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Heimspiel für Tochter des Görlitzer Theaterretters

Ariane Ludwig war vorige Woche im Theater zu Gast, um ihr Buch vorzustellen. In dem Haus, das ihrem Vater so viel verdankt.

Von Ines Eifler

Sie sei in der Oper, hinter der Bühne, in der Maske aufgewachsen, sagt Ariane Ludwig beinah schwärmerisch. Ohne diese starke emotionale und autobiografische Bindung ans Theater, mit einem Vater als Regisseur und einer Mutter als Maskenbildnerin, hätte sie wohl keine Dissertation über „Opernhäuser in der Literatur“ geschrieben.

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Doch das tat sie sieben Jahre lang. Vorige Woche stellte sie Auszüge daraus im Foyercafé des Theaters vor. Genau da, wo ihr Vater Anfang der 90er eine Weile Hausherr war. Denn Ariane Ludwig ist die 37-jährige Tochter von Wolf-Dieter Ludwig, der nach der Wende Intendant des Görlitzer Theaters wurde und sich so dafür engagierte, dass Gastgeberin Renate Winkler vom Theater- und Musikverein sagt, ohne ihn würde es das Theater heute so nicht geben. „Ja, mein Vater hatte immer kreative und ungewöhnliche Ideen, Dinge anzugehen“, sagt Ariane Ludwig.

Zum Beispiel fällt ihr ein, dass er einmal, als kein Geld für das Theater da war, sagte: „Dann fahre ich eben jetzt selbst nach Bonn und bringe das Geld im Koffer mit.“ Und sie lacht, als Renate Winkler daran erinnert, dass Ludwig am Tag vor jeder Premiere durch Görlitz ging und jedem, den er traf, die Hand schüttelte, mit den Worten: „Nicht wahr, wir sehen uns dann morgen im Theater.“

Seine Tochter hat ein etwas anderes und doch verwandtes Feld betreten. Sie wurde Literaturwissenschaftlerin, ist heute im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar tätig und hat sich so intensiv wie kaum jemand anderes mit der Rolle von Opernhäusern in der Literatur beschäftigt. Hat erforscht, dass sie, wie bei Balzac, so weit als Ort gesellschaftlicher Begegnung inszeniert werden können, dass das aufgeführte Werk gar nicht mehr erwähnt wird. Dass Operngebäude selbst zur Hauptfigur werden können wie in Guy de Maupassants „Stark wie der Tod“. Und dass sie beliebt sind als Orte von Morden, Katastrophen und geheimnisvollen Vorgängen. Etwa im „Phantom der Oper“ oder später bei Donna Leon. Das kleine Görlitzer Opernhaus habe sie leider in keinem einzigen Werk finden können, sagt Ariane Ludwig. Aber die persönliche Beziehung ist da. Im Görlitzer Theater werden Erinnerungen an ihren Vater wach, mit dem sie viele Premieren gemeinsam sah. Und sie mag Görlitz. „Als ich die Stadt kennenlernte, lag sie noch im Dornröschenschlaf“, sagt sie. „Aber heute habe ich schon lange vor, hier mal einen Urlaub mit Freunden zu verbringen.“