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Hotel wird zum Treffpunkt

Ein Pflegedienst bietet jetzt im Beiersdorfer „Amselgrund“ Tagesbetreuung an. Und es gibt für das Haus noch weitere Pläne.

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© Rafael Sampedro

Von Romy Kühr

Beiersdorf. Das Motto ihres Pflegedienstes heißt „Bring’ Farbe in dein Leben“, und das ist Ninon Jänchen quasi auf den Leib geschrieben. In einem knallgrünen T-Shirt steht sie vorm ehemaligen Hotel Amselgrund in Beiersdorf. Dort hat der Pflegedienst Rosenio, den ihre Mutter Manuela Schlüter voriges Jahr gegründet hat, jetzt eine Tagesbetreuung für Senioren eröffnet.

Bereits seit einem Jahr betreibt der Pflegedienst in dem Haus eine Wohngruppe für Senioren, die besonders intensiv gepflegt und betreut werden müssen. Nun wird auch die ehemalige Gaststätte des Hotels im Erdgeschoss wieder genutzt. Zwei große Räume stehen dort zur Verfügung, in denen Senioren tagsüber betreut werden. Gemeinsam Zeitung lesen, essen, basteln, Ausflüge und Spaziergänge unternehmen steht auf dem Tagesprogramm. Senioren können die Einrichtung auch mal kurzfristig besuchen. „Wenn zum Beispiel ein Angehöriger einen Termin hat, dann kann Oma oder Opa auch mal nur für ein paar Stunden zu uns kommen“, so Ninon Jänchen. „Das handhaben wir ganz flexibel.“ Damit sollen Menschen entlastet werden, die ihre betagten Eltern oder Großeltern zu Hause pflegen. Rosenio will pflegende Angehörige unterstützen, damit ältere Menschen nicht in ein Heim müssen, sondern bis zuletzt in den eigenen vier Wänden betreut werden können. „Viele suchen nach Alternativen zum Heim“, sagt Ninon Jänchen und ist deshalb vom Erfolg ihres Konzepts überzeugt.

Erst Anfang des Jahres hatte der Pflegedienst, der seinen Hauptsitz in Zittau hat, die ehemalige ASB-Wohnanlage in Dürrhennersdorf übernommen. Dort stehen 35 seniorengerechte Wohnungen zur Verfügung. Viele waren zuletzt leer. Seit der Übernahme durch Rosenio wurden bereits fünf Wohnungen wieder vermietet, berichtet Ninon Jänchen. Auch dort verfolgt der Pflegedienst die Idee, dass jeder in seiner eigenen Wohnung leben, aber Unterstützung oder Pflege in Anspruch nehmen kann. So müssen die Bewohner nicht noch einmal in ein Heim umziehen, sollte es ihnen im hohen Alter schlechter gehen. Auch in der Dürrhennersdorfer Einrichtung gibt es zusätzlich zu den Wohnungen eine Tagesbetreuung für Senioren. Sie wird gut angenommen, sagt Jänchen. „Wir holen sogar eine Rentnerin aus Bautzen einmal pro Woche nach Dürrhennersdorf.“ Einen Hol- und Bringeservice gibt es jetzt auch in Beiersdorf.

Mit Blick auf das ehemalige Hotel sagt Ninon Jänchen: „Es kommt schon vor, dass Leute reinkommen und fragen, ob es hier noch was zu essen gibt.“ Das ist zwar nicht der Fall, aber die frühere Gaststättenküche wird weiterhin genutzt. Das Rosenio-Team hat eine neue Küche eingebaut, hier können die Senioren gemeinsam kochen und backen. Neben der Tagesbetreuung hat Rosenio weitere Pläne für den „Amselgrund“. Eine Wohngruppe speziell für Demenzkranke soll entstehen. Die Wohnräume sind gerade fertiggestellt, es riecht noch nach frischer Farbe.

Für seine Vorhaben braucht das Unternehmen auch zusätzliche Mitarbeiter. Zwar kommen bisher sieben eigene Kollegen in der Beiersdorfer Einrichtung zum Einsatz. „Aber mit der Erweiterung werden wir sicher noch mehr brauchen“, sagt Chefin Ninon Jänchen. So seien Alltagsgestalter gefragt, und auch Pflegefachkräfte werden immer gebraucht.