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Hochbetrieb in der Notaufnahme

Im Aufnahmeraum der Notfallambulanz im Bautzener Krankenhaus sind alle drei Liegen belegt. Jeder Patient wird hier vor der weiteren Behandlung untersucht. Oberärztin Katharina Wiebelitz beschäftigt sich gerade mit dem EKG eines älteren Mannes.

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Von Heiko Engel

Im Aufnahmeraum der Notfallambulanz im Bautzener Krankenhaus sind alle drei Liegen belegt. Jeder Patient wird hier vor der weiteren Behandlung untersucht. Oberärztin Katharina Wiebelitz beschäftigt sich gerade mit dem EKG eines älteren Mannes. „Verdacht auf Herzinfarkt“, sagt sie. Der Notarzt hat die EKG-Kurve bereits über Datenleitung ins Krankenhaus geschickt. Jetzt ist der Patient zwar wieder beschwerdefrei. Katharina Wiebelitz kann aber an der Krankenakte erkennen: Der Mann musste schon öfter wegen gesundheitlicher Probleme ins Bautzener Krankenhaus. Er wird vorläufig noch in der Klinik bleiben.

Wer über Weihnachten in die Notfallambulanz des Klinikums Bautzen-Bischofswerda kommt, hat sich meistens nicht überfressen. „Das ist ein Klischee“, sagt die Medizinerin. Sie kann gerade etwas durchatmen. „Oft handelt es sich um alte Leute, die eigentlich schon eher hätten kommen sollen, aber wegen der Feiertage zu Hause bleiben wollten.“ Dann wurden die Kreislaufprobleme oder Herzstörungen immer schlimmer, und schließlich ging es einfach nicht mehr. – Aber da geht auch schon wieder die Schiebetür auf und die Sanitäter bringen den nächsten Patienten herein. Das Untersuchungskarussell beginnt von vorne: den körperlichen Zustand feststellen, Herz-Überwachung anschließen, Blut abnehmen, entscheiden, was weiter geschieht. Drei Internisten, drei Chirurgen, drei Schwestern und ein Zivi kümmern sich an diesem Abend um die Patienten.

Alf Boeck untersucht gerade einen älteren Mann, der gestürzt war und jetzt am Kopf blutet. Der Chirurg will erst den Kopf im Computertomograph weiter untersuchen, um sicherzugehen, dass der Mann nicht doch noch schwerer verletzt ist. Die Klinik ist für aufwendige Untersuchungen optimal ausgestattet. Wenn nötig, können die Ärzte rund um die Uhr Computertomographien, Magenspiegelungen oder Ultraschall-Untersuchungen des Herzens veranlassen.

Stundenlange Operationen

Alf Boeck hat es über Weihnachten mit vielen Patienten zu tun, die gefallen sind oder einen Verbandswechsel brauchen. Normalerweise erledigten das niedergelassene Kollegen. Aber deren Praxen seien über die Feiertage geschlossen, sagt Alf Boeck. Arm- und Beinbrüche sind an diesem Weihnachtsfest selten – es fehlt der Schnee. Und natürlich werden wie jedes Jahr um diese Zeit Leute mit rekordverdächtigen Promillewerten eingeliefert. 3,8 bis 4,8 Promille messen die Ärzte bei manchen – das entspricht einer Flasche Schnaps. „Getränkeunfälle“ nennen das die Mediziner: Die Patienten können sich nicht mehr auf den Beinen halten, kippen um, verletzen sich. Sie bleiben in der Klinik, bis sie nüchtern sind.

Ärzte und Schwestern sind angespannt; immer wieder kommen neue Patienten. „Wir versuchen, so schnell wie möglich zu behandeln“, sagt Katharina Wiebelitz. „Aber Zugänge mit dem Notarzt haben Vorrang.“ Patienten mit vergleichsweise harmlosen Erkrankungen müssen Geduld haben. Werde operiert, könne das Stunden dauern. Das Telefon klingelt. Die Oberärztin muss zurück in den Aufnahmeraum, der Nächste wartet.