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Großes Kino über Großenhain

Zum hundertsten Flugplatzjubiläum zeigten Piloten aus ganz Deutschland ihr fliegerisches Können.

Von Manfred Müller

Ralf und Nico Niebergall haben eine selbst in Kunstflugkreisen außergewöhnliche Show entwickelt. Das Neuwieder Vater-Sohn-Duo fliegt seine Figuren mit zwei völlig gleich aussehenden Siai Marchetti-Maschinen – die eine ein Original, die andere ein Modellflugzeug. „In der Luft ist manchmal nicht zu unterscheiden, welche das echte und welches das Modell ist“, sagt Ralf Niebergall. Das Boxermodell hat immerhin eine Spannweite von fast drei Metern, und wenn die beiden synchron ihre Loops und Turns fliegen, stockt dem Publikum der Atem. Mit einer Rauchanlage zeichnen die Flugzeuge ein perfektes Herz an den blauen Himmel über Großenhain. „Wir sind weltweit die einzigen, die so etwas machen“, sagt Ralf Niebergall. Zum Familienteam gehört auch Ehefrau Diana, die das Programm der beiden Männer über Funk koordiniert. Niebergalls Siai Marchetti SF-260, Baujahr 1977, wird zwar schon als Oldie eingestuft, dient aber in etlichen Ländern heute noch als Militärtrainer. Bei bis zu 300 Kilometern pro Stunde lastet das Fünffache des eigenen Gewichts auf einem Kunstflugpiloten, und es ist kaum zu glauben, dass er unter diesen Bedingungen noch absolut exakte Flugfiguren hinbekommt. Als die Rede auf die geplante Schließung des Großenhainer Flugplatzes kommt, wird das Gesicht des Neuwieders schlagartig ernst. „Es ist eine Schande, so einen Traditionsflugplatz einfach zu schließen“, sagt er. Dass hier ein Industriegebiet aus dem Boden gestampft werden soll, lässt Niebergall nicht gelten. An seinem Heimatflugplatz Mendig bei Koblenz, einem ehemaligen Heeresflieger-Stützpunkt, habe man ebenfalls ein Gewerbegebiet gebaut, ohne sich von der Fliegerei zu verabschieden. Wie hier mit den Kochs und ihrem Fliegenden Museum umgegangen werde, finde er einfach mies.

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Kaum einer kam an der riesigen Transall-Maschine vorbei, die neben Tante Ju ohne Zweifel der Hingucker der Flugschau war. Janik (9) aus Strehla hatte es sogar bis in die Pilotenkanzel geschafft.
Kaum einer kam an der riesigen Transall-Maschine vorbei, die neben Tante Ju ohne Zweifel der Hingucker der Flugschau war. Janik (9) aus Strehla hatte es sogar bis in die Pilotenkanzel geschafft.
Ein ganz besonderes Gespann sind die Niebergalls aus Neuwied: Während Vater Ralf die Kunstflugmaschine flog, steuerte Sohn Nico vom Boden aus synchron das Flugmodell – eine Meisterleistung!
Ein ganz besonderes Gespann sind die Niebergalls aus Neuwied: Während Vater Ralf die Kunstflugmaschine flog, steuerte Sohn Nico vom Boden aus synchron das Flugmodell – eine Meisterleistung!

Die Piloten, die aus ganz Deutschland zu den Flugtagen nach Großenhain gekommen waren, boten am Wochenende noch einmal ganz großes Kino. Es war, als ob sie den Röderstädtern eindringlich vor Augen führen wollten, welchen Verlust die Flugplatz-Schließung für die Stadt bedeutet. Tausende von Besuchern waren aus allen Himmelrichtungen herbeigeströmt – die Autoschlange staute zeitweise bis zum MiG-Denkmal zurück. Das lag sicher nicht nur am guten Flugwetter, sondern auch daran, dass sie die möglicherweise letzte Großveranstaltung dieser Art in Großenhain miterleben wollten. Das endgültige Aus für den Flugplatz ist beschlossene Sache – ausgerechnet in dem Jahr, in dem sich die Militärfliegerei zum 100. Mal jährt. Im Februar 1914 war ein Flugzeugführer namens Hasenohr als erster Militärflieger mit seinem Eindecker „Taube“ auf dem Gelände gelandet und hatte damit den Beginn der Entwicklung der Röderstadt zur sächsischen Fliegergarnison eingeläutet. Damit ist der Flugplatz Großenhain einer der ältesten noch existierenden Flugplätze Deutschlands.

Als Hauptattraktion stand eine gewaltige Transall am Rollfeld. Die Besatzung vom Lufttransportgeschwader 63 aus Hohn hatte alle Mühe, der Menschenmassen, die sich durch den Laderaum wälzten, Herr zu werden. Ladungsmeister Hans-Horsth Köhler erledigte den Job routiniert und immer gewürzt mit einer Prise Humor. Er sei mit dem Riesenvogel schon fast überall in der Welt gewesen. Der weiteste Flug? Nach Australien und von dort nach Ost-Timor. Einsätze in Kampfgebieten? Klar, während des Balkankrieges in Sarajevo und natürlich Kunduz, Afghanistan. Ob seine C-160 schon einmal unter Beschuss geraten sei? Aber ja, in Sarajevo habe er nach jeder Landung mindesten zwei Kalaschnikow-Projektile aus der Außenhaut gepult.

Es sind erstaunlich sachkundige Hobby-Militärstrategen unter den Besuchern. Die wissen, dass die Transall nur 300 Meter Landebahn braucht und auch auf Gras und Schotter starten kann. Ideal für Afrika-Einsätze wie etwa in Mali. Andere lassen sich demonstrieren, wie eine Gruppe „Automatenspringer“ aus der Seitenluke der Transall abgesetzt wird. Ob die Maschine auch über Bewaffnung verfüge? „Nö“, sagt Stabsfeldwebel Köhler, „mit dem Schießen haben wir´s nicht so.“ Das Flugzeug sei lediglich mit Täuschkörpern ausgerüstet, um sich gegen infrarotgelenkte Raketen zu schützen.

Neben den verschiedensten Show-Programmen, Ausstellungen und Demonstrationen gab es am Wochenende natürlich auch wieder Rundflugangebote mit modernen und historischen Flugzeugen. Die Tickets für die kultige Ju 52 allerdings waren schon im Vorverkauf über den Tisch gegangen. Wer vor Ort einen der begehrten Sitzplätze ergattern wollte, hatte Pech.