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Splitt gegen "schwimmende" Straßen in Mittelsachsen

Döbeln beugt Hitzeschäden auch mit dem Wasserwerfer vor. Mehr Schaden als Wärme richtet aber der Starkregen an.

Mehrfach musste die Colditzer Straße in Leisnig im vergangenen Jahr mit Splitt behandelt werden, weil die Fahrbahn anfing, weich zu werden. Das sorgte bei den Anwohnern aufgrund von Staubbelastung und Teerrückständen für Unmut.
Mehrfach musste die Colditzer Straße in Leisnig im vergangenen Jahr mit Splitt behandelt werden, weil die Fahrbahn anfing, weich zu werden. Das sorgte bei den Anwohnern aufgrund von Staubbelastung und Teerrückständen für Unmut. © DA-Archiv/Dietmar Thomas

Region Döbeln. Steine auf der Fahrbahn. Davor warnte am Dienstag der Verkehrsfunk die Kraftfahrer, die auf der Autobahn 14 zwischen Döbeln-Ost und Döbeln-Nord in Richtung Leipzig unterwegs gewesen sind.

Wie sich herausstellte, war diese Meldung eine Folge des Starkregens von Montag, der in der Region niedergegangen war. „Im angesprochenem Bereich haben sich teilweise die Fugeneinlagen in der Betonbefestigung gelöst“, informierte Frank Grossmann, Sprecher des zuständigen sächsischen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). 

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Ursache dafür sei, neben dem Starkregen, auch die Alterung des Fugenmaterials. Um die Schäden zu beseitigen, rückten die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei an. Sie entfernten die losen Fugeneinlagen. Zeitnah soll, so Grossmann, die Sanierung der Fugen in Angriff genommen werden.

Spurrinnen in der Autobahn sind nicht auszuschließen.

Die anhaltend hohen Temperaturen, deren Höhepunkt am Freitag erwartet wird, hätten den Autobahnen bisher noch nicht zugesetzt, äußerte sich der Sprecher des Lasuv. „Einzelne Ausbildungen von Spurrinnen im Asphalt sind aber nicht auszuschließen“, betont Grossmann. Mitunter mehrmals am Tag würden die Mitarbeiter der Autobahnmeistereien die Abschnitte in ihrem Zuständigkeitsbereich kontrollieren. Sobald sich Gefahrenstellen abzeichnen, würden Kraftfahrer darauf hingewiesen. 

Winterdienst streut bei Bedarf auf Bundes-, Staats- und Kreisstraßen Splitt.

Und wie sieht es auf den Bundes-, Kreis- und Landstraßen der Region aus? Für diese ist der Landkreis zuständig. „Die Schäden durch anhaltende Hitze sind in den letzten Jahren gegen Null gegangen“, weiß Pressereferentin Cornelia Kluge zu berichten. 

„Schwitzende Decken“ gebe es aktuell nicht mehr. In solchen Fällen verflüssige sich nach Angaben von Ute Friedrich, Leiterin der Abteilung Straßen am Landratsamt, das Bitumen wieder und komme an die Oberfläche. Komme es dennoch zu solchen Phänomenen, werde Splitt eingesetzt, erklärt Cornelia Kluge. Mit dem Splitt, der von den Fahrzeugen des Winterdienstes ausgebracht wird, wird das Bitumen überdeckt. Doch bisher gebe es diesbezüglich noch keinen Bedarf. 

Im vergangenen Sommer wurden einige Abschnitte vorsorglich abgestreut, unter anderem die S 250 zwischen Grobschütz und Milkau. „Bei neueren Straßen treten Hitzeschäden eher selten auf, da diese eine andere Bindemittelzusammensetzung haben“, erklärt Ute Friedrich in einem früheren Bericht. 

Nicht ganz spurlos an den Straßen vorbei gegangen sind indes die starken Regenschauer in den vergangenen Tagen. „Dadurch treten punktuell Ausspülungen in Banketten, wie zuletzt in Forchheim passiert, oder Verschlammungen lokaler Bereiche durch Erosionen angrenzender Felder auf“, so Kluge. Im Gegensatz zu den Hitzeschäden könnte sich jedoch auf den Regen niemand vorbereiten, ergänzte die Pressereferentin.

Colditzer Straße in Leisnig unter Beobachtung.

Das sagt auch Uwe Dietrich, Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Leisnig. „Ein Starkregen ist ein plötzlich an einem nicht kalkulierbarem Ort auftretendes Schadensereignis.“ So habe es am Montag in Leisnig stark geregnet, während es im Ortsteils Beiersdorf trocken geblieben sei. In der vergangenen Woche habe es in Klosterbuch gehagelt, in Leisnig sei nichts gewesen. 

Eine spezifische Vorbereitung auf solche Wetterereignisse sei nicht möglich. In diesem Jahr hat der Regen bereits für eine Ausspülung der Straße von Minkwitz nach Paudritzsch gesorgt, informierte Uwe Dietrich. 

Schäden durch die Hitze habe es bisher an den Leisniger Straßen nicht gegeben. „Der Bauhof ist aber vorbereitet“, sagt Dietrich. Auch die Kommune setze Splitt zur Bekämpfung der weichen Fahrbahnen ein, die an den Reifen haften bleiben und so Stück für Stück herausgerissen werden. „Aber der Splitt hat auch einen Nachteil“, meint Dietrich. „Die Staubentwicklung ist sehr hoch.“ Das haben die Leisniger an der Colditzer Straße im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen.

Bereits im Juni waren die Mitarbeiter des Bauhofes schon drei Mal an die dortige Straße ausgerückt, um Splitt zu streuen. Anschließend wurde die Geschwindigkeit in dem Bereich herabgesetzt. Daran hielten sich aber offenbar die Wenigsten, sodass der Staub aufgewirbelt wurde. Anwohner trauten sich kaum, die Fenster zu öffnen, berichtete Sächsische.de. Teer haftete mitunter an Rädern der Fahrzeuge. 

Die Anfälligkeit der Colditzer Straße führt Dietrich zurück auf eine Oberflächenbehandlung der Straße im Jahr 2017, die „nicht so gut gelungen ist“. In diesem Jahr stehe die Straße daher unter Beobachtung. Unternommen worden sei bisher noch nichts, erklärte Dietrich. Das Bauamt sei auf einen Einsatz vorbereitet.

Wasserwerfer ist in der Stadt Döbeln schon mehrfach im Einsatz gewesen.

Bereits vorbeugend im Einsatz war die Stadtverwaltung Döbeln. Mit dem Wasserwerfer ist unter anderem die Albert-Schweizer-Straße zwischen der Esso-Tankstelle sowie der Oschatzer Straße gekühlt worden. Bei dieser bestehe während der Hitze aufgrund der hohen Verkehrsbelastung, auch durch landwirtschaftliche Fahrzeuge, die Gefahr, dass sie weich werde, erklärte Jürgen Aurich, Leiter des Döbelner Baubetriebsamtes. 

„Sind zwei bis drei Tage infolge über 30 Grad, dann fährt der Wasserwerfer täglich“, erklärt Aurich. Gesteuert wird er von Mitarbeitern einer privaten Firma, die in diesem Fall von der Stadt beauftragt wird. 2019 sei der Wasserwerfer aber deutlich mehr im Einsatz gewesen als bisher in diesem Jahr. Auch Splitt sei schon ausgebracht worden, unter anderem in Technitz in der Spitzkehre am Klärwerk. In dem Bereich fehlten schattenspendende Bäume. Zudem gebe es aufgrund des Klärwerkes viele schwere Fahrzeuge. „Irgendwann wird die Fahrbahn dort weich. Dann dreht es den Asphalt raus“, sagt Aurich.

Der starke Regen, der in den vergangenen Tagen punktuell niedergegangen ist, hat auf den Straßen der Kommune ebenfalls seine Spuren hinterlassen. So habe es am Montag auf der Straße von Mochau in Richtung Kleinmockitz den Kreuzungsbereich verschlammt. 

Am vergangenen Freitag habe es in Limmritz und Stockhausen größere Probleme gegeben. Dort seien Bankette ausgespült worden, zudem seien auch dort die Straßen verschlammt gewesen. „Der Schlamm ist aufgrund der Rutsch- und damit Unfallgefahr umgehend von der Feuerwehr von den Straßen entfernt worden“, sagt Aurich. Die Instandsetzung der Bankette dauere noch an.

Harthas Straßen leiden mehr unter dem starken Regen als unter Hitze.

Sowohl am Montag als auch am vergangenen Freitag hat der Regen auch in den Harthaer Ortsteilen Wendishain, Lauschka sowie Langenau für ausgespülte Straßenränder gesorgt, wie Bürgermeister Ronald Kunze (CDU) sagte. „Der Bauhof hat die Straßen inzwischen wieder von Steinen, Kies und Sand befreit. Aber es ist noch nicht alles wieder hergerichtet.“ 

Vor allem der Asterberg in Wendishain sei ein neuralgischer Punkt, an dem es bei starkem Regen immer wieder zu Problemen komme. „Wir prüfen gerade, was wir dort in Zukunft ändern können“, äußerte sich Bürgermeister Kunze. Unter der Hitze hätten die Straßen der Kommune bisher nicht gelitten. Dafür aber die Bäume, sagte das Stadtoberhaupt. (mit vt/sig)

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