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Hier wollen Bürger Tempotafeln

Gezielt eingesetzt, zeigen die Anzeigen Wirkung. In Radebeul und Weinböhla sollen welche angeschafft werden.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

In Radebeul-Zitzschewig hat eine Familie selbst eine Tempotafel aufgestellt. Das Ergebnis: Fast alle Autofahrer halten hier Tempo 30 km/h ein. Die Anwohner der Kötzschenbrodaer Straße in Serkowitz haben seit letztem Jahr keinen Blitzer mehr. Seitdem wird hier wieder gerast, sagen sie. Sie verlangen von der Stadt zumindest eine Tempotafel.

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Blitzerstandort Kötzschenbrodaer Straße
Blitzerstandort Kötzschenbrodaer Straße © Norbert Millauer
Kötzschenbrodaer Straße in Radebeul-Serkowitz
Kötzschenbrodaer Straße in Radebeul-Serkowitz © Norbert Millauer
Hauptstraße in WeinböhlaFoto: Montage mit Tempotafel
Hauptstraße in WeinböhlaFoto: Montage mit Tempotafel © Anne Hübschmann
Meißner Straße in Radebeul-Zitzschewig
Meißner Straße in Radebeul-Zitzschewig © Arvid Müller
Meißner Straße/Hoflößnitzstraße in Radebeul
Meißner Straße/Hoflößnitzstraße in Radebeul © Norbert Millauer

Verkehrsexperte Veit Tittel vom Bündnis Verkehrsentlastung Elbtal hat beobachtet, wie sich die Autofahrer an solchen Anzeigetafeln verhalten, und kommt zum Ergebnis: Viele Autofahrer nehmen den Hinweis durch eine Tempotafel gern an und sind dankbar, dass sie nicht gleich zur Kasse gebeten werden. Aber es müssen weiterhin Kontrollen erfolgen und Bußgelder verhängt werden, weil der alleinige Appell an die Vernunft nicht reicht. Tittel: „Im Idealfall wird beides kombiniert, also Tempotafel und Blitzer. Wer trotz Tempotafel geblitzt wurde, dem war die Raserei das wert und derjenige hat dann kein Problem mit dem Bußgeld.“

Inzwischen ist die Zahl der Bürger, die eine solche Tempotafel wollen, nicht nur in Radebeul, rasant gewachsen. Anwohner fordern von ihren Städten und Gemeinden jetzt auch an anderen Standorten als in Zitzschewig, dass solche Tempotafeln aufgestellt werden. Hans-Jürgen Kuhne aus Radebeul schreibt, dass eine solche Tafel auch zwischen Weißem Haus und „Zur guten Quelle“ in Serkowitz stehen sollte. Hier gibt es keinen Fußweg. Viele ältere Bürger müssen aber zum Einkaufen hier entlang. Nicht wenige Kraftfahrer würden allerdings ab dem Mühlgraben und hinter der Gaststätte schon wieder beschleunigen, obwohl Tempo 30 vorgeschrieben ist.

Am ganz anderen Ende der Stadt, im Rietzschkegrund, wünscht sich Ingolf Brandt eine Tempotafel. Die Fahrbahn ist hier sehr schmal. An manchen Stellen darf nur 20 km/h gefahren werden, doch die wenigsten halten sich daran, sagt er. Sein Tipp: Es gibt sogar die Möglichkeit, Tempotafeln über Werbefirmen beschaffen zu lassen. Die werden dann mit Werbung beklebt, sind dafür aber kostenlos. Familie Brandt hat übrigens die Stadt darum gebeten, im Rietzschkegrund die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Auf die E-Mail bekam sie jedoch keine Antwort.

Familie Meys aus Radebeul fordert eine Tempotafel an der Meißner Straße zur Kreuzung Gohliser Straße, Hoflößnitzstraße. „Hier gab es seit der Wende bei Unfällen bereits zwei Todesopfer“, schreibt Guido Meys. Eines durch ein riskantes Überholmanöver. Wiederholt werde hier zu schnell gefahren. Und auch die Anwohner in Zitzschewig hätten gern an der Meißner Straße – gegenüber dem Standort der jetzigen Tafel – noch eine solche Anzeige. Weil da immer noch zu schnell gefahren werde.

Ingolf Zill von der Radebeuler Verkehrsbehörde hatte im Mai angekündigt, dass zwei bis drei solcher Tafeln angeschafft werden sollen. Gestern nachgefragt, teilte er mit, dass bislang noch geklärt sei, aus welchem Topf im Rathaus das Geld genommen werde. Sobald das klar sei, würden zwei Tafeln angeschafft.

Auch die Bürger in Weinböhla wollen mindestens eine Tempotafel. Von dort hat sich Angelika Meyer-Overheu gemeldet. Ihr Vorschlag: Im Zentrum der Gemeinde, auf der Hauptstraße, sollte eine Tempotafel aufgestellt werden. Viele Autofahrer würden dort die Geschwindigkeit von 30 km/h nicht einhalten. Die Weinböhlaerin: „Hier sind nicht nur Geschäfte und Gaststätten, sondern auch ein Kindergarten, Apotheken und Arztpraxen.

Bauamtsleiter Lutz Heinl in Weinböhla sagt, dass das Thema Tempotafel bereits diskutiert werde. Hauptstraße und Köhlerstraße, vor dem Kindergarten, seien zwei mögliche Standorte. Er denkt, dass der Gemeinderat im Herbst eine Entscheidung über die Anschaffung einer solchen Tafel treffen könnte.