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Hat der Bürgermeister genug Rückhalt?

Die Absetzung von Matthias Rudolf ist gescheitert. Trotzdem könnte er schon nächstes Jahr abgelöst werden.

Von Carina Brestrich

Für Matthias Rudolf dürften es bange Minuten gewesen sein: Wortwörtlich viel Spaß wünschte der Beiersdorfer Bürgermeister (parteilos) den Gemeinderäten, bevor die in der jüngsten Sitzung über seine Zukunft als Gemeindeoberhaupt beschlossen. In einer geheimen Abstimmung entschieden die zehn Räte, ob ein Abwahlverfahren gegen Rudolf eingeleitet wird. Im Vorfeld hatte sich ein Teil von ihnen dafür ausgesprochen und die Abstimmung auf die Tagesordnung gebracht. Am Ende hatte Matthias Rudolf Glück: Von mindestens acht nötigen Gemeinderäten stimmten nur sechs für ein solches Verfahren. Doch obwohl damit eine Abwahl vorerst vom Tisch ist – das Vertrauensverhältnis zwischen Bürgermeister und Gemeinderäten dürfte gestört sein. Wie also soll die Zusammenarbeit künftig aussehen?

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Matthias Rudolf hält sich derzeit mit Aussagen zurück. Er sei froh über das Ergebnis der Abstimmung, möchte es dabei aber vorerst belassen. Nur so viel war auf SZ-Nachfrage von ihm zu erfahren: Man habe sich noch im nicht-öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung über die Probleme ausgesprochen. „Wir wollen wieder miteinander arbeiten, nicht gegeneinander“, sagt Matthias Rudolf.

Was genau für Probleme die Gemeinderäte mit dem seit 1990 amtierenden Bürgermeister haben, darüber ist auch nach der Abstimmung von den Räten nichts zu erfahren. Schon im Vorfeld wollten sie die Gründe für den Wunsch nach einem Abwahlverfahren nicht genau benennen. Aus rechtlichen Gründen, hieß es damals. Sie seien mit der Amtsführung des Bürgermeisters nicht zufrieden, lautet nach wie vor die allgemeine Begründung. Der habe nach SZ-Informationen in der nicht-öffentlichen Sitzung Besserung versprochen, sehe also durchaus Fehler in seiner Arbeit.

Den Gemeinderäten, die sich einen Bürgermeisterwechsel wünschen, geht das aber offenbar nicht weit genug. Nach SZ-Informationen seien sie verärgert über den knappen Ausgang der Abstimmung. Angeblich habe sich das Ergebnis zuvor unter den Räten anders abgezeichnet. Auch hätten einige die Hoffnung gehabt, dass Rudolf unter dem aktuellen Druck von allein zurücktritt. Stattdessen setze man nun auf einen Chefposten-Wechsel bei den Bürgermeister-Wahlen im kommenden Jahr. Bis dahin werde man weiterhin die Arbeit des Bürgermeisters kritisch hinterfragen.

Gelernt aber haben die Gemeinderäte wohl auch für ihre eigene Arbeit. So werden sie bei künftigen Abstimmungen besser darauf achten, wer befangen sein könnte, etwa wenn es um die Vergabe von Bauaufträgen geht, heißt es aus den Reihen der Gemeinderäte. Zudem wolle man wieder einen Ausschuss bilden, um Beschlüsse besser vorbereiten zu können. Schließlich seien die Gemeinderäte nicht nur zum Abwinken von Entscheidungen da. Man lasse sich auf keine Deals ein, ist zu erfahren.

Nicht immer aber werden alle Lösungen möglich sein, die die Gemeinderäte wollen. Das zumindest sagt Harald Kircher. Er ist Mitglied der Wählergemeinschaft „Neues Forum“, der auch alle Beiersdorfer Gemeinderäte angehören. 20 Jahre lang hat Kircher im Gemeinderat gesessen. Dass es jetzt fast zum Eklat gekommen wäre, bestürzt ihn. „Diese Stimmung ist nicht förderlich für Beiersdorf“, sagt der Ruheständler. Vielmehr müsse man eine sachliche Bilanz der letzten 20 Jahre ziehen, in denen unter Matthias Rudolf viel geschafft wurde.

Die Probleme in der Zusammenarbeit sind seiner Meinung nach erst in der zurückliegenden Legislaturperiode des Gemeinderates entstanden und unter anderem durch den Wechsel in der Zusammensetzung des Rates begründet. „Alles wird infrage gestellt. Ständig gibt es den Verdacht, der Bürgermeister würde zu Gunsten persönlicher Vorteile handeln.“

Dass das nicht so ist, davon ist Kircher überzeugt. „Seit Beiersdorf von Oppach aus verwaltet wird, sitzt der Bürgermeister hin und wieder zwischen den Stühlen. Aber ich denke, es konnte immer eine Lösung im Sinne unseres Dorfes gefunden werden.“ Wer das anders sieht, der könne zur Wahl im kommenden Jahr einen anderen Kandidaten vorschlagen, meint Kircher. Ob Matthias Rudolf selbst wieder für das Amt des Bürgermeisters antritt, ist derzeit allerdings unklar.Kommentar