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Hier soll Riesas erster Solarpark entstehen

Bis in die 1970er stand auf der Brache ein Gefängnis. Nun will eine Erfurter Firma Strom aus Sonnenenergie produzieren.

Das Wohngebiet am Kalkberg (Hintergrund) ist nicht weit: Auf einer Brache am Wasserweg ist eine große Photovoltaikanlage geplant. Die Bildmontage zeigt ein Solarmodul, von denen mehrere Tausend auf der Fläche installiert werden sollen.
Das Wohngebiet am Kalkberg (Hintergrund) ist nicht weit: Auf einer Brache am Wasserweg ist eine große Photovoltaikanlage geplant. Die Bildmontage zeigt ein Solarmodul, von denen mehrere Tausend auf der Fläche installiert werden sollen. © Foto: Lutz Weidler/Montage: SZ

Riesa. Das Gewerbegebiet an der Wittenberger Straße, der Hafen, das Reifenwerk, die Metallunternehmen auf dem alten Stahlwerksgelände: Gröba beherbergt viel Gewerbe und Industrie. Auf einer Brache am Wasserweg, gegenüber der Großwäscherei Elis (ehemals MTR), soll demnächst ein neues Stück Industriegeschichte geschrieben werden. Das in Erfurt ansässige Unternehmen SEB GmbH & Co. KG will eine Freiflächen-Photovoltaikanlage bauen.

Es wäre der erste Solarpark dieser Art in Riesa. Zwar gibt es im ganzen Stadtgebiet viele Dächer mit teils großen Solaranlagen: auf der Sachsenarena zum Beispiel, auf der Nudelfabrik oder dem großen Reifenlager an der Paul-Greifzu-Straße. Module zu ebener Erde findet man bisher aber nur im Umland: auf dem einstigen Oberbauwerksgelände in Wülknitz, im Alten Lager in der Gohrischheide oder im Industriegebiet zwischen Zeithain und Glaubitz.

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An der Ecke von Strehlaer Straße (B182) und Wasserweg in Gröba soll Riesas erster Solarpark gebaut werden. Die Fläche ist rund zwei Hektar groß.
An der Ecke von Strehlaer Straße (B182) und Wasserweg in Gröba soll Riesas erster Solarpark gebaut werden. Die Fläche ist rund zwei Hektar groß. © Datawrapper/Datenquelle: Stadtverwaltung Riesa, SE

In Glaubitz betreibt auch SEB schon eine Solaranlage. Sie steht auf der Deponie von TS Bau nahe dem TGZ. Über den Kontakt zu dem Bauunternehmen sei man auch an die Fläche in Gröba gekommen, sagt SEB-Chef Lutz Czech. Denn die Fläche gehörte TS Bau. Vielen Riesaern dürfte sie aber vor allem etwas sagen, weil sich dort der Vorläufer des Zeithainer Gefängnisses befand.

Einen Anlauf, auf dem altlastenverdächtigen Zwei-Hektar-Areal einen Solarpark zu bauen, hatte SEB schon 2018 unternommen. Allerdings geriet das Projekt damals ins Stocken. Die Förderbedingungen für den Solarausbau hatten sich verschlechtert. Dieses Jahr kippte der Gesetzgeber den sogenannten Solardeckel, sodass der über das Erneuerbare-Energien-Gesetz geförderte Ausbau von Solaranlagen für Investoren wieder attraktiv wurde. Als sich diese Entwicklung Anfang des Jahres abzeichnete, schob auch SEB sein Gröbaer Projekt wieder an.

Im Interesse von Stadt und Investor

Rund zwei Monate wird die Installation der Solarmodule samt Unterkonstruktion dauern, schätzt SEB-Chef Lutz Czech. Etwa 5.000 Module werden die Fläche bedecken und künftig pro Jahr geschätzte zwei Millionen Kilowattstunden Strom liefern.

Bis der Solarpark ans Netz geht, könnte aber noch ein reichliches Jahr vergehen. Denn erst einmal muss der Bau genehmigt werden. Dazu braucht es ein längeres Genehmigungsverfahren, das momentan läuft und bei dem gerade jeder die Chance hat, sich die Planungen anzusehen und auch Einwände dagegen vorzubringen (siehe Info am Artikelende).

Ob zu dem Vorhaben schon Rückmeldungen im Rathaus eingegangen sind, dazu gibt die Stadtverwaltung keine Auskunft und verweist auf die noch laufende Auslegungsphase. Auch zur Frage, wann das Genehmigungsverfahren endet, hält sich das Rathaus bedeckt: „Die eingegangenen Stellungnahmen werden danach durch den Stadtrat abgewogen. Davon hängt dann auch die Dauer des weiteren Planungsverfahrens ab, über Zeiträume möchten wir aber nicht spekulieren“, so Stadtsprecher Uwe Päsler. Es sei aber „im Interesse der Stadt und des Investors gleichermaßen, dass das möglichst zügig erfolgen kann.“

So viel Wohlwollen dürfte auch SEB-Chef Lutz Czech freuen. Er hofft, dass noch Ende 2020 die Baugenehmigung vorliegt. Möglich sei jedoch, dass neben Anwohnern auch Behörden noch Forderungen stellen. 

Denkbar ist zum Beispiel, dass ein Blendgutachten erstellt werden muss, in dem untersucht wird, ob die Sonnenkollektoren Anwohner oder Autofahrer durch zurückgeworfenes Licht beeinträchtigen.Dass Riesas erster Solarpark nur 200 Meter Luftlinie entfernt vom Umspannwerk in Gröba entstehen soll, in dem ein Defekt vor wenigen Wochen zu einem großen Stromausfall führte, ist übrigens eher Zufall.

Anfragen für weitere Solarparks

„Wichtig wäre das bei einer etwa zehn- bis zwanzigmal so großen Anlage“, sagt SEB-Chef Lutz Czech, der nach eigenen Worten schon Solarprojekte in ganz Europa entwickelt hat, sich mit seiner Firma aber vorwiegend um Anlagen in Deutschland kümmert.

 In Gröba reiche aber ein Anschluss ans Mittelspannungsnetz. Den gibt es direkt vor dem SEB-Grundstück am Wasserweg, wo die Stadtwerke 2016 eine Trafostation ertüchtigt hatten. Lange Leitungen werden also nicht verlegt werden müssen.

Riesas erster Solarpark wird, wenn er entsteht, vielleicht nicht der Letzte bleiben. Wie das Rathaus auf Nachfrage mitteilte, liegen auch Anfragen „zu einer Fläche an der Lommatzscher/Glogauer Straße und auf dem Gebiet des ehemaligen Kohlehandels an der Rostocker Straße vor.“

Der Vorentwurf zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Photovoltaikanlage Wasserweg Riesa“ liegt noch bis 21. August öffentlich im Riesaer Bauamt (Engelsstraße 13) während der Öffnungszeiten aus. Die Unterlagen sind auch online abrufbar.

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