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Harte Arbeit bei bester Stimmung

Gestern hat das Parkseminar im Zabeltitzer Barockgarten begonnen. Bis Sonntag wird hier fleißig geackert.

Von Susanne Plecher

Kai Haberland schiebt mit seinem Spaten Gras und Laub zur Seite, um einen Hainbuchensämling freizulegen. Um das Minibäumchen geht es ihm. Er soll demnächst in einer Hecke am Boskett der Flora wachsen, dort, wo justament Kanten zur Verbreiterung des Weges gestochen werden. Mit kräftigen Tritten wuchtet Haberland den Spaten in den Waldboden am „Aha“. Keine Minute später ist der Sämling ausgegraben. Haberland ist am Donnerstag aus Hamburg angereist. Er ist einer von etwa 160 freiwilligen Helfern des Parkseminars des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz e.V., das noch bis Sonntag im Barockgaren Zabeltitz stattfindet.

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„Die Arbeit macht Spaß“, sagt er, und: „Das Spannendste ist, welche Menschen man trifft.“ Deshalb ist er schon das vierte Mal bei einem Parkseminar dabei. Haberland gibt zusammen mit seiner Frau im Zweimonatsrhythmus eine Garten- und Pflanzenzeitung heraus. „Grüner Anzeiger“ heißt die. Hätten sie die Zeitung nicht, wäre der Kontakt zu Rudolf Schröder wohl nicht zustande gekommen. Der Gartenbauingenieur hat 1979 das erste Seminar dieser Art initiiert und ist noch heute, als 80-Jähriger, federführend dabei. „Das Parkseminar ist eine Erfindung der Sachsen“, weiß Haberland. Auch in Hamburg hat es gelegentlich ähnliche Subbotniks in öffentlichen Gärten gegeben, aber bei Weitem nicht so regelmäßig und so gut organisiert. „Das ist schon außergewöhnlich“, meint er und wuchtet den Spaten wieder in den Boden. Die Hecke an der Flora braucht viele Hainbuchenwinzlinge. Derweil biegt seine Frau, Ann-Christin Neugebauer, mit einer Schubkarre am Flaschenbassin ab. Sie hat den Transfer der Pflanzen übernommen. „Ich finde die Idee so großartig, dass ich sie unterstützen möchte“, sagt sie und schiebt sich die Pudelmütze aus der Stirn.

Das sehen ganz viele Menschen genau so wie sie. Sie kommen aus Dresden, Radebeul und Leipzig, einige sind aus Pirna und dem vogtländischen Auerbach angereist. Natürlich greifen auch viele Zabeltitzer zu Harke und Spitzhacke. An neun Punkten im Barockgarten kürzen die Parkfreunde Hecken ein, säubern den Boden, stechen Wegkanten ab, pflanzen Bäume und sägen andere um. Hauptaugenmerk liegt auf der Klärung der beiden Sichtachsen, die im Laufe der Jahre zugewachsen sind. Am „Aha“, wo die Haberlands und viele andere arbeiten, roden schon seit den frühen Morgenstunden Bagger des Stadtbauhofs Wurzeln. „Wenn wir damit fertig sind, wird mit einem Böschungslöffel planiert und danach angesät“, weiß Kerstin Mai. Die Bauhofchefin leitet die Gruppe an. Ist ihre Arbeit getan, kann man von der Palaisterrasse aus wieder in die Ferne blicken, durch den Auwald der Röder weit in die Landschaft hinein. Gleiches soll auch links vom Palais aus möglich sein. Hier machen einige Männer gerade Pause, erholen sich von der schweren Arbeit. Rüdiger Anlauf aus Walda ist einer von ihnen. 45 Jahre hat er im Forst gearbeitet, heute ist er freiwillig da. An der Motorsäge macht dem Profi so schnell keiner etwas vor. Viele Schwarzerlen hat seine Arbeitsgruppe schon gefällt, aber vor den Männern liegt noch ein gutes Stück Arbeit. Etwa ein Drittel der rotmarkierten Bäume liegt auf dem Boden, die anderen müssen auch noch fallen, damit der Blick zur Kuhwiese wieder frei wird. Dort grasen in aller Seelenruhe schottische Hochlandrinder. Sie stören sich weder am Krach der Motorsägen noch am Qualm, den die Feuer verbreiten.

Alles, was nicht mehr verwertet werden kann, wird unter der Aufsicht von Feuerwehrleuten verbrannt: Schiefe Äste und sperrige Heckenteile, die nicht durch den Schredder passen, zum Beispiel. „Brauchbares Holz verkaufen wir unter anderem an Kronospan oder geben das, was noch übrig ist, später als Brennholz ab“, so Stadtgrünchef Matthias Schmieder. Der Erlös komme direkt dem Park zugute. Während er das sagt, ist der Querweg zur Flora Geschichte. Harald Börner kannte ihn, solange er denken kann. „Als Kinder haben wir ihn immer als Abkürzung benutzt, wenn wir Schlittschuh fahren wollten, aber historisch ist er nicht belegt“, sagt der Zabeltitzer Rentner. Nun harkt er mit einem Rechen das aufgebrochene Erdreich glatt. „Da kommt noch eine Schicht Mutterboden drauf, dann wird planiert und die Grasnarbe vom Flora-Rondell eingesetzt“, sagt er. Dort schuftet sich das Ehepaar Seidel aus Radebeul an den Wegkanten ab. Als 1997 der Hohenhauspark Einsatzort des Parkseminars war, nahmen sie zum ersten Mal teil. Nun sind sie emsige Mitglieder des Landesverbandes Sächsischer Heimatschutz, in der Botanikergruppe arbeiten sie auch mit. „Ich finde es faszinierend, wie viele Menschen zusammenkommen. Und alle haben das gleiche Ziel“, sagt Gudrun Seidel und weist auf den 12-jährigen Valentin aus Leipzig. „Der ackert unglaublich“, sagt sie anerkennend.

Das gilt auch für die Damen im Versorgungstrakt. Im Akkord bestücken sie die sechs Kaffeemaschinen, 26 Kannen sind zu kochen. „Mit viel Liebe“, sagt Erika Däweritz. „Als Zabeltitzerin bin ich stolz und dankbar, dass so viele mitarbeiten.“ Den Kuchen haben die Bäcker Haase, Tobollik und Raddatz gesponsort. Eine Geldspende kommt vom EZG.

Heute Abend gibt es ab 19 Uhr im Großen Palaissaal drei Vorträge, zu denen alle Interessierten geladen sind. Sprechen werden Rudolf Schröder zu Rekordgehölzen in Sachsen, Thomas Kramp und Friedheim Richter über Naturschutzfragen im Umfeld des Barockgartens und Frithjof Pitzschel über den Hochheckenschnitt in Großsedlitz.