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Wo Ossis und Wessis noch Freunde sind

Im 30. Jahr nach der Deutschen Einheit halten Nünchritz und Ubstadt-Weiher an ihrer Partnerschaft fest. Woanders herrscht dagegen Funkstille in Richtung Westen.

Die beiden Bürgermeister Gerd Barthold (links) und Tony Löffler reichen sich bei der Eröffnung des Ubstadt-Weiher-Platzes in Nünchritz im Juli 2011 die Hand.
Die beiden Bürgermeister Gerd Barthold (links) und Tony Löffler reichen sich bei der Eröffnung des Ubstadt-Weiher-Platzes in Nünchritz im Juli 2011 die Hand. © Archiv-Foto: Gemeinde Nünchritz

Nünchritz. 30 Jahre nach der Deutschen Einheit ist vielerorts die Euphorie der Nachwendezeit dahin. West- und Ostdeutsche, die vier Jahrzehnte voneinander getrennt waren, wollten sich begegnen. Doch manche Partnerschaft zwischen hiesigen Kommunen mit Städten und Gemeinden in den alten Bundesländers existiert nur noch auf dem Papier, das langsam vergilbt. 

Nicht so in Nünchritz. Hier sei die Partnerschaft zum badischen Ubstadt-Weiher noch sehr lebendig, bestätigt der Nünchritzer Bürgermeister Gerd Barthold (CDU). Erst im April war er zum 50. Gründungsjubiläum der Partnergemeinde eingeladen worden. - 1970 hatten sich vier Dörfer zur Gemeinde Ubstadt-Weiher zusammengeschlossen. - Doch wegen Corona musste die Feier abgesagt werden. Nun ist sie für November geplant. Barthold hofft, dass keine neuen Verschärfungen der Pandemie-Regeln einem Wiedersehen mit den badischen Freunden entgegenstehen. 

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"Ich rufe Bürgermeister Tony Löffler ab und zu an und tausche mich mit ihm über aktuelle Themen wie Corona oder Breitband aus", sagt Barthold. Ihn interessiere es, wie die Verwaltung in Ubstadt-Weiher damit umgeht. Durch den regen Austausch seien auch echte Freundschaften entstanden. Mit Löfflers Vorgänger Helmut Kritzer telefoniere der Nünchritzer Bürgermeister sogar regelmäßig aller vier Wochen.

Seit dem 9. November 1990, genau ein Jahr nach dem Mauerfall, existiert die Partnerschaft zwischen Nünchritz und Ubstadt-Weiher. "Es war eher Zufall", erzählt Barthold. Die Badener waren auf der Suche nach einer Partnergemeinde in Sachsen. "Ihnen hat es hier gefallen, und da haben sie am Rathaus geklingelt", weiß er aus den Erzählungen des damaligen Bürgermeisters Frank Münzinger. Seitdem besuchen sich Vertreter aus Verwaltung und Vereinen wechselseitig aller zwei Jahre. 

Besonders enge Verbindungen würden zwischen den jeweiligen Anglervereinen und den Jugendfeuerwehren bestehen. Seit dem 9. Juli 2011 heißt der Rathausplatz in Nünchritz nun Ubstadt-Weiher-Platz. "Wir sind sehr stolz darauf, dass der beste Platz im Ort nach uns benannt ist", sagte Löffler bei der Einweihung.  

Glaubitzer Partnerschaft eingeschlafen

Bei den Nünchritzer Nachbarn sieht es ganz anders aus. Der Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) resümiert: "Die Partnerschaft zu Stephansposching ist leider eingeschlafen. Wir haben seit der Wahl der neuen Bürgermeisterin keinen Kontakt mehr dorthin." Dabei sei die Partnerschaft mit der Gemeinde am Rande des Bayrischen Waldes mal intensiv gewesen. Mindestens einmal im Jahr habe man sich getroffen. Entweder in Stephansposching oder in Glaubitz. 

Es wurden Erfahrungen ausgetauscht und Freundschaften geknüpft. "Das letzte Mal, dass ich in Stephansposching war, war zur Verabschiedung des ehemaligen Bürgermeisters Siegfried Ramsauer", bestätigt Thiemig. Dessen Nachfolgerin Jutta Staudinger (CSU), die 2014 das erste Mal als Chefin ins dortige Rathaus einzog und im März dieses Jahres mit 90,8 Prozent wiedergewählt wurde, lege offensichtlich wenig Wert darauf. "Das ist bedauerlich", sagt der Glaubitzer Bürgermeister, "aber man kann sie ja nicht zwingen." 

Dieser Wegweiser nach Glaubitz befindet sich in einem Wartehäuschen vorm Rathaus in Stephansposching.
Dieser Wegweiser nach Glaubitz befindet sich in einem Wartehäuschen vorm Rathaus in Stephansposching. © Jörg Richter

Einziges Zeugnis, das bleibt, ist die Stephansposchinger Straße in Glaubitz, die seit April 2002 existiert. Im Sommer 2011 zogen die Bayern nach und weihten im Baugebiet Marterläcker eine Glaubitzer Straße ein. Zudem ist in einem Wartehäuschen neben dem Stephansposchinger Rathaus - gleich unter einem Aschenbecher - ein gelber Wegweiser angebracht. Er trägt die Aufschrift: "Glaubitz 432 km (Freistaat Sachsen)". Vielleicht erinnern sich die Stephansposchinger dieses Wegweisers im nächsten Jahr. Dann feiert Glaubitz sein 750. Dorfjubiläum.    

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