merken
PLUS Döbeln

Halten die Döbelner die Maskenpflicht ein?

Im Altkreis sind die meisten Menschen diszipliniert und tragen den Mund-Nasen-Schutz. In manchen Geschäften werden die Kunden aber auch aggressiv.

Ohne Maske dürfen Kunden keinen Laden betreten. Aber daran halten sich nicht alle.
Ohne Maske dürfen Kunden keinen Laden betreten. Aber daran halten sich nicht alle. © Norbert Millauer

Region Döbeln. Sie werden in der Hand getragen, verschwinden in der Tasche und manch einer hat gar keine mehr dabei: der Mund-Nase-Schutz. Sächsische.de hat sich im Altkreis Döbeln umgehört, wie die Pflicht zum Tragen des Schutzes in der Region eingehalten wird und wo es Probleme gibt.

In den vergangenen Wochen gab es in Mittelsachsen und Döbeln kaum noch polizeiliche Einsätze mit Corona-Bezug, erklärt Jana Ulbricht, Pressesprecherin der Polizeidirektion Chemnitz. Hintergrund seien auch die in der Zwischenzeit deutlich gelockerten Vorschriften.

Anzeige
ENERGIETREFF in Großenhain öffnet
ENERGIETREFF in Großenhain öffnet

Persönliche Beratung rund um Energie und Telekommunikation: Das bietet die erste Servicefiliale der ENSO AG. Am 24. September wird die Eröffnung gefeiert.

Die letzte Anzeige wegen eines Verstoßes gegen die Corona-Schutzverordnung im Bereich Döbeln habe es im Mai gegeben. „Damals hatte ein Mann die Abstandsregel nicht eingehalten und auch keine Alltagsmaske getragen. Eine entsprechende Ordnungswidrigkeitsanzeige wurde gefertigt“, erklärt die Pressesprecherin.

Polizei unterstützt bei Durchsetzung der Maskenpflicht

Zudem wurde die Polizei im Juli zweimal in die Region Döbeln gerufen. Am 1. Juli trug der Kunde eines Geschäftes keine Alltagsmaske und wurde durch den Betreiber zum Gehen aufgefordert. Dem kam der Mann zunächst nicht nach, sodass die Beamten gerufen wurden. Der Mann hatte sich dann jedoch vor deren Eintreffen entfernt.

Ähnlich gelagert war ein Einsatz am 31. Juli. Der Kunde eines Ladens trug keine Alltagsmaske und kam auch der Aufforderung, das Geschäft zu verlassen, nicht nach. Die Beamten trafen den Kunden noch vor Ort an und unterstützen den Geschäftsinhaber bei der Durchsetzung des Hausrechtes.

Mit Plakaten und Piktogrammen werden die Fahrgäste von Regiobus in den Fahrzeugen auf die Pflicht, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, hingewiesen. „Im Großen und Ganzen wird das auch eingehalten“, sagt Henning Schmidt, Fachbereichsleiter Verkehr. Und, wenn der Fahrer die Einsteigenden darauf aufmerksam mache, dass sie den Mundschutz tragen müssen, werde das in der Regel auch befolgt.

Manchmal gebe es aber auch verbale Auseinandersetzungen und nach der Fahrt würden sich Fahrgäste über andere Fahrgäste beschweren. „Aber während der Fahrt ist es für den Busfahrer schwierig, im Blick zu behalten, ob jemand die Maske herunterzieht oder abnimmt“, so Schmidt. In einem solchen Fall müsste der Bus anhalten und die Polizei informiert werden. Das sei aber noch nicht vorgekommen.

Am meisten Einsicht zeigten die Grundschüler. „Sie passen gegenseitig auf sich auf und ermahnen diejenigen, die keinen Mundschutz tragen“, erklärt der Fachbereichsleiter.

Einsichtigkeit in Bibliothek, Kino und Verwaltung

In der Stadtbibliothek Döbeln gebe es ganz selten Diskussionen um den Mund-Nase-Schutz. „Die Leute sind sehr einsichtig, auch die Kinder“, sagt Bibliotheksleiterin Kerstin Kleine. Wenn jemand seine Maske vergessen habe, kann eine solche zum Selbstkostenpreis auch in der Bibliothek erworben werden.

Im Foyer, vor der Kasse und in den Sanitärräumen müssen die Zuschauer im Cinema Masken tragen, wenn der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. „Wenn sich die Leute alleine im Foyer aufhalten, können sie die Masken auch absetzen“, erklärt Kinoleiter Niklas Spitzer. Gleiches gilt auch im Saal. Dort besteht keine Maskenpflicht. Darüber seien die Gäste sehr froh. Im Kino sei die Situation entspannt.

Ähnlich stellt sich die Situation in der Stadtverwaltung Waldheim dar. „Die Leute sind sehr vernünftig“, meint Barbara Wesler, Fachbereichsleiterin Haupt- und Finanzverwaltung. 

Im Wartebereich vor dem Bürgerbüro sei die Maske vorgeschrieben. Dies werde auch von den Bürgern auch toleriert. Die anderen Abteilungen, für die keine Maskenpflicht besteht, können nur mit Termin aufgesucht werden, „um einen unkontrollierten Besucherstrom zu verhindern.“ Dabei werde je nach Situation und Abstandsmöglichkeit entschieden, ob eine Maske zu tragen ist oder nicht.

Corona-Schutz: "Die Kunden sind leichtsinnig geworden"

Vor oder an allen Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften weisen Schilder auf das verpflichtende Tragen eines Mund-Nase-Schutzes hin. Damit machen die Inhaber und Geschäftsführer ganz unterschiedliche Erfahrungen.

„Zu 99,9 Prozent sind die Kunden echt vernünftig“, sagt Sven Flößner, Geschäftsführer des Döbelner Marktkauf. Bisher habe es nur zweimal eine kritische Situation gegeben. „Die Kunden habe ich dann davon überzeugt, dass es besser ist, den Laden nicht zu betreten“, so Flößner. Und habe wirklich mal jemand seinen Mundschutz vergessen, gebe es solche an der Information zu kaufen.

Ganz anders sieht es bei Edeka in Döbeln aus. „Die Kunden sind leichtsinnig geworden. Sie betreten den Markt ganz selbstverständlich ohne Masken. Deshalb gibt es zunehmend Diskussion“, erzählt eine Mitarbeiterin, die, wie alle ihre Kolleginnen, selbst den ganzen Tag einen Mund-Nase-Schutz trägt. Manche Kunden würden auch aggressiv. 

Sie verwiesen auf andere Märkte, in denen es keinerlei Schutzmaßnahmen mehr gäbe oder erklärten, sie seien von der Maskenpflicht befreit, weigern sich aber ein entsprechendes Attest vorzulegen.

Gesundheitliche Einschränkungen sieht Andrea Bachmann, Inhaberin der Löwen-Apotheke in Roßwein, nicht als Grund, keine Maske zu tragen. Sie empfiehlt für solche Fälle ein Gesichtsvisier. 

Durch das werde die Atmung nicht behindert. Aber selbst in der Apotheke komme es vor, dass sie ein Kunde ohne Mundschutz betritt. Dann achten die Mitarbeiter darauf, dass kein zweiter Kunde dazukommt. Masken seien jetzt in allen Schutzklassen ausreichend vorrätig.

Weiterführende Artikel

Dulig für Masken-Empfehlung statt Pflicht

Dulig für Masken-Empfehlung statt Pflicht

Sachsens Wirtschaftsminister spricht im CoronaCast über die Lage der Wirtschaft, erklärt die Hilfsprogramme des Freistaats und seine Position zur Maskenpflicht.

Die Durchsetzung der Maskenpflicht obliegt immer dem Betreiber oder Inhaber eines Geschäftes. Mathias Morgenstern, Geschäftsführer von Euronics in Döbeln, hält die Kunden für verantwortungsbewusst. Die Mitarbeiter weisen die Kunden zwar darauf hin. „Ich zwinge aber niemanden, eine Maske zu tragen. Das muss jeder für sich entscheiden“, sagt er.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln