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Hoffnung für Wilsdruffer Funkturm

Der neue Förderverein zum Erhalt des abrissbedrohten „Bleistifts“ hat Zulauf. Bei einem Treffen stellt er seine Ideen vor.

Sabine Neumann aus Limbach ist Vorsitzende des neuen Fördervereins Funkturm Wilsdruff. Sie und ihre Mitstreiter engagieren sich für die Rettung des „Bleistifts“.
Sabine Neumann aus Limbach ist Vorsitzende des neuen Fördervereins Funkturm Wilsdruff. Sie und ihre Mitstreiter engagieren sich für die Rettung des „Bleistifts“. © Karl-Ludwig Oberthür

Er ist ein Wilsdruffer Wahrzeichen – der Funkturm an der A 4 vor den Toren Dresdens. Die Riesenantenne, die auf dem Gelände eines Privateigentümers steht, soll aus Kostengründen abgerissen werden. Der im Mai gegründete Förderverein Funkturm Wilsdruff will dagegen vorgehen. Das Vorhaben bekommt immer mehr Rückenwind. Bei einer Petition zur Rettung des 153 Meter hohen auch „Bleistift“ genannten Turms unterschrieben 4 323 Leute, rund die Hälfte davon lebt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Bei einem Treffen im Wilsdruffer Stadt- und Vereinshaus stellte sich der neue Förderverein am Dienstag vor und konnte dort auch gleich weitere Mitglieder gewinnen – inzwischen sind es 26. Darüber hinaus hat der Verein einen Fahrplan, wie der geschichtsträchtige Funkturm erhalten und womöglich auch die gesamte 1954 eingeweihte Rundfunkanlage zukünftig sinnvoll genutzt werden könnte. Anders als die Riesenantenne steht das historische Gebäude-Ensemble des Funkamts Dresden laut dem Verein noch immer unter Denkmalschutz.

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Als ersten Schritt will der Förderverein weiter an einem möglichen Nutzungskonzept feilen und es fertigstellen. Zudem will er Geld sammeln, um etwa nach der erhofften Rettung zu helfen, den Erhalt des Wahrzeichens stemmen zu können.

Ideen zur Nutzung gibt es einige. Sie reichen vom Museum bis hin zur Nutzung des Senders im Katastrophenfall. Demnach gebe es offenbar Probleme bei der reibungslosen Behördenkommunikation in Notfällen, die mit der Umstellung auf Digitalfunk zusammenhingen, hieß es bei den Treffen. Die Mittelwelle sei hingegen „ideal“ für so einen Notfunk, und der Wilsdruffer Sendemast sei „unverwüstlich“ sowie leistungsstark. Nur müsse er funktionstüchtig gemacht werden. Einst habe er als Sender inmitten von Sachsen Empfänger vom Westen Polens bis Thüringen erreicht.

Eine weitere Idee ist die des Schülerradios. So könnten Wilsdruffer Schüler ein eigenes Radioprogramm über Mittelwelle starten. Schüler würden das Programm machen – und hören. Zudem könnten so technikbegeisterte Nachwuchs angesprochen werden. Solch ein Senderprojekt über Mittelwelle mit Gymnasiasten gibt es seit über einem Jahr im bayrischen Cham. „Das läuft richtig gut“, sagt der Pirnaer Wolfgang Lill, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Internetplattform radiomuseum.org. Auch er unterstützt die Rettung des „Bleistifts“.

Der „Bleistift“ ist ein Wahrzeichen von Wilsdruff. Ihm droht der Abriss.
Der „Bleistift“ ist ein Wahrzeichen von Wilsdruff. Ihm droht der Abriss. © Oberthür

Damit das klappt, brauche es aber die Hilfe von der Stadt und vor allem vom Freistaat. „Als nächsten Schritt wollen wir daher die Politik mit ins Boot holen“, erklärt Sabine Neumann, die Vorsitzende des neuen Fördervereins. Instrumentalisieren lassen will sich der Verein nicht.

Wichtig sei zunächst einmal der Erhalt des bei Funkern weltweit bekannten „Bleistifts“. Mit dem Rückbau würde der schleichende Verfall des gesamten noch denkmalgeschützten Funkamt-Areals eingeleitet, heißt es vonseiten des Fördervereins.

Das Unterfangen sei aber nicht einfach. Der Mast gehört dem Serviceprovider Media Broadcast. Das Kölner Unternehmen, das die Riesenantenne nach dem Aus für die Mittelwellenübertragung 2013 nicht mehr wie zuvor nutzen konnte, müsse trotzdem noch für die Wartung aufkommen und würde den Turm zum Ende dieses Jahres abreißen lassen (SZ berichtete). Der Sockel, auf dem der Mast steht, gehört einem anderen Unternehmen – und das Grundstück, dem Eigentümer, einem Geschäftsmann, der das Funkamt-Areal vor rund sieben Jahren gekauft hatte. Die Interessen aller drei Besitzer müssten beachtet werden. Und die Zeit drängt, nachdem der Rückbau des Masts infolge eines Gerichtsbeschlusses von Ende 2018 möglich ist.

Womöglich kommt aber Hilfe vom Freistaat. Wilsdruffs Bürgermeister Ralf Rother (CDU) kam bei dem Treffen am Dienstag ins Gespräch mit Vereinsmitgliedern. Sie baten ihn, Kontakt mit dem sächsischen Innenministerium (SMI) aufzunehmen, um sich für den Erhalt des Turms einzusetzen.

Rother bestätigte am Mittwoch der SZ, dass in Kürze Gespräche mit dem SMI stattfinden. Bei einem Gespräch ginge es um ein Nutzungskonzept und den Denkmalstatus. „Doch es muss vor allem auch die Eigentümer einbezogen werden“, sagt Rother. Alle müssen an einen Tisch und sich über die Ideen austauschen, die eine mitunter öffentliche Nutzung auf dem privaten Gelände betreffen. Er selbst habe keinen schlechten Erfahrungen mit dem Besitzer gemacht. Über den aktuellen Stand der Rettungsaktion will der Förderverein künftig auf seiner Internetseite hinweisen.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

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