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Haben Sie immer so gute Laune?

Die Sopranistin Anna Gössi ist seit Herbst am Görlitzer Theater. Mit ihrem Naturell macht sie auch das Publikum froh.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ines Eifler

Anna Gössi strahlt und lacht, sie sprüht vor Fröhlichkeit, und nichts davon ist aufgesetzt. „Ich bin dafür bekannt, dass ich immer gute Laune habe“, sagt die Sopranistin. „Wenn ich nicht lache, bin ich nicht ich.“ Seit Herbst singt Anna Gössi am Görlitzer Theater, seit Februar ist sie im „Notenflüsterer“ zu erleben, einem szenisch gestalteten Abend mit Liedern aus weltberühmten Filmen. Einem Abend im Foyercafé des Theaters, der den Zuschauern und auch ihr selbst viel Freude macht.

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„Wenn so ein Abend gelingt, wenn der Funke zum Publikum überspringt, dann kann das so berauschend sein, dass man noch Wochen davon zehrt“, sagt Anna Gössi. Beim „Notenflüsterer“ ist das geschehen. „Es ist etwas Besonderes, dem Publikum so nahe zu sein“, sagt die Sängerin. Aber es sei auch eine Herausforderung. Wenn nämlich keine Verbindung zu den Menschen entsteht, die aus nur anderthalb Metern Entfernung zusehen und zuhören, dann könne das sehr quälend sein.

Anna Gössi kommt aus der Schweiz, aus der Nähe von Biel, einer Stadt im Kanton Bern mit 55 000 Einwohnern. „Deshalb fühle ich mich auch in Görlitz so wohl“, sagt sie, „die Größe ist genau richtig für mich.“ Aufgewachsen ist Anna Gössi aber auf dem Land, als drittes von vier Geschwistern mit geringem Altersunterschied, in einer Familie, in der es „immer fröhlich, lustig und laut“ zuging. Ihr Vater spielte Kontrabass im Bieler Theaterorchester.

Sie selbst kam relativ spät zum Gesang, obwohl schon in der Grundschule eine Lehrerin darauf hinwies, dass sie so eine schöne Stimme habe. Doch erst mit 16 begann Anna Gössi Gesangsunterricht zu nehmen. Auf dem Gymnasium entschied sie sich für den Schwerpunkt Musik, danach studierte sie Gesang in Luzern und Basel, parallel zu einem musikpädagogischen Studium. Am Schweizer Opernstudio spezialisierte sie sich aufs Opernfach.

Seitdem hat Anna Gössi schon viele Opern- und Operettenpartien gesungen. Ihre ersten Rollen waren die Adele aus Johann Strauss’ „Fledermaus“ und die Blonde aus Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Vor allem in der Schweiz ist sie aufgetreten, aber auch bei Konzerten in verschiedenen Ländern, und sie ist Preisträgerin mehrerer Gesangswettbewerbe.

Dass sie am Gerhart-Hauptmann-Theater fest engagiert wurde, entstand aus der dringenden Suche nach einer Schwangerschaftsvertretung für die Sopranistin Mirjam Miesterfeldt, die im Herbst 2015 nach Görlitz gekommen war. „Ich bekam einen Anruf, was ich demnächst vorhabe“, erzählt Anna Gössi, „und sagte, in ein paar Tagen sei ich arbeitslos.“ Ganz stimmte das zwar nicht, denn sie steckte mitten in den Vorbereitungen für einen Gesangswettbewerb, in dem sie schließlich den zweiten Platz belegte. Aber kurz darauf sang sie in Görlitz vor und war engagiert.

Weil zu Beginn dieser Spielzeit mehrere Wiederaufnahmen liefen, studierte Anna Gössi innerhalb von fünf Wochen fünf Rollen ein, die sie zuvor nicht kannte. „Das war sehr anstrengend“, erzählt sie, „aber auch bereichernd.“ Jetzt, da sie sich auf eher kleinere Rollen in „The Producers“ und in der Sommertheaterproduktion „Frau Luna“ vorbereitet, könnte es etwas ruhiger werden.

Doch Anna Gössi hat schon das kommende Jahr im Blick. Wenn es nach ihr ginge, würde sie gern in Görlitz bleiben: „Ich liebe die Stadt heiß und innig“, sagt sie, „dieses kleine Theater ist toll, weil es eine große Vielfalt bietet, und die Kollegen sind toll, weil man wunderbar mit ihnen arbeiten und von ihren lernen kann.“ Die Sopranistin geht aber davon aus, dass sie nach dieser Spielzeit wieder zurück in die Schweiz geht, zurück zu ihrem Mann an den Zürcher See, der sich wünscht, sie wäre öfter bei ihm. Bis zum nächsten März habe sie gut mit Operettenengagements in der Schweiz zu tun, sagt sie. Für danach müsse sie sich bald wieder bewerben, die Agenturen mobilisieren, sich auf Vorsingen und Konzerte vorbereiten. Sich der Konkurrenz stellen.

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Denn so leicht und unbeschwert es auch aussieht, wenn sie sich fröhlich an den Flügel stellt: Hinter ihren Auftritten steckt harte Arbeit, sehr viel Ehrgeiz und die Bereitschaft, Opfer zu bringen. „Soubretten gibt es wie Sand am Meer“, sagt sie, „ich bin nur ein kleiner Fisch im Teich. Und es fällt einem nichts einfach zu.“ Wenn sie nicht bereit sei, alles zu geben, dann könne sie ihren Traum nicht leben. „Bis jetzt hat das Schicksal es aber immer gut mit mir gemeint“, sagt Anna Gössi. Und natürlich lacht sie dabei, weil ein Abschied zugleich auch ein Anfang ist.