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Gut, dass es eine Schule bleibt

Markersdorf. Mit einem Tag der offenen Tür verabschiedet sich die Mittelschule. Sie wird in eine Grundschule umgewandelt.

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Von René Tzschoppe

Was heißt den dobro paschalowatch““, fragt Stefan Kühn. Seine Schwester nimmt das Wörterbuch von der vordersten Mittelbank. Sie kann es nicht finden. Der Schriftzug an der Tafel heißt beide im Russisch-Kabinett „Herzlich willkommen“.

„Wir sind hier mal in die Schule gegangen. Meine Schwester hat mir vom Tag der offenen Tür erzählt, und so bin ich extra aus Dresden gekommen“, erzählt der 25-Jährige. Gemeinsam mit seinem Schulkumpel Matthias Gläser wollte er ein letztes Foto in der Klassenbank machen: „Aber unser Klassenraum ist jetzt ein Computerzimmer.“

Sie schlendern durch den Altbau der Schule und bestaunen die Veränderungen. Bald wird es ihre Schule so nicht mehr geben. Aus der Mittelschule wird eine Grundschule. Schüler und Lehrer sind traurig. Wehmut schwingt in ihren Worten mit. Irmgard Rothe sieht den Schultypwandel aus Distanz: „Besser als eine Schließung. Ich arbeite viel mit Senioren, und so bleibt uns weiterhin die Möglichkeit, auf die Angebote der Schüler außerhalb der Schule, wie zum Beispiel Kulturprogramme, zurückzugreifen.“ Für das Markersdorfer Gemeindeleben sei das sehr wichtig. Irmgard Rothe war bis 1979 selbst Lehrerin an der Schule. Den Kleinsten hat sie hier das Lesen und Schreiben beigebracht. Und auch nach den vielen Jahren erkennt sie noch etliche Gesichter.

Gemeinsam mit der jetzigen Deutschlehrerin, Brigitte Pfitzmann, steht sie im Flur. „Mein Mann hat hier sogar als Kind die Schulbank gedrückt“, erzählt Irmgard Rothe.

Im Neubau ist inzwischen viel Trubel. Schulleiterin Regina Heise platzt mitten in die beginnende Theatervorstellung der 10. Klasse hinein. Das Märchen „Aschenputtel“ noch mal von vorn, sagt sie ganz aufgeregt und führt eine weitere Schar Besucher in das Zimmer hinein.

Aus Mädchen wurden Damen

In der oberen Etage ist es dagegen ruhiger. Reiner Seifert sitzt an seinem Schreibtisch. Er wirkt ein bisschen verlassen in dem farblich überfluteten Kunsterziehungsraum. Seit 2003 ist er nicht mehr als Lehrer tätig, erzählt er. Von den Besuchern erkenne er nicht jeden: „Man hatte sie als Schüler. Inzwischen sind sie erwachsen.“

Dann kommen zwei junge Frauen in die obere Etage. Reiner Seifert rätselt: „Sie müssten Mandy sein.“ Und er fühlt sich bestätigt: „Sehen Sie, aus den beiden sind jetzt richtige Damen geworden.“

Überall ist in den zwei Stunden etwas los: Aus dem Musikraum schallt Gesang, im Keller klappert der Tennisball über die grünen Tische, vor dem Chemielabor räkeln sich Hobby-Scharlatane. Hier ist ein Regal aufgebaut: Reagenzgläser, Erlenmeyerkolben, Mikroskope oder Schutzbrillen – alles steht zum Verkauf. Schon im langen Schulgang werden die Besucher an ihre Schulzeiten erinnert. Bücher liegen aus: „Käuzchen Kuhle“ oder „Trini“ sind nur einige der DDR-Deutschunterricht-Hits. Im Musikzimmer liegen ebenfalls „Klassiker“ aus: FDJ-Liederbuch, Liederbuch der Thälmannpioniere und das alles auch als Langspielplatten-Version. Im Foyer der Schule steht inzwischen Laura Schulte-Hubbert. Jedem Besucher übergibt sie ein Programm und einen Aufkleber der Schule. Auch sie ist nicht ganz glücklich über die neue Situation. Für das Mädchen führt der neue Schulweg im neuen Schuljahr nach Reichenbach. Aber eins ist bei den Schülern bereits durchgesickert. Ein kleines Geschenk als Erinnerung an ihre Markersdorfer Schule wird es geben. „Was es sein wird, hängt bestimmt heute von den Einnahmen ab“, munkelt Laura. Der Zulauf reißt nicht ab: Im Hof haben es sich die Jugendlichen bequem gemacht. Musik dröhnt aus der Lautsprecherbox. Hier ist an Speisen und Getränke gedacht. Im Haus bleibt die Begeisterung: „Das sind doch noch die Bänke aus unserer Zeit“, sagt eine Mutter zu Physiklehrerin Kathrin Goerke. Die zeigt den beiden Töchtern Experimente. Der Tag der offenen Tür zeigt sich durchaus als ein spannender Schultag.