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Gutes Gift

Das Uniklinikum leistet sich eine eigene Apotheke. Die Mitarbeiter produzieren Infusionen für die Krebstherapie.

© Christian Juppe

Von Juliane Richter

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Der Krebs kennt kein Wochenende. Wer davon befallen ist, kämpft jeden Tag dagegen an. Diesem Naturgesetz haben sich die Mitarbeiter der Apotheke des Uniklinikums angepasst. 365 Tage im Jahr ist der Herstellungsbereich besetzt, damit Krebspatienten behandelt werden können. Im vergangenen Jahr hat das Team rund 36 000 Infusionen für Krebstherapien hergestellt. Manche können auf Vorrat produziert werden, für andere bleiben vom Auftrag des Arztes bis zur Fertigstellung nur zwei Stunden Zeit.

Alle halbe Stunde packt Bufdi Trix Friedrich Becker eine Transportbox. Peter Gärtner (r.) organisiert und überwacht die Abteilung Arzneimittelherstellung. © Christian Juppe
Eine Maschine mischt die Komponenten für die Frühgeborenennahrung. Die Apothekerin hat die Mengen vorher programmiert. © Christian Juppe
Kinder brauchen geringere Medikamentendosen als Erwachsene. Deshalb stellen die Apotheker auch Kapseln her, die diese Anforderung erfüllen. © Christian Juppe

Allen Präparaten gemein ist, dass sie unter strengen hygienischen Vorschriften hergestellt werden. Bevor die Mitarbeiter an ihren Arbeitsplatz im Reinraum können, müssen sie drei Schleusen passieren. Die weiße Klinikkleidung wechseln sie dort gegen hellblaue Ganzkörperanzüge, die auch den Kopf zu großen Teilen umschließen. Hohe Schuhüberzieher, ein Mundschutz und zwei paar Latexhandschuhe komplettieren die Arbeitskleidung. Im Reinraum herrschen konstant 21 Grad Celsius und permanenter Überdruck.

Peter Gärtner leitet den Bereich Arzneimittelherstellung und damit das 20-köpfige Team. „Im Reinraum herrschen sterile Bedingungen. Wer erkältet ist, darf ihn nicht betreten, sondern macht an diesen Tagen Dokumentationsarbeiten“, sagt der 30-Jährige. Die Mitarbeiter, die Infusionen herstellen, arbeiten in Zweierteams. Ein Kollege nimmt Materialien aus der Schleuse und reicht sie seinem Partner an der sogenannten Sicherheitswerkbank. Die ist verglast, lediglich die Hände des Mitarbeiters passen durch einen Spalt hindurch. Eine Absaugvorrichtung sorgt dafür, dass keine Stoffe in die Raumluft geraten. „Wir arbeiten hier mit überaus giftigen Komponenten“, sagt Gärtner. Denn die Stoffe, die den Krebs bekämpfen sollen, greifen sowohl kranke als auch gesunde Zellen an. Im schlimmsten Fall könne so bei einem Kontakt der Apotheker mit den Stoffen sogar Krebs ausgelöst werden. Die Doppelschicht aus zwei Paar Latexhandschuhen ist deshalb besonders stabil.

Jene Apotheker oder pharmazeutisch-technischen Assistenten, die direkt an der Sicherheitswerkbank sitzen, müssen bei den Krebsmitteln alle 30 Minuten das oberste Paar Handschuhe wechseln. Das gehört genauso zur Routine wie die eigentlichen Handgriffe. Mittels Spritzen werden die einzelnen Stoffe aus den Glasbehältern herausgesogen und in die Infusionsbeutel gespritzt. Dabei müssen die Mitarbeiter nicht nur wegen der Giftigkeit der Substanzen vorsichtig sein. „Die Komponenten einer einzigen Infusion können Zehntausende Euro kosten“, sagt Gärtner. Entsprechend ruhig und konzentriert geht die Arbeit im Labor vonstatten. Ähnlich läuft es einige Räume und Schleusen weiter bei Silke Stenzel. Die 43-Jährige mischt Glukose, Aminosäuren, Fette, Vitamine, Spurenelemente, Elektrolyte und Wasser zu einer speziellen Nahrung für Frühgeborene. Die wird ihnen über einen Venenkatheter verabreicht. Ähnlich wie bei den Krebsinfusionen steigt auch hier der Bedarf ständig. Im vergangenen Jahr hat das Team etwa 7 000 Infusionsbeutel hergestellt.

Bei allen Produkten aus der Klinikapotheke spielt nicht nur die Kontrolle der Arbeit, sondern auch die Dokumentation eine wichtige Rolle. Jedes Produkt erhält deshalb einen Aufkleber mit den wichtigsten Patientendaten. Verwechslungen müssen ausgeschlossen werden.

Weil die Produkte mitunter in kürzester Zeit beim Patienten sein müssen, transportieren Kuriere diese mit dem Auto durch das gesamte Gelände des Uniklinikums. Trix Friedrich Becker, der als Bundesfreiwilligendienstler in der Abteilung arbeitet, verstaut die Präparate und bringt manche auch in andere Häuser auf dem Gelände. „Die Kisten sind bruchsicher, damit auch wirklich nichts auslaufen kann“, sagt er. Jede halbe Stunde werden Kisten gepackt und so verschickt. Doch nicht alle Präparate bleiben am Uniklinikum. Ein geringer Teil geht in andere kleine Krankenhäuser im Umland, welche die Infusionen selbst nicht herstellen. Gelegentlich helfen die hiesigen Apotheker auch den Kollegen in Chemnitz oder Leipzig, wenn denen ein spezielles Mittel fehlt. „Wir sind ganz gut vernetzt“, sagt Gärtner. Das sei aber auch nötig, weil die pharmazeutischen Stoffe teilweise an nur zwei Standorten weltweit produziert werden. Herrscht dann ein Lieferengpass, beschert das den Apothekern schnell Probleme.

Etwas entspannter läuft die Herstellung von Tabletten und Kapseln. Die Tabletten werden mit einer historisch anmutenden Maschine aus den 90er-Jahren geprägt – sogar mit UKD-Schriftzug. Die Kapseln werden vor allem hergestellt, um verringerte Dosierungen für Kinder zu erreichen. Diese werden oft gegen Asthma, Herzerkrankungen oder Bluthochdruck damit behandelt. Pro Jahr entstehen dafür 37 000 Kapseln.

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