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"Die Backen zusammenkneifen und durch"

Glühende Hitze von oben und von unten - Straßenbauer und Dachdecker haben es jetzt besonders schwer. Eher anfangen mit Arbeiten wäre schön, aber geht nicht. 

Glühende Hitze von oben , heißer Asphalt von unten. Marcel Scheufler (links) und Frank Schwertner bei den Straßenbauarbeiten an der neuen Brücke in Schlegel.
Glühende Hitze von oben , heißer Asphalt von unten. Marcel Scheufler (links) und Frank Schwertner bei den Straßenbauarbeiten an der neuen Brücke in Schlegel. © Matthias Weber

Die Schweißperlen gehören für Marcel Scheufler und Frank Schwertner genauso bei ihrem harten Job dazu, wie die Schaufel. Glühende Hitze von oben und glühende Hitze von unten, mit diesen Extremen müssen sie und ihre Kollegen vom Straßenbau tagtäglich umgehen.

Auch am Montag kratzte des Thermometer wieder an der 30-Grad-Celsius-Marke. Zwischen 130 und 160 Grad heißer Asphalt floss da wieder vor ihnen am Brückenneubau in Schlegel auf die Straße. Aus dem Asphalt wird die Tragschicht der Fahrbahn entstehen. Selbst auf Kniehöhe sorgt der Asphalt noch für Temperaturen um die 80 Grad. Feste und hohe Schuhe sind da selbst im Hochsommer selbstverständlich.

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Zwei Liter Wasser trinken die beiden mindestens während der Arbeitszeit. "Das brauchst du einfach", sagt Marcel Scheufler. Einige ihrer Kollegen trinken auch drei Liter. Ihr Arbeitgeber, die Oberlausitzer Straßen-, Tief- und Erdbau GmbH (Osteg) stellt für sie Wasser und Limonade kostenlos bereit.

Während der größten Mittagsglut die Pause zu verlängern, geht nicht. Wird der Asphalt geliefert, muss er verarbeitet werden. "Da heißt es auf Deutsch gesagt, Arschbacken zusammenkneifen und durch", schildert Marcel Scheufler. Und das jeden Tag aufs Neue. "Da bist du breit, wenn du heimkommst", fügt der 36-Jährige hinzu. Und seinen Kollegen geht es nicht anders.

Dann regnet es am Montag gegen 15.30 Uhr kurz für ein paar Minuten. Das ist das erste Mal seit einer gefühlten Ewigkeit für das Vier-Mann-Team an der neuen Brücke in Schlegel. Sie genießen die kleine Zwangspause. Aber vor allem die willkommene Abkühlung von oben. Danach geht es weiter. Die Luft ist schwül, hat sich kaum abgekühlt.

Spätestens am Donnerstag sind sie hier fertig. Dann geht es zur nächsten Baustelle. Zur Abwechslung mal kleinere Sachen, wie Auffräßen und anschließend Flicken von Straßenschäden. Am 6./7. August wird die Osteg in Leutersdorf an der Kreuzung an der Hauptstraße einen neuen Straßenbelag einbauen. Und am 12. und 13. August erhält der Zittauer Stadtring im Bereich der Äußeren Weberstraße wieder seinen Asphaltbelag.

"Wir versuchen die Baustellen so zu steuern, dass für die Mitarbeiter nach ein paar Tagen extremer Hitze kleinere Baustellen folgen. Dann wäre es auch mal möglich, etwas früher Feierabend zu machen", berichtet Osteg-Geschäftsführer Frank Scholze. Den Beginn der Arbeitszeit nach vorn in die kühleren Morgenstunden zu verlegen, ist nicht möglich. Denn im Straßenbau sind die Firmen von ihren Zulieferern abhängig.

Nicht viel besser dran, als die Straßenbauer sind auch die Dachdecker. "Wir würden bei der Hitze manchmal schon gern zeitiger mit Arbeiten anfangen, aber das geht leider auch bei uns aus verschiedenen Gründen nicht", schildert Maik Niegisch von der Mauke und Niegisch Dachdecker GmbH in Oderwitz. Teilweise wollen das die Kunden nicht. Zudem haben auch die Händler nicht eher offen und auch die Container-Dienste fahren noch nicht, berichtet der Firmenchef.

Viel Wasser trinken ist bei der Hitze auch bei den Arbeiten auf den Dächern wichtig. An ganz heißen Tagen hat er seine Mitarbeiter auch schon mal um 14 Uhr nach Hause geschickt. Maik Niegisch wünschte sich, dass bei heißen Sommern für die Baufirmen eine ähnliche Regelung möglich wäre, wie im Winter. Er hatte sich deswegen im vergangenen Jahr an die Arbeitsagentur und die Berufsgenossenschaft gewandt.

Aber gebracht hat es nichts. Kurzarbeit mit Regelungen wie im Winter ist nicht drin. Also gilt die 40-Stunden-Woche. "Die Berufsgenossenschaft findet, es kann weitergearbeitet werden", berichtet er. Wenn eine Firma ihre Leute wegen der Hitze früher Feierabend machen lässt, ist das ihre Sache.

"Auf Wunsch meiner Kollegen habe ich sie an zwei extrem heißen Tagen in diesem Jahr sogar schon mal um 12 Uhr gehen lassen", erzählt Maik Niegisch. Er hat nichts davon, wenn sie ausfallen. "Neue Dachdecker sind am Arbeitsmarkt nicht gerade dicht gesät", sagt er.

Besonders einstellen auf die hochsommerlichen Temperaturen müssen sich auch Zulieferer von Fertigbeton, wie die TBR Oberlausitz in Zittau und ihre Standorte in Dürrhennersdorf, Bautzen, Görlitz, Niesky sowie im polnischen Luban und Zgorzelec. Die  derzeit extrem hohen Betontemperaturen sind ein Problem. Die dürfen 30 Grad nicht übersteigen, um die nötige Konsistenz des Betons zu gewährleisten. 

Deshalb wird beim Mischen Bauchemie, wie sogenannter Verzögerer und möglichst kaltes Wasser verwendet. "Und bei weit über 30 Grad Lufttemperatur weisen wir unsere Kunden darauf hin, dass wir Bedenken beim Einbau des Betons haben",  schildert TBR-Geschäftsführer Bernd Ising.

Ein Problem ist auch der Transport des Frischbetons bei der Hitze. Die Lkw mit ihren Drehtrommeln fahren deshalb bei permanent 30 bis 35 Grad Lufttemperatur nur zu Kunden, die sie in etwa einer halben Stunde erreichen können. 

Rosemarie Engemann ist froh, dass trotz der lang anhaltenden Hitze die Situation in der Neiße noch nicht so schlimm ist, wie im vergangenen Jahr. "Im Sommer 2018 haben wir schon Mitte Juli unseren Schlauchbootverleih einstellen müssen", schildert sie. Bis zum Jahresende waren danach Schlauchbootfahrten auf der Neiße von Rosenthal zum Kloster St. Marienthal in Ostritz nicht mehr möglich.

Trotz des bisher ebenfalls sehr heißen Sommers sieht es zumindest bisher noch nicht so schlimm mit dem Wasserstand des Grenzflusses aus. "Für uns ist es wichtig, dass es im Einzugsgebiet der Neiße regnet", erklärt Rosemarie Engemann. Und in den letzten drei Wochen hat es zumindest im Iser- und im Riesengebirge doch ab und zu geregnet. Deshalb sind derzeit die 18 Boote von Engemanns Schlauchbootverleih an allen sieben Tagen in der Woche uneingeschränkt im Einsatz.

Und für diese Woche ist ja Regen gemeldet worden. Dann wird bei Temperaturen um die 25 Grad Celsius das Arbeiten für die Straßenbauer, Dachdecker und andere Berufszweige angenehmer. 

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