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Großenhain sagt der rechten Szene den Kampf an

Im Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ wurden bisher zehn Projekte von neun Vereinen des Landkreises bewilligt.

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Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain, Riesa und das Umland stärken ihre Aufklärungsarbeit gegen rechtes Gedankengut und Intoleranz. Seit die Kommunen unter Riesas Federführung im Frühjahr ins Bundesprogramm „Vielfalt tut gut“ aufgenommen wurden (SZ berichtete mehrfach), konnte vielfältige Strategien entwickelt werden. Damit sollen sich vor allem Jugendliche für Vielfalt, Toleranz und Demokratie begeistern – sollen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit den Kampf ansagen.

Zivilgesellschaft stärken

Grundlage dieser Projekte ist eine respektable Förderung durch den Bund. Im ersten Förderjahr, das sich bis Ende August 2008 erstreckt, kann der Landkreis über 115000 Euro verfügen, davon 45000 Euro in diesem Jahr und 70000 Euro 2008. „Mit diesem Geld wollen wir die für unsere demokratische Gesellschaft immer wichtiger werdende Zivilgesellschaft stärken“, sagt Andreas Näther von der Netzwerkstelle Quo vadis in Riesa.

Was das konkret heißt, lässt sich aus den geförderten Projekten ablesen. In Großenhain hat das Netzwerk für Toleranz mit der Schindler-Ausstellung gezeigt, wohin nationalsozialistisches Gedankengut im vorigen Jahrhundert geführt hat. Auch Schulklassen waren von der Schau begeistert. Die Ausstellung kann weiter ausgeliehen werden.

Sehr lebendig sollen Jugendliche auf dem Land mit dem Projekt „Demokratie und Vielfalt erleben“ auf ihre Möglichkeiten demokratischer Mitarbeit in der Gesellschaft hingewiesen werden. Workshops und Fachtage sind überall geplant.

Interessierte Vereine haben dafür ihre Ideen und Initiativen eingebracht und Finanzierungsanträge gestellt. Die ersten waren das Netzwerk für Toleranz Großenhain und Umgebung und die Stadt Riesa. Ein elfköpfiger Begleitausschuss wurde berufen, die Anträge zu prüfen und nach den Richtlinien die Förderung zu bewilligen. In diesem Ausschuss arbeiten aus Großenhain Claudia Drews von der Stadtverwaltung, Andrea Kreisz vom Netzwerk für Toleranz und Beate Thiele vom Kreisjugendamt mit. Alle für 2007 vom Bund bewilligten Mittel konnten vollständig vergeben werden.

Der Erfolg dieser Projekte lässt sich nicht einfach in Zahlen und Fakten messen. Die in Großenhain Beteiligten schätzen aber ein, dass die Auseinandersetzung mit Extremismus und rechtem Gedankengut dadurch an Kraft und Breite gewonnen hat. In Großenhain wurden die Bande zwischen der Stadtverwaltung und dem bürgerschaftlichen Netzwerk für Toleranz enger geknüpft. Das wird sich auch in einem Faltblatt widerspiegeln, das das Netzwerk auf Bundeskosten erstellen kann und das noch im Dezember und die Leute kommt.

Die Kräfte bündeln

Wichtig ist es den Akteuren, ihre Kräfte zu bündeln, gegen Rechts zusammenzuarbeiten. Und das nicht nur in der drei Jahre andauernden Förderperiode. „Die Lern- und Gestaltungsprozesse müssen nachhaltig sein“, sagt Andreas Näther. Aus Sicht der Netzwerkstelle und des Begleitausschusses sollen die Mittel künftig verstärkt für Projekte in Gröditz bzw. im ländlichen Raum eingesetzt werden. Damit nicht alles ehrenamtlich läuft, wurden zwei Personalstellen in Großenhain und Riesa geschaffen.

Am 28. Januar bietet die Preusker-Bücherei zwei Lesungen für Jugendliche bzw. Schulklassen an. “Wir wollen Ursachen von Gewalt als ein Ausgangspunkt für extremistisches Verhalten veranschaulichen und mögliche Gegenstrategien aufzeigen“, sagt Claudia Drews.