SZ +
Merken

"Hausärzte-Notstand in Zittau ist behoben"

Ärzte-Sprecher Dr. Gottfried Hanzl sagt, wie das Problem gelöst wurde und warum es in Löbau hapert.

Von Thomas Mielke
 3 Min.
Teilen
Folgen
Dr. Gottfried Hanzl
Dr. Gottfried Hanzl © Archivfoto: Matthias Weber

Dr. Hanzl, hat Ihre Idee zum Beenden des Hausärzte-Notstandes funktioniert? Sie wollten vor einem Jahr jungen Ärzten, die am Klinikum Oberlausitzer Bergland ausgebildet wurden, aber keine Facharztstelle in Ebersbach oder Zittau bekommen, eine Perspektive vor Ort bieten. Sie sollten eine Hausarztpraxis übernehmen oder angestellt werden.

Ja. Wir haben vakante Stellen mit mehr als zehn dieser Ärzte besetzen können, so dass inzwischen eine gute Versorgung der Patienten gewährleistet ist. Die Zahl ist sogar noch größer als wir von einem Jahr gehofft haben. Die jungen Ärzte haben entweder eine Praxis übernommen oder sind in einer vorhandenen angestellt worden.

Welche Praxen waren das?

Die Gemeinschaftspraxis Kuttner in Zittau ist von zwei Ärztinnen übernommen worden genau wie die vom Ärzteehepaar Beck in Zittau. Dr. Buhl in Großschönau hat seine Tochter angestellt, sucht aber noch eine zweite Ärztin oder einen zweiten Arzt. Frau Scholz in Zittau hat eine Ausbildungsassistentin, eine Fachärztin für Hirschfelde und ich ein Ärzteehepaar für meine Oderwitzer Praxis angestellt. Auch Herr Nowotny in Zittau und Herr Fritsche in Jonsdorf beschäftigen jetzt Kollegen. Frau Dr. Varga hat in ihrem Medizinischen Versorgungszentrum zwei Ärztinnen für Großschönau und Seifhennersdorf angestellt. Somit können wir ganz leise sagen: Uns geht es nicht schlecht. Dazu kommen noch die Übergabe der Facharztpraxis für Neurologie und Psychatrie von Frau Dr. Lautenschläger in Zittau, der chirurgischen von Herrn Dr. Schwuchow in Zittau und der für Frauenheilkunde von Frau Dr. Friedrich in Großschönau an Nachfolger.

Wie viele von den neuen Ärzten sind Polen, Tschechen und Deutsche?

90 Prozent sind Tschechen und zehn Prozent Deutsche. Polen sind nicht dabei. Sie arbeiten lieber in Görlitz. Die tschechischen Ärzte sind übrigens beim Studium in ihrem Heimatland und während der Assistenzarzt-Zeit am Klinikum Oberlausitzer Bergland hervorragend ausgebildet worden. Sie brauchten für die Arbeit als Hausärzte nicht einmal Anpassungslehrgänge. Zumal sie einen sehr guten Zugang zu Patienten haben, trotz ihrer manchmal noch akzentuierten Aussprache.

Kommen die neuen Hausärzte alle aus den Krankenhäusern in Ebersbach und Zittau?

Ja.

Könnte das auch in Zukunft so weitergehen?

Ja, allerdings gibt es derzeit im Raum Zittau wenig Bedarf.

Wie viele Hausärzte gibt es denn derzeit in Zittau?

Es gibt in und um Zittau 31 niedergelassene Haus- und 23 Fachärzte.

Und wie viele davon gehen demnächst in Rente?

Etwa 30 Prozent in den nächsten fünf Jahren.

Könnten die Lücken, die sie hinterlassen, ebenfalls mit jungen Ärzten aus dem Klinikum geschlossen werden?

Ja, so sieht es aus.

Heißt das, dass der Hausärzte-Notstand im Raum Zittau behoben ist?

Ja, das könnte man so sagen.

Und wie sieht es im Löbauer Raum aus?

Nicht so günstig wie im Zittauer Raum. Abgesehen vom Oberland ist die tschechische Grenze zu weit weg, auch wenn die meisten der in und um Zittau arbeitenden tschechischen Ärztinnen und Ärzte inzwischen in der Oberlausitz wohnen.

Und wie ist die Lage bei den Fachärzten?

Schlecht. Besonders was den Bereich "Haut" angeht, haben wir Defizite, allerdings im gesamten Landkreis Görlitz. Auf lange Sicht zeichnen sich auch Probleme bei der augenärztlichen Versorgung und der mit Neurologen und Psychiatern ab. Dabei können wir nicht auf tschechische Hilfe hoffen, da es dort ein anderes ambulantes System gibt.

Mehr zum Thema (SZ Plus):

Diese Ärzte haben eine Praxis übernommen

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/zittau

www.sächsische.de/loebau