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Clevere Hoteliers nutzen Corona-Pause

Am 15. Mai geht endlich die Sommersaison im Tourismus los. Alle Hotels und Gasthäuser dürfen wieder öffnen. Manche sind schöner als zuvor.

Steffen Strohbach hat im Restaurant des Parkhotels in Bad Schandau noch zu tun, um rechtzeitig fertig zu werden. Kerstin Mewe-Garreis freut sich schon auf das Ergebnis.
Steffen Strohbach hat im Restaurant des Parkhotels in Bad Schandau noch zu tun, um rechtzeitig fertig zu werden. Kerstin Mewe-Garreis freut sich schon auf das Ergebnis. © Daniel Schäfer

Jetzt muss es schnell gehen. Steffen Strohbach stemmt gerade ein Loch in den Fußboden im Parkhotel Bad Schandau. Der Endtermin muss gehalten werden, denn ab Freitag, 15. Mai, sollen hier wieder Gäste speisen dürfen. Der neue Elektro-Anschluss macht es möglich, dass das Frühstücks-Büfett so steht, dass man drum herum laufen kann. "So vermeiden wir Gedränge und schaffen Abstand", sagt Kerstin Mewe-Garreis vom Parkhotel.

Das Haus gehört zur Pura-Gruppe wie auch das Forsthaus im Kirnitzschtal. "Dort haben wir die Corona-Pause genutzt, um die Zimmer zu renovieren", erklärt Inhaber Ralf Thiele. Die vergangenen zwei Monate seien eine schwere Zeit gewesen. Aber jetzt freuten sich alle auf den Wiederbeginn am 15. Mai. Der Freistaat Sachsen hat seine Beschränkungen größtenteils aufgehoben. Das sei nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Psyche wichtig, so Thiele.

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Zwar hatte die Pura-Gruppe diese Investitionen anders kalkuliert, aber trotz fehlender Einnahmen konnten sie umgesetzt werden. Die entstandene Finanzierungslücke zu schließen, half das Förderprogramm des Freistaates. "Das haben wir genutzt. Aber natürlich mit Augenmaß, denn das Geld müssen wir ja trotzdem irgendwie erwirtschaften", sagt Thiele. Wie groß der Verlust für sein Unternehmen wegen der Zwangsschließung war, möchte er nicht sagen. Jetzt gelte es, nach vorn zu schauen und sich auf die Saison zu konzentrieren.

Chance für einzigartige Marketing-Aktion

Eine solche Investition war Olaf Schwalbe zu risikoreich. "Es war ja nie absehbar, bis wann der Überlebenskampf dauern sollte", sagt er. Zusammen mir seiner Frau betreibt er das Hotel Erbgericht in Höckendorf. Mit seinen 63 Zimmern zählt es zu den größeren Betrieben in der Region. Die stehen seit März allesamt leer. Auch die 70 Plätze im Restaurant und die 300 weiteren im Saal brauchte wegen der vorgeschriebenen Kontaktbeschränkungen niemand. 

Untätig war er trotzdem nicht. "Jetzt kam ich mal dazu, alle Kleinigkeiten abzuarbeiten, für die sonst nie Zeit war", sagt er. Zu den "Kleinigkeiten" gehörte unter anderem die Pflege der kompletten Außenanlagen. Dass nun klar ist, dass es am 15. Mai weitergehen kann, "stimmt uns absolut positiv", sagt er.  

Ein Rest-Zweifel bleibt aber noch. Wie die Auflagen genau aussehen sollen, da ist er noch gespannt. "Wenn uns die Umsetzung so viel kostet, dass wir auf die Zimmerpreise 20 Euro draufschlagen müssten, passt das natürlich nicht", sagt er.

Vor wenigen Tagen war Olaf Schwalbe noch ratlos, wie lange er die schwierige Lage ohne Gäste noch meistern kann.
Vor wenigen Tagen war Olaf Schwalbe noch ratlos, wie lange er die schwierige Lage ohne Gäste noch meistern kann. © Frank Baldauf

Hotelier Sven-Erik Hitzer, der mehrere Häuser in Schmilka betreibt, hatte sich wochenlang vehement gegen zu harte Corona-Maßnahmen ausgesprochen. Das sah er auch als Vorstand im Tourismusverband Sächsische Schweiz als seine Aufgabe an. Zu den Lockerungen sagt er: "Das ist sehr gut, dass sich Sachsen von Berlin emanzipiert. Ministerpräsident Michael Kretschmer hat richtig entschieden."

Wenn man es konsequent durchziehe, könne man daraus sogar einen Marketing-Effekt erzielen. "Sachsen wäre die einzige Destination, wo man unbegrenzt Urlaub genießen kann - weltweit", sagt er. Dass derzeit noch keine Touristen aus dem Ausland kommen, sei ihm natürlich bewusst. Das Wörtchen "weltweit" solle nur die Dimension verdeutlichen.

Mecklenburg-Vorpommern habe zum Beispiel verfügt, dass die Hotels maximal zu 60 Prozent ausgelastet werden dürfen, damit sich die Gäste nicht zu nahe kommen. Dagegen laufen nun Klagen. Das könnte dem Bundesland noch richtig wehtun, glaubt Hitzer.

Bei seiner Albergo GmbH seien die Betten bis über den Sommer hinaus fast vollständig ausgebucht. Die zwangsläufig verkürzte Saison sei schon schlimm genug. Das Angebot noch künstlich zu verknappen, wäre aus seiner Sicht betriebswirtschaftlich untragbar. Stattdessen sollte der Freistaat mit der Marketing-Botschaft des unbeschwerten Urlaubs werben und damit hier "die Betten voll machen".

Sven-Erik Hitzer beglückwünscht den Freistaat zu seiner konsequenten Entscheidung, zu Hotels, Gaststätten und Pensionen.
Sven-Erik Hitzer beglückwünscht den Freistaat zu seiner konsequenten Entscheidung, zu Hotels, Gaststätten und Pensionen. © Marko Förster

Betriebe werben sich Mitarbeiter ab

Das ist auch Ralf Thiele wichtig, dass sich die Gäste trotz Abstands-Regeln und Hygiene-Vorschriften nicht wie in einem Sanatorium fühlen, sondern die nötige Entspannung erleben. "Da spielen wir jetzt noch einiges selbst durch", sagt Thiele. Die Service-Mitarbeiter werden Mund-Nase-Bedeckung tragen und weitere Auflagen müssten wohl noch erfüllt werden.

Über den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga bringe die Region ihre Interessen mit ein. Die entsprechende Verordnung will die Landesregierung am Dienstag, 12. Mai, beschließen. Hitzer geht davon aus, dass es keine größeren Einschränkungen mehr geben wird. Thiele ist sich für den Wellness-Bereich noch nicht so sicher. Der Dehoga-Geschäftsführer für die Region, Thomas Pfenniger, glaubt nicht, dass über die Verordnung noch mal die ganz große Bremse eingeschoben wird. "Da geht es um allgemeine Dinge, die jedes Unternehmen umsetzen kann, egal wie groß es ist", sagt er.

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