merken
PLUS

Herr über 1 455 Wohnungen

Bischofswerdas größter Vermieter steht vor großen Herausforderungen. Chef Andreas Wendler ist optimistisch.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Die Wohnungswirtschaft und Bau GmbH Bischofswerda (WuB) besteht 60 Jahre. Die vergangenen 13 Jahre hat Andreas Wendler maßgeblich mitgestaltet, seitdem er die Geschäftsleitung des Unternehmens übernommen hat. Seine Bilanz fällt positiv aus: Er sei stolz darauf, dass das Wohnungswirtschaftsunternehmen – eine 100-prozentige Tochter der Stadt Bischofswerda – finanziell und wirtschaftlich auf soliden Beinen steht, sagte Andreas Wendler in dieser Woche im SZ-Gespräch. „Ich schaue optimistisch in die Zukunft.“

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Schulden werden abgebaut
Als er zum 1. Januar 2005 die Gesellschaft übernahm, hatte die WuB rund 40 Millionen Euro Verbindlichkeiten – sowohl Altschulden aus DDR-Zeit als auch Kredite, die nach der Wende aufgenommen wurden. Inzwischen ist der Schuldenstand auf 27 Millionen Euro gesunken. Das Unternehmen tilgt jährlich rund eine Million Euro. Mittlerweile sind die Rückzahlungen höher als die Zinszahlungen. Was nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychologisch von Bedeutung ist. Eine weitere Million investiert Bischofswerdas größter Vermieter im Jahresdurchschnitt, größtenteils aus eigener Kraft. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die energetische Sanierung von Dach, Fenstern und Fassade am letzten, noch unsanierten Block an der Heinrich-Mann-Straße. Zudem werden jedes Jahr im Gesamtbestand zwischen 20 und 30 Wohnungen innen modernisiert, größtenteils nach Freizug. Neue Kredite nimmt die WuB nur noch sparsam auf. „Wenn, dann achten wir darauf, dass die jährliche Tilgungsrate von Anfang an höher als der Zinssatz ist“, sagt Andreas Wendler.

Fast jede fünfte Wohnung steht leer
1 455 Wohnungen in Bischofswerda und Großdrebnitz sind aktuell im Bestand des städtischen Vermieters. Fast jede fünfte Wohnung – 19 Prozent – steht leer. Damit verbinden sich nicht nur Mietausfälle, sondern auch Kosten, etwa anteilig an Grundsteuer sowie Aufwendungen, um die Wohnungen vermietbar zu halten – in der Summe etwa 1 000 Euro im Jahr pro Wohnung. Bei den zurzeit 286 unvermieteten Wohnungen summiert sich der Verlust auf 286 000 Euro.

Andreas Wendler erwartet, dass dieser Prozess angesichts des Bevölkerungsrückganges in den kommenden Jahren weiter geht. Jährlich rechne er mit einem bis zwei Prozent Zuwachs am Leerstand. „Die demografische Entwicklung bekommen natürlich auch wir zu spüren“, sagt er. Nur die größten Städte im Freistaat verbuchen Zuzug und eine wachsende Nachfrage nach Wohnungen. In kleineren und mittleren Städten ist der Trend entgegengesetzt. Der Abriss von Wohnblocks, wie im Papageienviertel an der Bautzener Straße und am Großdrebnitzer Buchenweg, bringt da nur Entspannung auf Zeit. „Dadurch verringert sich die Leerstandsquote zunächst. Doch in den darauf folgenden Jahren steigt sie aufgrund der Bevölkerungsentwicklung wieder an“, sagt er. Aus diesem Grund wird die WuB in den kommenden Jahren wohl oder übel weitere Blocks abreißen müssen.

Die Stadt Bischofswerda setzt auf Zuzug. Auch durch das geplante Aicher-Werk an der Bautzener Straße. Die Wohnungswirtschaft und Bau GmbH als Vermieter werde davon nur bedingt profitieren, erwartet der Geschäftsführer. Auch weil, wer einen gut bezahlten Job hat, meist qualitativ hochwertigen Wohnraum sucht. Den bietet zwar auch die WuB, zum Beispiel an Heine- und Lessingstraße. Doch diese Wohnungen sind gefragt. Der Leerstand konzentriert sich auf den Stadtteil Süd sowie in noch unsanierten Häusern der Innenstadt.

Auch Zuzug nach Bischofswerda aus umliegenden Dörfern ist nur ein teilweiser Gewinn. „Es geht zu Lasten der Umlandgemeinden“, sagt Andreas Wendler. Freilich gibt es ältere Menschen, die ihr Einfamilienhaus auf dem Lande aufgeben und bei ihm wegen einer Stadtwohnung vorsprechen. Diese Menschen wollen aber meist einen höheren Wohnkomfort, sagt er.

Attraktiv und bezahlbar wohnen
Der Wub-Geschäftsführer sieht sich und seine sechs Mitarbeiter deshalb vor einem Spagat: Zum einen müsse der vorhandene hochwertige Wohnraum erhalten und in der Zukunft sicher noch ausgebaut werden, um als Vermieter attraktiv auch für Zuzügler zu sein. Zum anderen hat die städtische Gesellschaft auch eine soziale Verantwortung. Sie muss Wohnungen für jeden und jeden Geldbeutel vorhalten – und das in einem ansprechenden Wohnumfeld. Momentan bezieht jeder dritte ihrer Mieter Transferleistungen, bekommt seine Miete also vollständig oder teilweise vom Amt.

Hoffest zum 60. Firmengeburtstag: Freitag, den 25. Mai, ab 14.30 Uhr an der Kamenzer Straße 30 A unter anderem mit Kaffee, Kuchen, Bratwurst, Bier. Gäste sind herzlich willkommen.