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Händeschütteln, lächeln und immer nett sein

Zusammen mit mehr als 40 ostdeutschen Studenten war der Zittauer Bert Siegel nach Potsdam eingeladen worden, um gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über die Situation der Hochschulen in den neuen Ländern zu diskutieren.

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Zusammen mit mehr als 40 ostdeutschen Studenten war der Zittauer Bert Siegel nach Potsdam eingeladen worden, um gemeinsam mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über die Situation der Hochschulen in den neuen Ländern zu diskutieren. Nach seiner Rückkehr vom Kanzler sprach SZ mit dem 22-Jährigen, der in Görlitz Kultur und Management studiert.
Kennt sich der Kanzler in der Hochschullandschaft aus? Weiß er um die Probleme der Studenten? Im Detail nicht. Das hat er auch ganz offen zugegeben. Für Einzelheiten müssten wir uns an die Bundesbildungsministerin wenden.
Hat Sie das enttäuscht, immerhin hatten Sie ganz konkrete Fragen zur Neiße-University? Ich fand es sehr schade, zumal wir uns zuvor in drei Arbeitsgruppen zusammengesetzt hatten, um noch einmal die Fragen an Schröder zu bündeln. Der Kanzler fühlte sich aber nicht kompetent und wollte sich mit uns lieber über Ostdeutschland unterhalten. Das ging auch aus einem Arbeitspapier hervor, dass ich durch einen Zufall kurz in den Händen hielt. Da hatte Schröder vermerkt, dass er mit dem Thema Hochschullandschaft nicht klar kommt. So hat er uns dann von seinen Eindrücken und Erlebnissen während der Tour durch die neuen Länder erzählt.
War die Fahrt vertane Zeit? Nein, denn wir Studenten haben intensiv und kontrovers diskutiert. Beispielsweise gab es völlig verschiedene Meinungen zum Thema Studiengebühren.
Ist auch Schröders Besuch in Görlitz erwähnt worden? Nein, aber er wurde unter anderem gefragt, warum er sich nur das Schöne hat zeigen lassen, und warum es kein Gespräch mit rechten Jugendlichen gegeben hat. Auf Letzteres hatte Schröder eine interessante Antwort parat: Das sei politisch nicht machbar gewesen. Ein Foto, das den deutschen Kanzler im Gespräch mit Rechten zeigt, wäre im Ausland sehr schlecht angekommen. Vermisst habe ich Äußerungen Schröders über die Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien. Dafür hat mir Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) einige Adressen von Ansprechpartnern gegeben. Im September soll es ein Treffen zwischen dem deutschen und dem polnischen Außenminister sowie den Ministerpräsidenten der Bundesländer geben, die an Polen grenzen.
Welchen Eindruck haben Sie von der "großen Politik" gewonnen?Vor allem den, dass ich nicht auf die politische Ebene rutschen möchte. Die Politiker machen einen netten Eindruck, lächeln freundlich jeden an, schütteln Hände - aber das alles bewegt sie nicht wirklich.
Das Gespräch führte Peter Chemnitz.

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