigsten Anlaufstellen“, sagte Torsten Krawczyk, Vorsitzender des Bauernverbandes und Geschäftsführer des Landgutes Westewitz. Er favorisiere den Zusammenschluss der Landkreise Döbeln, Mittweida und Freiberg. Mittweida würde allerdings ausreichen. Krawczyk wünscht sich, dass das Amt für Landwirtschaft nicht mehr umstrukturiert und auch nach der Kreisreform so weiterarbeiten kann wie bisher. „Das ist am sinnvollsten, zumindestens für uns Landwirte. Wichtig ist auch, dass das Landwirtschaftsamt und das Landratsamt eigenständige Institutionen bleiben“, so Krawczyk. Er würde dem neu zu gründenden Kreis den Namen Mittelsachsen geben.

Obwohl Peter Knierriem der Chef von drei Burgen in drei Landkreisen ist, soll seiner Meinung nach alles so bleiben, wie es ist. „Ich bin damit zufrieden und ich denke, die Leute sind es auch, weil sie sich mit dem Landkreis Döbeln identifizieren können“, so der Leiter der Schlösser Mildenstein, Colditz (Muldentalkreis) und Rochlitz (Mittweida). Von größeren Gebilden halte er wenig. Die seien ihm „unheimlich“. Knierriem befürchte, dass bei einem Zusammenschluss viel Positives verloren gehen könnte. „Und wenn wir uns schon einen Partner suchen müssen, dann wäre das Muldental aus meiner Sicht sinnvoll“, sagte Knierriem. Er begründete dies mit historischen Verbindungen und der gefühlsmäßigen Bindung. Diese gehe eher in Richtung Leipzig.

Der Waldheimer Heimatforscher Karl Schuster würde den neuen Großkreis, unabhängig von den beteiligten Städten, Mittelsachsen oder Mitteldeutschland nennen. „Letzteres würde ich bevorzugen, weil wir ziemlich zentral liegen“, so Schuster. Die Neugestaltung sei schon oft angestrebt worden. Vor der jetzigen Diskussion habe es bereits einmal die Variante Hainichen -Döbeln-Rochlitz gegeben. 200 000 Einwohner hätten dazu gehört. Dies sei aber an Rochlitz gescheitert. Die Kombination Döbeln- Mittweida-Freiberg hält Karl Schuster nicht für sehr ideal. Zwar habe man die Talsperre als Naherholungsgebiet in der Mitte und ringsherum Industrie, nicht nur Landwirtschaft. „Aber Freiberg ist ein bisschen sehr weit weg“, meint der Heimatforscher. Ihm würde eine Variante aus Mittweida-Döbeln und je einem Stück Oschatz sowie Muldentalkreis zusagen. „Aber das geht ja leider nicht.“

„Der Name für das neue Kreisgebilde ist nicht vordergründig. Wichtig ist, dass die Lasten durch die Reform nicht auf die Kommunen abgewälzt werden“, sagte Uwe Hachmann, SPD-Stadtrat. Er favorisiert den Zusammenschluss des Kreises Döbeln mit Mittweida. Hier gebe es bereits feste Infrastrukturen im wirtschaftlich, kulturellen, touristischen und im Bildungsbereich. Außerdem dürfe die Mentalität der Menschen nicht außer Acht gelassen werden. Hachmann würde es befürworten, wenn die Regierungspräsidien abgeschafft werden und somit eine Menge Bürokratie entfiele. „Es müssen einfach wie in der Wirtschaft die messbaren Werte verglichen und die Vor- und Nachteile für den Landkreis herausgearbeitet werden“, sagte Hachmann.