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Hier hat Handarbeit Zukunft

Viele Menschen achten wieder mehr auf Qualität. Davon profitieren Manufakturen wie „Die Lade“ in Neukirch.

Mit Schürzen – nostalgischen wie im Vordergrund oder bunten und aus Blaudruck – startete Karin Mross durch, als sie 2008 ihre Manufaktur „Die Lade“ gründete. Seitdem kamen weitere Erzeugnisse hinzu.
Mit Schürzen – nostalgischen wie im Vordergrund oder bunten und aus Blaudruck – startete Karin Mross durch, als sie 2008 ihre Manufaktur „Die Lade“ gründete. Seitdem kamen weitere Erzeugnisse hinzu. © Steffen Unger

Neukirch. Fantasie braucht der Mensch. Karin Mross muss nur einen Stoff sehen, und schon hat sie Vorstellungen, was sie daraus machen kann. Sie holt einen Ballen hervor, der mit etlichen Formeln und Diagrammen bedruckt ist. „Das wird was für Studenten oder mutige Wissenschaftler“, sagt sie schmunzelnd. Vielleicht ein Hemd, vielleicht auch eine Tasche für den Laptop. Was Karin Mross herstellt, ist gediegen und nützlich – und zugleich fällt es aus dem Rahmen.

Denn es ist nichts, was man in Geschäften kaufen kann. In ihrer Neukircher Textilmanfaktur „Die Lade“ näht sie zum Beispiel Schürzen, die fast zu schade für die Küchenarbeit sind. Sie gestaltet Kissen für so gut wie alle Gelegenheiten oder bringt eine Schlummerrolle in die Form eines riesigen Buntstiftes. Hoch auf dem Regal in ihrer Werkstatt, die zugleich Verkaufsraum ist, wacht ein rotkarierter Teddybär über das Geschehen. Auch den hat Karin Mross hergestellt. „Aus tausend Einzelteilen“, wie sie sagt. Von dem Bären gibt es nur zwei Exemplare – diesen und einen weiteren, den sie vor einigen Jahren auf Wunsch für eine Kundin angefertigt hat.

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Handwerk trifft auf Digitalisierung

Im Jahr 2008 gründete die Putzkauerin ihre Manufaktur für Textiles. Das Jahr 2019 lief gut für sie. „Viele Menschen achten wieder mehr auf Qualität und Langlebigkeit. Sie fragen, wo ein Produkt herkommt und wie es hergestellt wurde. Und sie sind bereit, für Schönes Geld auszugeben“, sagt sie. Außerdem profitiert sie von einem weiteren Trend: Viele nähen selbst, weil sie individuelle Kleidung möchten. Die Nähkurse, die sie für Kinder und Erwachsene anbietet, sind gefragt.

Hinzu kommen Stickereiarbeiten: Firmen, aber auch Privatkunden lassen bei ihr sticken. Zum Beispiel Monogramme auf Tisch- und Bettwäsche aus der Neukircher Leinenweberei Hoffmann oder das Firmenlogo auf der Dienstkleidung. Hier trifft Handwerk auf Digitalisierung. Meist liefern Firmen das gewünschte Motiv auf einem USB-Stick. Karin Mross, sonst Handarbeiterin im besten Wortsinn, greift in solchen Fällen auf eine Sticksoftware zurück. Im vergangenen Jahr war das Auftragsbuch randvoll. Bis Weihnachten hatte sie zu tun.

Krisen überstanden

Nicht alle Jahre waren so erfolgreich. Als Karin Mross mit ihrem kleinen Unternehmen startete, hatte gerade die Finanz- und Bankenkrise die Welt erschüttert. Deren Folgen bekam sie sofort zu spüren: Die Leute hielten ihr Geld zusammen. Später waren es die Auswirkungen des Straßenbaus auf der B 98, die dafür sorgten, dass weniger Kunden kamen. Doch Karin Mross jammert nicht. „Man muss es einfach machen“, lautet die zupackende Devise der gelernten Wirtschaftskauffrau.

Vor dreieinhalb Jahren gehörte sie zu den Ersten, die sich im Testshop an der Bautzener Heringstraße für einige Wochen einmieteten. In diesem Advent traf man sie in der Bautzener „Krabat-Lounge“. Sie arbeitet mit der Bautzener Modedesignerin Corinna Seiler (e.elle) zusammen und schloss sich im Herbst 2019 den rund 30 Handwerkern aus der Oberlausitz an, die ihre Waren in der Weihnachtszeit gemeinsam in der Cunewalder Geschenke-Schänke anboten. „Im Januar wollen wir uns wieder treffen und beraten, wie es weiter geht“, sagt sie. 

Von traditionell bis flippig

Karin Mross ist bekennende Oberlausitzerin. Sie liebt diesen Landstrich, in dem sie zu Hause ist, und sie liebt den Menschenschlag, der in seiner etwas rauen Sprache klar sagt, was er denkt, aber dabei nicht verletzend wird. Sie arbeitet gern mit Oberlausitzer Stoffen, wie dem Blaudruck und dem Leinen, nutzt aber auch moderne, flippige Textilien.

Der Name ihrer Manufaktur „Die Lade“ ist für sie Programm. Ein solches Möbelstück stand bei ihr zuhause. „Dort kam alles rein, was man nicht mehr brauchte, was es aber wert war, aufgehoben und später vielleicht einmal wieder verwendet zu werden“, erzählt sie. Dazu gehörten zum Beispiel Kindersachen und Kleider. Dinge, die ihren Wert hatten. In ihrer „Lade“ verbindet sie Modernes mit dem Anspruch, Beständiges zu schaffen.

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