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Herrnhuter Hausärzte tun sich zusammen

Volkhart Heinzel wird ab April in der Praxis von Kay Herbrig arbeiten. Damit kann die Praxis ihre Öffnungszeiten ausweiten.

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Von Anja Beutler

Dr. Volkhart Heinzel könnte sich zurücklehnen und mit seinen 67 Jahren den Ruhestand genießen. Doch der Facharzt für Innere Medizin hat keinen Nachfolger für seine Praxis gefunden und will das Stethoskop auch deshalb nicht ganz so abrupt beiseite legen: „Dann stünden 500 bis 600 ältere Patienten auf einmal ohne Hausarzt da, das wäre schon ein Problem“, sagt Dr. Heinzel.

Deshalb hat er gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Dr. Kay Herbrig einen Vertrag geschlossen: Ab 1. April wird Volkhart Heinzel bei Herbrig als angestellter Arzt in dessen Praxisräumen im Sparkassenhaus arbeiten. Das heißt für Heinzel konkret: weniger Papierkram und 15 Stunden Sprechzeit pro Woche. Hinzu kommen noch Hausbesuche. Auch Kay Herbrig ist mit dieser Lösung hochzufrieden – schließlich hat sein Kollege insgesamt rund 800 Patienten in seiner Kartei. Wenn nur ein Teil von ihnen schlagartig vor seiner Praxistür stünde, könnte er dies auf einmal kaum bewältigen. Allein im letzten Quartal 2011 hat Herbrigs Praxis rund 1200 Patienten betreut.

Für die Patienten von Dr. Heinzel werden sich ab April dann vor allem zwei Dinge ändern: die Praxisräume und die Bestellzeiten. Denn Volkhart Heinzel wird seine Sprechzeiten auf drei Tage verteilen: Montags ist er dann von 7 bis 12, dienstags von 13 bis 16Uhr und donnerstags von 7 bis 12 und 13 bis 15 Uhr in der Praxis anzutreffen. „Alle Patienten von Dr. Heinzel, die zu anderen Zeiten zur Behandlung kommen müssen, werden selbstverständlich von mir behandelt“, erklärt Kay Herbrig. So sieht es das Modell vor.

Für den jungen Arzt, der seine Praxis vor einem Jahr in Herrnhut eröffnet hat, war von Anfang an klar, dass er einen Kollegen mit ins Boot holen will. „Wir haben hier in der Praxis ausreichend Platz und ich denke, dass ich auch viel von meinem erfahrenen Kollegen lernen kann“, sagt Herbrig, der vor seiner Praxiseröffnung in Herrnhut als Krankenhausarzt tätig war. Wie lange die beiden Ärzte zusammenarbeiten werden, ist noch nicht genau absehbar: „Das hängt von meiner Gesundheit ab“, macht Dr. Heinzel deutlich.

Mit der neuen Lösung haben Herbrig und Heinzel das Grundproblem ohnehin nur ein bisschen verschoben. Denn einen Nachfolger für die Hausarztstelle von Heinzel zu finden, ist schon jetzt sehr schwer. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen liegt der hausärztliche Versorgungsgrad im ehemaligen Landkreis Löbau-Zittau bei 93,5 Prozent. Pressesprecher Ingo Mohn zählt demnach 16 freie Hausarztstellen auf, die rein rechtlich noch besetzt werden könnten – wenn es denn Bewerber gäbe.

Diesen Zahlen liegen inzwischen auch neue Berechnungsregeln zugrunde: Seit 1.April 2011 wird von der Kassenärztlichen Vereinigung auch das Alter der Bevölkerung vor Ort berücksichtigt – zumindest bei der Berechnung der nötigen Hausarzt- und Augenarztstellen. Und mit dieser Grundlage gälte die Region dann erst wieder mit weiteren 16 Stellen als überversorgt. In der Stadt Herrnhut und Berthelsdorf arbeiten derzeit übrigens vier Hausärzte. Hinzu kommt noch die Ruppersdorfer Zweigpraxis einer Oderwitzer Medizinerin.

Doch vor allem Kay Herbrig weiß, dass sich Zahlen schnell ändern können: „In den kommenden fünf bis zehn Jahren werden zahlreiche Kollegen das Rentenalter erreichen“, sagt er. Wenn keine jüngeren Kollegen nachrücken, werde es schwierig. Deshalb hofft er natürlich auch, dass er auch nach Heinzels Berufsausstieg mit einem Kollegen zusammenarbeiten kann.

Volkhart Heinzels alte Praxis wird übrigens von seiner Tochter Grit Taesler, die Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten ist, weitergeführt – aber eben in ihrem Fachgebiet. „Mit ihr konnte ich eine solche Lösung leider nicht machen, da sie ja in einer ganz anderen Fachrichtung arbeitet“, sagt Volkhart Heinzel.