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Leben und Stil

Halt die Schnauze!

Dauerkläffen kann die Nachbarn stören. Die Ursachen dafür liegen oft beim Hundebesitzer.

© Florian Schuh/dpa

Hunde bellen, weil es ihre Art ist, zu kommunizieren. Problematisch wird es dann, wenn ein Hund ständig bellt und sich die Nachbarn beschweren. Schlimmstenfalls landet der Fall vor Gericht und der Hund im Tierheim. Doch Experten sind sich einig: Oft liegen die Ursachen für unerwünschtes Dauerkläffen beim Besitzer.

„Es ist oft unbewusst antrainiert“, sagt Verhaltensbiologin Juliane Bräuer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Hundestudien. Bis zu sieben verschiedene Belllaute soll es geben – von freudig, ungeduldig, traurig, verzweifelt, gelangweilt bis sauer und empört. Wenn der Besitzer die Leine nimmt, den Mantel anzieht und die Wohnung verlassen will, ist für den Hund klar, es geht raus zum Spaziergang.

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„Wenn der Hund vor Freude bellt und der Mensch verlässt mit ihm das Heim, wird der Hund positiv bestärkt. Beim nächsten Mal bellt er vielleicht schon, wenn der Mensch nur zum Schlüssel greift.“ Die Forscherin rät, so lange stehenzubleiben, bis sich das Tier leise ist. „Erst dann sollte man gehen.“ Unerwünschtes Bellen würde auch bestärkt, wenn der Hund sein Futter bekommt, obwohl er vorher lauthals gemeldet hat, wie sehr ihn das j freuen würde. Auch hier gilt: Futter gibt es erst, wenn er die Schnauze hält.

Dagegen kann ein Bellen am Gartenzaun bedeuten, dass der Hund, allein gelassen, nach seinen Menschen „ruft“. „Man könnte dieses Bellen als Trennungsbellen bezeichnen. Denn Hunde sind hochsoziale Wesen, die in Familienverbänden leben. Sie verstehen nicht, wenn der Rudelchef sie alleine lässt. „Hunde müssen lernen, dass ihr Mensch sie auch mal alleine lässt, aber immer wiederkommt“, sagt die Tierpsychologin Angela Pruß. Schon im Welpenalter könne man ganz sanft mit dem Training beginnen.

Nicht länger als sechs Stunden allein

„Hat sich der Welpe im neuen Zuhause eingelebt, geht man einige Sekunden aus dem Zimmer, schließt die Tür und kehrt gleich zurück. Das wiederholt man mehrmals täglich. Nach und nach kann die Zeit der Abwesenheit gesteigert werden“, sagt Angela Pruß. 

Aber Achtung: Man sollte nie zum Hund zurückkehren, wenn er bellt oder winselt. „Mit der Rückkehr würde man sein Verhalten bestärken“, so Pruß. Diese Eingewöhnungszeit könne Wochen dauern. Laut Experten sollten Hunde nur im Ausnahmefall mal über sechs Stunden alleine bleiben.

Ein Hund kann aber auch Rabatz am Zaun oder hinter der Wohnungstür machen, wenn er gefrustet und nicht ausgelastet ist. „Je nach Rasse, Alter und Temperament müssen Hunde sowohl psychisch als auch physisch ausgelastet sein, um ausgeglichen und zufrieden zu sein“, sagt Gerd Fels. Der Schäferhundzüchter rät, Hunde zum Beispiel neben angemessener Bewegung auch mit Suchspielen zu beschäftigen. So kann man Leckerchen verstecken, die das Tier finden muss.

„Kommt man zurück ins Haus und legt sich der Hund dann zufrieden und ruhig auf seinen Platz, kann man die Wohnung verlassen. Auch hier gilt, die Zeit der Abwesenheit langsam auszudehnen“, so Fels. Es gäbe auch Hunde, die erst nach drei, vier Stunden Abwesenheit ihres Besitzers unruhig und schließlich laut werden.

Sanfter Impuls über die Leine

Auch in diesem Fall müsse das Tier langsam an eine längere Abwesenheit gewöhnt werden. So solle man zurückkehren, bevor das Tier unruhig wird und die Zeiten erst dann langsam ausdehnen. „So registriert der Hund, dass sein Mensch immer zurückkommt“, sagt Fels. Eine Videoüberwachung könne bei der Analyse über das Verhalten des Hundes hilfreich sein.

Aber warum bellen Hunde am Zaun, wenn ihr Besitzer in der Nähe ist? „Dann kann es sein, dass sie ihr Revier verteidigen oder Artgenossen mitteilen, mehr Distanz zu wahren“, erklärt der Zuchtwart. Besitzer sollten in diesem Fall die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Eine lange Leine kann da hilfreich sein“, so der Hundetrainer.

Zeige der Hund am Zaun unerwünschtes Verhalten und reagiert nicht auf ein Unterlassungskommando, könne man ganz sanft über die Leine einen Impuls geben. „Schaut der Hund zum Besitzer und kommt im Idealfall sogar zurück, wird gelobt, gestreichelt und belohnt“, sagt Gerd Fels. (dpa)