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Höchste Zeit für Löbtaus Geschichte

Ein Apotheken-Jubiläum war Anstoß für eine AG. Während es solche in vielen Stadtteilen gibt, half in Löbtau erst der Zufall.

Von Lars Kühl

Gesund und Fit

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Ein Schokoladenexperte, eine ehemalige Lehrerin, eine Apotheken-Inhaberin und ein stadtteilbekanntes Urgestein hocken zusammen. Auf den ersten Blick hat die bunte Runde kaum Gemeinsamkeiten. Und doch eint die vier ein spezielles Interesse: zur Geschichte von Löbtau.

Gestern vor genau einem Jahr haben sie deshalb die Arbeitsgruppe Geschichte gegründet. Die Hobbyhistoriker sind sich einig, dass es höchste Zeit wurde. Schließlich ist Löbtau älter als Dresden, wurde 138 Jahre vor der Stadt erstmals urkundlich erwähnt. Zeitweise war Löbtau, wo heute rund 20 000 Menschen leben, die größte Landgemeinde Sachsens. Material dürfte also mehr als genug in Archiven, privaten Sammlungen und in den Köpfen der Einwohner schlummern.

Angefangen hat alles mit der Robert-Koch-Apotheke an der Ecke Kesselsdorfer/Rudolf-Renner-Straße. Marion Aderhold, seit genau 15 Jahren Inhaberin, interessierte sich nicht nur für die Geschichte des Geschäftes, das 1911 noch als Kronprinzen-Apotheke eröffnet wurde und 2011 sein 100-Jähriges feierte. Auch Löbtau als Stadtteil faszinierte sie. Aderhold begann, Material zu sammeln. Dabei stieß sie auf das Schwerter-Heim an der Kesselsdorfer Straße. Irgendwie kam ihr der Name bekannt vor. Hatte sie nicht schon einmal etwas von Schwerter-Schokolade gehört?

Die Apothekerin fragte bei Uwe Hessel nach, dem Experten, wenn es um die lange Geschichte von Schokoladenproduktion in Dresden geht. Der konnte ihr aber nur sagen, dass da kein Zusammenhang besteht. Bekannt sei nur, dass im Schwerter-Heim eine der ältesten Freimaurer-Logen Dresdens seinen Sitz hatte.

Trotz allem blieben die beiden Geschichtsinteressierten in Kontakt. Der Cottaer Hessel, der schon viel zur Plauener Geschichte geforscht hatte, besuchte zudem fortan die Löbtauer Runde, in der sich Akteure und Institutionen aus dem Stadtteil treffen. In der war Marlis Goethe schon aktiv. Die Rentnerin unterrichtete jahrelang als Geschichtslehrerin an der 36. Oberschule in der Emil-Ueberall-Straße. Goethe wiederum brachte Sonja Schmidt mit – eine Ur-Löbtauerin, die im Kiez „Hinz und Kunz kennt“, wie Hessel sagt. Sie arbeitete früher in der Interessengemeinschaft Löbtau mit. Die hatte sich bis zu ihrer Auflösung vor Jahren schon etwas mit der Stadtteilgeschichte beschäftigt, allerdings nicht eingehend. Zusammen wurden sich die vier schnell einig: Die Geschichte Löbtaus muss wieder ins Bewusstsein der Bewohner getragen werden. Hessel verfügte als Mitglied des Vereins für Wissenschaftler und ingenieurtechnische Mitarbeiter, kurz Wimad, bereits über Erfahrungen. Die Löbtauer Runde hilft mit ihrer Vernetzung. Zur 110-Jahr-Feier der Kesselsdorfer Straße trat die AG mit dem Löbtauer Geschichtstreff erstmals öffentlich in Erscheinung. 150 Besucher kamen, Fotos und Erinnerungen wurden ausgetauscht. Außerdem zeigten die Mitarbeiter der Robert-Koch-Apotheke, wie früher die Pillen mit alten Geräten noch per Hand gedreht wurden. Goethe erstellte zudem mit Schülern Schautafeln zur Geschichte der Rudolf-Renner-, der Emil-Ueberall-Straße und des Conertplatzes.

„Dieses Jahr wollen wir noch einiges mehr anbieten“, erklärt Hessel. Damit meint er nicht nur die Teilnahme am Dresdner Geschichtsmarkt Ende Februar/Anfang März. Es ist vor allem geplant, Stadtteilrundgänge zu historisch bedeutenden Orten in Löbtau zusammenzustellen. Mit einem Gewerbe- und Fabrik-Kataster wurde ebenfalls begonnen. Zu verdienen gibt es dabei nichts. „Wir arbeiten als reine Idealisten“, sagt Hessel. Die Treffen finden alle zwei Monate statt. Mitstreiter werden noch gesucht. Während über die Löbtauer Runde ein Internet-Auftritt inzwischen steht, sind ein Löbtau-Buch und ein eigenes Stadtteil-Archiv Ziele für die Zukunft.

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