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Hambi als Poliklinik

Die größten Hürden sind beseitigt, sagt der Eigentümer des Hamburger Hofs. Gibt es diesmal wirklich Hoffnung?

Kommt jetzt doch noch Bewegung in die Sache? Nach 27 Jahren Leerstand soll hier am Hamburger Hof ein medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Dafür hat der Immobilieninvestor auch drei Häuser in der angrenzenden Bauhausstraße gekauft.
Kommt jetzt doch noch Bewegung in die Sache? Nach 27 Jahren Leerstand soll hier am Hamburger Hof ein medizinisches Versorgungszentrum entstehen. Dafür hat der Immobilieninvestor auch drei Häuser in der angrenzenden Bauhausstraße gekauft. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es ist die lange Leidensgeschichte eines Gebäudes, das einst den Glanz der Stadt verkörperte wie kaum etwas anderes. Seit 1991 steht er leer, der Hamburger Hof. Jeden weiteren Monat, der ins Land zieht, sieht man ihm an, die Fassaden bröckeln, der Schriftzug ist längst abgewetzt.

 Fünf Jahre ist es her, da wurde das ehemalige Hotel für 75 000 Euro zwangsversteigert, den Zuschlag erhielt die niedersächsische Immobilieninvestor WI, die deutschlandweit Häuser aufkauft, saniert und schließlich besonders häufig als Seniorenanlage weiterverkauft.

Stars im Strampler aus Meißen
Stars im Strampler aus Meißen

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Diesen Plan hatte das Unternehmen ursprünglich auch für den „Hambi“, wie das Gebäude an der Dresdner Straße von vielen Meißnern liebevoll genannt wird. Doch dann passierte lange nichts. 

„Der Plan mit dem Pflegeheim ist am Denkmalschutz gescheitert. Wir hätten da Böden einziehen und viele kleine Zimmer mit extra Sanitäranlagen errichten müssen, das war nicht möglich.

 Danach hatten wir einfach kein sinnvolles Nutzungskonzept“, erklärt WI-Geschäftsführer Werner Ströer. Vorwürfe, seine Firma würde Immobilien günstig kaufen und sich dann nur halbherzig um Objekte kümmern, möchte Ströer so aber nicht stehen lassen.

„Wir sind in viele Projekte involviert, darunter auch eine große Menge, die bereits erfolgreich abgeschlossen sind“, sagt der 63-Jährige. Auch im niedersächsischen Gifhorn, wo die WI zuletzt ein altes Klinikgelände aufgekauft hatte, gehen seinen Ausführungen zufolge nun die Arbeiten weiter, 200 Privatwohnungen sollen entstehen. 

Anders in Meißen, wo sich der Investor lange schwertat. „Wir haben wirklich alles durchgeprüft“, beteuert Ströer. „Studentenappartements, Pflegeheim, Gewerbe, jede Möglichkeit war dabei.“

Doch die statischen Gegebenheiten in Verbindung mit den hohen Anforderungen des Denkmalschutzes hätten die Pläne immer wieder durchkreuzt und als Bremse gewirkt. Bereits zweimal, 2016 und 2017, standen Fördermittel für den Hamburger Hof in Aussicht, beides zusammen insgesamt eine Million Euro. 

Doch dieses Geld wollten Ströer und seine Kollegen nicht. „Wir verzichten bei diesem Projekt bewusst auf Fördermittel. Sie sind von der Höhe letztlich zu unbedeutend und bringen zu viele Verpflichtungen mit sich“, erklärt Ströer. Bereits jetzt habe die WI eine sechsstellige Summe allein in Sicherungsmaßnahmen investiert.

Obwohl das Gebäude nach Sturm Friederike sogar einsturzgefährdet war und die Stadt eine Notsicherung am Dach vornehmen musste, sei der Hambi jedoch noch lange nicht verloren, so Ströer. Und überrascht mit Neuigkeiten.

 Die WI habe einen regionalen Partner gefunden, der ein medizinisches Versorgungszentrum im Hamburger Hof errichten möchte. „Das würde die ersten beiden Etagen betreffen, oben können wir uns gut betreutes Wohnen vorstellen“, sagt der 63-Jährige.

 Ein Meißner Architekturbüro, dessen Namen er noch nicht nennen möchte, entwickele gerade die Entwürfe fertig, spätestens Mitte Mai sollen die Gespräche mit der Stadt beginnen. „Dann sind wir einen wichtigen Schritt weiter“, sagt Ströer.

 Ganz jung scheint die Idee, ein MVZ zu errichten, nicht zu sein, denn bereits 2018 hat die WI nach Aussagen von Geschäftsführer Ströer und Prokurist Mause die Objekte 2, 4 und 6 an der Brauhausstraße, sprich das Areal hinter dem Hamburger Hof, gekauft.

Erst vor Kurzem haben die Elblandkliniken im Ärztehaus in der Nummer 12 eine Gemeinschaftspraxis in ihr Versorgungsnetz aufgenommen. Ob sie auch der neue Partner der WI sind, möchte Ströer weder dementieren noch bestätigen. Der Investor verfüge mittlerweile über ein gutes Netzwerk in der Stadt, auch mit der Verwaltung sei die Kooperation wunderbar.

Der Eigentümer stehe in Kontakt mit dem Bauaufsichtsamt, bestätigt Michael Eckardt von der Pressestelle der Stadt Meißen. Die WI sei auch ihrer Verpflichtung zur Dachsicherung nachgekommen, wenn auch erst nach einiger Zeit, was unter andrem daran liege, dass das Unternehmen in Niedersachsen sitzt. 

Ob am Hambi nun wirklich mehr passiert als das Notwendige, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

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