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Helene hat den Bogen raus

Die Sechsjährige entlockt der Geige die ersten Töne – beim Schnuppertag in der Kreismusikschule in Weißwasser.

Helene und die Geige. Kaum zu glauben, dass die Sechsjährige ein solches Instrument zum ersten Mal in der Hand hat. Daniel Wohlgemuth hat ihr Interesse geweckt.
Helene und die Geige. Kaum zu glauben, dass die Sechsjährige ein solches Instrument zum ersten Mal in der Hand hat. Daniel Wohlgemuth hat ihr Interesse geweckt. © Constanze Knappe

Es sieht beinahe professionell aus, wie Helene die Geige hält. Sorgsam streicht das Kind mit dem Bogen über die Saiten. Mit etwas Führung durch Daniel Wohlgemuth kann die Sechsjährige dem Instrument durchaus wohlklingende Töne entlocken. Sie habe sich ja auch schon am Cello probiert, sagt ihre Mutti Christiane Böhm. Das aber, so erklärt der Musiklehrer, sei zwar auch ein Streichinstrument, aber dennoch etwas ganz anderes.

In der Kreismusikschule Dreiländereck in Weißwasser hat Helene das Instrumentenkarussell mitgemacht – einen Kurs, in dem Vorschulkinder verschiedenste Instrumente kennenlernen. Die Geige war nicht dabei. Und so gilt die Aufmerksamkeit von Familie Böhm am Montag gerade diesem Instrument. „Wir sind noch auf der Suche, was am besten zu Helene passt“, erzählt ihre Mutti. Die ganze Familie sei musikalisch. Helenes Bruder Anton spielt Klavier und hat mit Schlagzeug angefangen, Schwester Luise spielt wie Mutti Christiane Querflöte, der Vater Gitarre. Die Kinder seien gewissermaßen in die Musik hineingewachsen.

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Offene Türen mit Corona-Schutz

„Die Finger bilden eine Krokodilschnauze“, ist ein lustiger, aber hilfreicher Tipp von Daniel Wohlgemuth, wie man den Geigenbogen am besten anfasst. Hanna aus Schleife geht etwas zaghaft ran. Wenig später stellt sie schüchtern fest, dass die Bogenstange nicht mit einem dicken, sondern vielen ganz dünnen Fäden bespannt ist, die aussehen wie ein Pferdeschwanz. Es ist tatsächlich Rosshaar, wie ihr der Musiklehrer sagt. Mutti Kristin Bork möchte gerne, dass Hanna ein Instrument spielen lernt und deshalb ihre fünfjährige Tochter zum Instrumentenkarussell anmelden. Am Montag hat das Mädchen in der Kreismusikschule Dreiländereck zum ersten Mal in ihrem Leben eine Geige in der Hand.Schon traditionell hatte die Außenstelle Weißwasser am Beginn des neuen Schuljahrs zum Tag der offenen Tür geladen. 

Deutlich ruhiger als sonst geht es zu, das ist sofort zu spüren. „Ein volles Haus wäre schön gewesen“, gibt auch Daniel Wohlgemuth ohne Umschweife zu. Doch, so fügt der stellvertretende Schulleiter sogleich hinzu, auch für die Musikschule gelten nun mal die Corona-Schutzauflagen. Und die seien anders als für „normale“ Schulen. Insofern habe man sich mit der Maßgabe „so wenig Besucher wie möglich“ abgefunden, davon aber nicht entmutigen lassen. Es käme ja schließlich nicht auf die Zahl der Besucher, sondern auf deren Interesse an. Für sein Fachgebiet, die Violine, könne er sich jedenfalls nicht beschweren. „Die, die kamen, waren voll bei der Sache“, resümiert er einen erfolgreichen Nachmittag.

Der hält ein kleines Konzert bereit. Mitwirkende sind Schüler, die ein Instrument spielen und ergänzend im Chor singen. Es sei für Kinder, die schnuppern wollen, immer spannend, nahezu Gleichaltrige zu sehen, die es schon können, weiß der stellvertretende Schulleiter aus Erfahrung. Es erklingen Anfängerstücke, die musikalisch etwas schwer einzuordnen sind, bei denen es um die gute Spielbarkeit geht. Quasi als Rausschmeißer schließen die Lehrer mit dem Jazz-Standard „Smoke“ ab.

Mit Freude ins neue Schuljahr

Seit 2006 steht Daniel Wohlgemuth im Beruf. Einmal die Woche, das heißt jeden Mittwoch, unterrichtet er in Weißwasser. Das habe er schon zu Zeiten des Musikstudiums in Dresden getan. Eine Dozentin der Hochschule gab ihm damals den Tipp, dass eine Stelle ausgeschrieben sei. „Obwohl ich eigentlich gar nicht in die Lausitz wollte, fand ich das verlockend“, sagt er rückblickend. Bis dato kannte er nur die Vorurteile über die Lausitz, beispielsweise über deren verbitterte Menschen. „Das hat sich nie bestätigt“, sagt er jetzt. Der Geigenlehrer hat nicht nur eine berufliche Perspektive in der Oberlausitz gefunden, sondern längst auch privat Wurzeln geschlagen – mit Lebenspartnerin und Kindern in Niesky. „So kann‘s gehen“, fügt er lachend hinzu.

Er freut sich auf das neue Schuljahr. Den Herausforderungen der corona-bedingten Schließzeit passten sich die Musiklehrer der Außenstelle Weißwasser flexibel an – mit Online-Unterricht. Sie seien damit bis zu 90 Prozent ausgelastet gewesen, heißt es von Seiten der Einrichtung. Die stellte dafür die Technik zur Verfügung.

Noch nicht vollends Normalbetrieb

Mit dem ersten Schultag bietet die Kreismusikschule Dreiländereck nun wieder regulären Unterricht an – jedoch noch nicht vollends im Normalbetrieb. „Mit Hoffen und Bangen schauen wir auf die jeweils aktuellste Corona-Schutz-Verordnung“, so Daniel Wohlgemuth. In kleinen Ensembles dürften nicht mehr als fünf Schüler gleichzeitig in einem Raum proben; die großen Ensembles „Mixtura“ oder „Grenzenlos“ dürfen noch gar nicht zusammenspielen. Sie proben bisher lediglich separat in den einzelnen Instrumentengruppen.

In diesem Schuljahr werden in der Außenstelle Weißwasser 181 Musikschüler ausgebildet. Klara aus Klitten ist eins der letzten Kinder, die am Montag kurz vor Schluss die Violine in die Hand nahmen. Ihre Mutti lernt während ihrer Ausbildung Gitarre spielen und kann sich gut vorstellen, dass auch ihre Tochter den Draht zu einem Instrument findet. Ob es die Geige sein wird, bleibt an dem Nachmittag offen. Etwas skeptisch zieht Klara den Bogen über die Saiten. Mit dem Ergebnis ist die Sechsjährige wohl selbst nicht zufrieden, wie ihr Gesichtsausdruck verrät. Daniel Wohlgemuth weiß auch gleich, warum. „Wenn man den Bogen zu langsam zieht, kratzt es“, erklärt er. Deshalb beginnen die Anfänger immer erst einmal mit Zupfen.

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