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Hingerichtete ruhen nun auf dem Friedhof

Das Lungkwitzer Soldatengrab war eine beliebte Gedenkstätte. Dass es verlegt wurde, gefällt nicht jedem.

Die Gebeine der beiden durch Kopfschuss hingerichteten Soldaten ruhen seit Anfang Juni neben den Kinderkriegsgräbern des Kreischaer Friedhofs.
Die Gebeine der beiden durch Kopfschuss hingerichteten Soldaten ruhen seit Anfang Juni neben den Kinderkriegsgräbern des Kreischaer Friedhofs. © Egbert Kamprath

Hier ruhen zwei unbekannte deutsche Soldaten“ war auf dem schlichten Holzkreuz zu lesen. Gesäumt von unbehauenen Steinen, aber gepflegt und mit Blumen bepflanzt, befand sich das Lungkwitzer Soldatengrab nahe der Stelle, wo der Hausdorfbach in den Lockwitzbach mündet. Nun erinnert nur noch ein schlichtes Holzkreuz an die beiden Männer, die im Mai 1945 von Lungkwitzer Einwohnern am Waldrand tot aufgefunden worden waren, denn das Soldatengrab ist auf den Friedhof nach Kreischa umgebettet worden. Still und heimlich, an der Öffentlichkeit vorbei, wie die Kreischaer AfD-Fraktion beanstandet.

Doch davon könne keine Rede sein, sagt Kreischas Bürgermeister Frank Schöning (FBK). Immer wieder sei illegal abgelagerter Müll in direkter Nähe gefunden worden, erklärt er. Auch Exkremente, mutmaßlich nicht nur tierische, seien festgestellt und die Stahlhelme wiederholt vom Grab gestohlen worden. Sogar das Kreuz habe man versucht, herauszuziehen. Ewige, vor allem aber würdevolle Totenruhe, konnte also an der alten Grabstätte nicht gewährleistet werden. Die Vorwürfe der AfD, die Gemeinde habe die Umbettung heimlich, still und leise an den Bürgern vorbei organisiert, weist Schöning von sich. Dem Ganzen sei ein langer Prozess vorausgegangen, betont er und erläutert, dass auf einen Antrag hin, der Vorstand der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Kreischa bereits im August 2014 der Aufnahme beider Soldaten auf dem Kreischaer Friedhof zugestimmt habe. Als sich dann 2017 ein Einwohner bei der Gemeinde meldete und angab, sich aus Altersgründen nicht mehr um die Grabpflege kümmern zu können, entschied sich die Gemeinde, die Umbettung zu beantragen. Schließlich befürwortete auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Verlegung des Soldatengrabes. Ein entsprechender Bescheid der Landesdirektion Sachsen erging dieses Jahr am 26. März. „Diesen habe ich in der nachfolgenden Sitzung des Technischen Ausschusses des Gemeinderats mündlich bekannt gegeben“, sagt Frank Schöning.

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Am 4. Juni wurden die Überreste der beiden Soldaten durch den Umbettungsdienst des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge aus der Feldgrabanlage geborgen und in aller Stille, gemeinsam mit dem Pfarrer der Kirchgemeinde Kreischa, auf dem Friedhof beigesetzt. Hier hat das Grab nun ein unbegrenztes Liegerecht.

Steine, ein alter Blumenkasten und ein Holzkreuz mit der Aufschrift „Unvergessen“ zieren nun die ursprünglichen Grabstelle. 
Steine, ein alter Blumenkasten und ein Holzkreuz mit der Aufschrift „Unvergessen“ zieren nun die ursprünglichen Grabstelle.  © Egbert Kamprath

„Wenn das ursprüngliche Grab ungünstig gelegen ist, die Totenruhe gestört wird oder die dauerhafte Pflege nicht gewährleistet werden kann, ist eine Umbettung sinnvoll“, sagt Carsten Riedel vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er verweist dazu auf das Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. In diesem heißt es, dass die Erinnerung, an die schrecklichen Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft, für künftige Generationen wach zu halten sind. Deswegen sollen die Gräber von Kriegstoten dauerhaft bestehen bleiben. Umgebettet werden dürfen sie aber nach Paragraf sechs mit Genehmigung der zuständigen Landesbehörde, wenn sie verstreut liegen und in einer geschlossenen Begräbnisstätte, also einem Friedhof, bestattet werden sollen. Im Falle des Lungkwitzer Soldatengrabes sei alles ordnungsgemäß vonstattengegangen, bestätigt Riedel.

Zur Geschichte der beiden Soldaten indes ist bis heute wenig bekannt. Überlieferungen zufolge sind sie im Mai 1945 von Lungkwitzer Anwohnern tot am Waldrand aufgefunden worden. Es wurde berichtet, dass die Männer Einschusslöcher im Kopf hatten und es so aussah, als hätten sie sich gerade zu einer Mahlzeit niedergelassen. Einer der beiden Toten soll noch ein Brot in der Hand gehalten haben. Auch Reste einer Feuerstelle hatte man gefunden. Weil die Männer keine Papiere bei sich hatten, nahm man an, dass sie Deserteure waren und deshalb von durchziehender SS regelrecht hingerichtet worden sind.

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All das könnte nun in Vergessenheit geraten, fürchtet die Kreischaer AfD. Denn an der ursprünglichen Stelle, so heißt es in einem Facebook-Beitrag der Partei, seien viele Wanderer und Spaziergänger vorbeigekommen. Oft habe man da – auch im Winter – frische Blumen vorgefunden. Nun aber erinnere nichts mehr an das Geschehen vor 74 Jahren.

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