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Havlat bleibt in Familienhand

Der Seniorchef hat die Nachfolge geregelt und investiert mit den Kindern 13,5 Millionen Euro in die Großschönauer Präzisionstechnikfirma.

© PR/Havlat Präzisionstechnik GmbH

Von Thomas Mielke

Großschönau. Rund 70 Millionen Euro hat Konrad Havlat seit der Firmengründung 1980 in seine Firma investiert. Begonnen hat er als Einmannbetrieb in der heimischen Garage in Großschönau. Kurz nach der Wende stellt er die ersten Mitarbeiter an, beginnt mit der Ausbildung von Lehrlingen und spezialisiert sich auf den Maschinenbau mit CNC-Geräten. Die Firma wächst, braucht Platz und zieht in eine ehemalige Großschönauer Weberei um, heißt es in der Firmenchronik. Um die Jahrtausendwende wird aus dem Handwerks- ein Industriebetrieb mit fast 90 Mitarbeitern, der sich als zusätzliches Standbein die Energietechnik und die Turbinenschaufelfertigung erschließt. Dann wird der Platz wieder knapp. Die Havlat Präzisionstechnik GmbH zieht nach Zittau ins Gewerbegebiet an der Gerhart-Hauptmann-Straße und baut sich einen neuen Produktionsstandort mit 13 000 Quadratmetern Fläche, an dem nun auch sehr große Werkstücke bearbeitet werden können. Zeitweise arbeiten mehr als 300 Menschen in dem Betrieb.

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Inzwischen ist Konrad Havlat über 60 Jahre alt und hat seine Nachfolge geregelt. „Das Unternehmen ist in Familienhand und bleibt in Familienhand“, sagt David Havlat. Und in der Heimat. Der 27-jährige Sohn arbeitet sich nach dem Maschinenbaustudium derzeit unter anderem in die Buchhaltung ein und auf die Führungsaufgabe vor. Dort sind auch Konrad Havlats Frau Gitta, die schon viele Jahre über die Bücher wacht, und seine Tochter Romy tätig. Schwiegersohn Lars Friedrich, der seit 1999 dem Betrieb angehört, ist seit reichlich zwei Jahren zweiter Geschäftsführer der Firma. Konrad Havlat hat sich aus dem Tagesgeschäft weitgehend zurückgezogen, kümmert sich vor allem um strategische Fragen und berät die Nachfolger. „Das gibt uns die Chance, uns zu beweisen“, sagt David Havlat. Insgesamt verantwortlich für die Firma zeichnen laut Impressum der Internetseite nun Konrad, Gitta, David Havlat und Lars Friedrich.

Parallel zur Neuaufstellung der Firmenspitze will der Betrieb kräftig investieren. In den nächsten zwei Jahren sollen 13,5 Millionen Euro in den Zittauer Standort fließen. Dafür werden vor allem neue, moderne Maschinen gekauft. Am vergangenen Freitag ist der Fördermittelbescheid eingegangen. Die erste Maschine soll in einigen Wochen geliefert werden. Damit soll das hochpräzise Schleifen, Drehen und Fräsen für Auftraggeber in ganz Europa noch effizienter und so am Standort Zittau zukunftssicher werden. Ein großes Thema dabei ist „Industrie 4.0“, mit dem sich Havlat bereits seit 2008 beschäftigt. Die Maschinen sollen mit der Buchhaltung und anderen Abteilungen kommunizieren, um die Produktionsabläufe zu verbessern. Schließlich hat der Betrieb aktuell rund 2 500 Fertigungsaufträge mit 15 000 Arbeitsgängen. Zudem will die Firma in Maschinen, die Metall dreidimensional drucken können, investieren, sich einarbeiten und in diesem Bereich neue Kunden gewinnen, wie Geschäftsführer Lars Friedrich erklärt. Eine neue Halle muss die Firma dafür nicht bauen. Der Platz an der Gerhart-Hauptmann-Straße reicht noch.

Da die Tilgungen und Abschreibungen für die hohen Investitionen der letzten Jahrzehnte nun ein normales Niveau erreicht haben, investiert Havlat nicht nur in den Maschinenpark, sondern auch in die aktuell 237 Mitarbeiter. „Wir wollen eine möglichst große Zufriedenheit erreichen“, sagt Lars Friedrich. Das Ziel: Mitarbeiter binden, motivieren und anhalten, selber zur Verbesserung ihres Arbeitsplatzes beizutragen. Und attraktiv für neue Fachkräfte zu sein. Havlat hat ständig Bedarf, obwohl die Firma 90 Prozent ihrer Azubis übernimmt und die Fluktuation im Gegensatz zu früher geringer geworden ist. Für die Lehrlingsausbildung ist Havlat von der Zeitschrift Focus Money erst in diesem Jahr als einer der besten Ausbildungsbetriebe Deutschlands geadelt worden.

Zum Mitarbeiteranreiz und -bindungsprogramm gehört zum Beispiel, dass der Urlaub der gesamten Belegschaft schrittweise von 24 auf 28 Tage pro Jahr angehoben wurde. Seit Jahresanfang bekommen die Beschäftigten beim Erreichen der Vorgaben Tankgutscheine, wie diese auf SZ-Anfrage bestätigten. Ab Juli soll es zudem Prämien geben, kündigt David Havlat an. Mit einer Krankenkasse arbeitet die Firma beim Gesundheitsmanagement zusammen, den Produktionsmitarbeitern werden die Arbeitssachen gewaschen, Fahrradnutzer bekommen Firmen-Trikots ...