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Hört mal!

Rhythmik fasziniert die Musikpädagogin Anke Vetter aus Bischofswerda. Über Musik lernen Kinder bei ihr so viel.

© Thorsten Eckert

Constanze Knappe

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Elf Kinder sitzen im Kreis um Anke Vetter herum. Die 42-Jährige spielt auf ihrer Klarinette und die Vierjährigen musizieren kräftig mit. Klappern mit Nüssen im Takt oder klatschen mit den Füßen. Sie sind aufmerksam bei der Sache. Wenig später laufen sie im Kreis zur Musik, einen Gymnastikreifen als vermeintlichen Schlitten hinter sich her ziehend. Die Rhythmikgruppe der Kreismusikschule übt im Spiegelsaal der Goethe-Turnhalle in Bischofswerda.

Hallo, Frau Vetter, in der Rhythmikgruppe geht es mal ernst und mal lustig zu. Wer hat mehr Spaß an der Sache, Sie als Lehrerin oder die Kids?

Die Kinder kommen gern in die Übungsstunde. Das ist erst einmal wichtig. Es geht aber nicht nur um den Spaß daran. Über die Musik lernen die Kinder, auch mal langsam zu sein, zarte Bewegungen zu machen. Ja, auch ich habe meinen Spaß daran und mache das sehr gern. Die Rhythmik hat mich als pädagogisches und therapeutisches Arbeitsprinzip schon immer interessiert. Deshalb habe ich in dieser Richtung noch einmal an der Musikhochschule in Dresden studiert. Übrigens bei Prof. Christine Straumer, welche aus Belmsdorf stammt.

Sie fangen mit Vierjährigen an. Warum macht das so frühzeitig Sinn?

Beim Singen, Tanzen und Hören verbinden wir Musik mit Bewegung. Das kann man spielerisch schon den Kleinen vermitteln. Damit verbessern wir Konzentration und Aufmerksamkeit. Verschiedene Dinge miteinander koordinieren zu können - diese Fähigkeit braucht doch jeder im Leben. Das von klein auf zu üben, fördert die Entwicklung der Kinder. Besonders auch der Kinder, die ein Jahr von der Schule zurückgestellt wurden. Deren Eltern sehen dem Schulbeginn nun erleichtert entgegen.

Was lernen die Kinder in der Rhythmikgruppe?

Viele Menschen hören den ganzen Tag über Musik, aber die wenigsten setzen sich damit aktiv auseinander. Rhythmik fördert ganzheitlich. Wir vermitteln zum Beispiel den Umgang mit der Singstimme. Das fördert die Sprechmotorik und hilft, die Sprache zu entwickeln. Die Kinder erkennen rhythmische Abfolgen, klatschen und bewegen sich danach. Nicht jeder aus der Gruppe muss deswegen einmal Musiker werden. Was man durch Rhythmik lernt, ist fürs ganze Leben gut. Egal, was man später mal macht. Und so ganz nebenbei lernen die Kinder auch, sich in der Gruppe einzuordnen. Das erleichtert ihnen später den Start in der Schule.

Werden dabei Talente entdeckt?

Schon möglich. Wobei es in dem Alter noch nicht um die Selektion von Talenten geht. Aber man sieht schon, wem es leichter fällt. Bei allen Kindern wecken wir aber damit die Neugier auf Instrumente.

Wie wird denn dieses Angebot in Bischofswerda genutzt?

Gut. Ich betreue zwei Gruppen für jeweils eine Stunde in der Woche. Getrennt nach Alter übe ich mit Vier- und Fünfjährigen sowie mit Fünf- und Sechsjährigen. Wenn noch mehr Eltern dafür Interesse haben, ließe sich das Angebot in Bischofswerda noch weiter ausbauen.

Was bedeutet Ihnen Musik?

Sie ist für mich sehr wertvoll. Musik wird von allen gleich empfunden und hilft deshalb, Barrieren zu überwinden, wenn jemand eine andere Sprache spricht oder gar nicht reden kann. Mir selbst gibt Musik ein inneres Wohlbefinden. Sie kann ebenso Puffer sein, um Emotionen herauszulassen. Egal, ob man traurig oder fröhlich ist.

Ist die Klarinette Ihr Lieblingsinstrument?

Die Klarinette hat ihre Vorzüge in sehr hohen und sehr tiefen Tönen. Als Kind begann ich, dieses Instrument zu lernen, spiele es bis heute gern und unterrichte das Fach, neben der Blockflöte, an der Kreismusikschule. Trotzdem würde ich die Klarinette nicht unbedingt als mein Lieblingsinstrument bezeichnen. Jedes Instrument ist auf seine Art schön. Meine Kinder spielen zum Beispiel Klavier und Posaune.

Was reizt Sie an Ihrer Arbeit als Musiklehrerin?

Dass ich den Kindern meine Liebe zur Musik weiter vermitteln kann. Ich finde es einfach toll, dass sie dabei eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung für sich entdecken.

Sie geben auch Kurse für Behinderte. Ist es schwer, sich von quirligen Kids auf die anderen Teilnehmer umzustellen?

Nein. Das ist für mich eher ein Ausgleich. Bei den Behinderten geht es ruhiger zu. Was schon kleine Kinder können, ist selbst für behinderte Erwachsene nicht immer selbstverständlich. Erfolgserlebnisse sind deshalb in der Gruppe immer für alle mit großer Freude verbunden. Mancher der Teilnehmer geht nach dem Kurs in einer aufgeräumten Stimmung nach Hause oder mit mehr Elan an seine Arbeit.

Welche Musik hören Sie privat am liebsten?

Nicht nur Klassik, eigentlich alles querbeet.

Wie fanden Sie selbst zur Musik?

Ich stamme aus einer musikalischen Familie. Meine Eltern spielten zwar kein Instrument. Doch ihnen lag sehr viel daran, dass mein Bruder und ich uns damit beschäftigen. Wir waren beide in der Kreismusikschule. Dass ich Jahrzehnte später jetzt hier selbst unterrichten darf, ist durchaus ein besonderes Gefühl. Es ist schön, das trotz unserer schnelllebigen Zeit auch heute Eltern und Kinder mit der Musik anhaltend etwas lernen wollen.

Wie steht es bei Ihrer musikalischen Ader in Ihrer Familie mit Hausmusik?

Mein Mann Frank singt. Unsere Tochter Leonore begleitet ihn am Klavier oder sie begleitet mich. Die Musik schafft Platz für Emotionen im Alltag. Die Liebe zur Musik haben wir allen unseren Kindern mitgegeben. Friedrich, der Älteste, spielte viele Jahre Cello und wechselte dann zur E-Gitarre. Albrecht spielt Posaune, die ist sein Leben. Tillman war zwar früher in der Musikschule, ist dann aber beim Sport gelandet. Georg spielt Schlagzeug und gründet gerade eine Band. Durch die Musik sind wir miteinander verbunden. Allerdings kommt es immer seltener vor, dass wir mal alle zusammen musizieren.

Weil die Zeit dafür fehlt?

Leider. Höchstens an Geburts- und Feiertagen oder zu Weihnachten spielen wir noch gemeinsam. Das empfinde ich dann als ein großes Geschenk.

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